Nahost-Konflikt "Das Schlimmste steht noch bevor"Seite 2/2

Vize-Generalstabschef  Harel sagte: "Wir befinden uns erst am Anfang des Kampfes, dies kann man nicht mit einem Schlag lösen" Der gegenwärtige Einsatz im Gaza-Streifen sei "anders als vorherige Operationen". Israel habe sich ein "hohes Ziel gesetzt" und wolle es auch erreichen. Zu den Raketenangriffen militanter Palästinenser auf israelische Grenzorte sagte er, das Hinterland sei "bei jeder Konfrontation automatisch eine zweite Front".

Die humanitäre Lage im Gaza-Streifen wird immer schlechter. Nach Angaben des Roten Kreuzes sind die Krankenhäuser völlig überfordert. Die Kliniken seien überlaufen und der hohen Opferzahl nicht gewachsen. Sie benötigten eiligst medizinische Ausrüstung. Es sei dringend erforderlich, Notfall-Equipment in den Gaza-Streifen zu lassen. Israel wollte auf Anweisung des israelischen Verteidigungsministers Ehud Barak rund 100 Lastwagen mit Lebensmitteln, Medikamenten und humanitären Hilfsgütern in den Gaza-Streifen lassen. Außerdem sollten Treibstoff und Gas zum Kochen und Heizen über eine Pipeline in das Gebiet transportiert werden, berichteten israelische Medien.

Unterdessen versuchen Dutzende Palästinenser, durch den Grenzzaun nach Ägypten zu flüchten. Dabei kam es zu Zusammenstößen, ein ägyptischer Grenzsoldat und ein Palästinenser wurden getötet. Kämpfer der Hamas hätten zudem einem Ägypter ins Bein geschossen. Die Sicherheitskräfte am Grenzübergang Rafah hätten mehrfach in die Luft geschossen, um durch den Grenzzaun nach Ägypten geschlüpfte Palästinenser zur Umkehr zu zwingen. Augenzeugen zufolge gelang es dennoch vielen, in das Nachbarland zu fliehen. Krankenhäuser in Gaza berichteten, zehn Personen hätten bei den Auseinandersetzungen in Rafah Schussverletzungen erlitten.

Die internationale Staatengemeinschaft schaut weiterhin besorgt auf die jüngste Eskalation im Nahen Osten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat erneut zu einem sofortigen Ende der Gewalt und der Militäroperationen aufgerufen und das Nahost-Quartett eingeschaltet. Er habe seinen Aufruf zu einem sofortigen Ende der Gewalt zudem in Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert, Palästinenser-Präsident Machmud Abbas, dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, dessen syrischem Kollegen Baschar al-Assad und anderen regionalen Spitzenpolitikern erneuert.

Auch die Stimmung in der arabischen Welt und in Iran ist äußerst gespannt. Tausende protestierten gestern in Kairo, Beirut, Damaskus und Amman gegen die Militäroffensive der Israelis. Vor Tausenden seiner Anhänger hat der Chef der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon, Hassan Nasrallah, die Palästinenser zum Durchhalten aufgerufen. Dabei verglich er die israelischen Attacken mit dem Libanonkrieg im Sommer 2006, als Israel gegen die Hisbollah vorgegangen war. "Mit Standhaftigkeit werden sie aber den erwarteten Sieg erringen." Zugleich warnte der Hisbollah-Chef die ägyptische Regierung, sich gegen Hamas zu stellen. "Die Ägypter sollten Hamas nicht drängen, eine unterwürfige Friedensvereinbarung zu akzeptieren." Sonst würden sie sich an den Verbrechen beteiligen, die an den Palästinensern in Gaza begangen werden.

Die israelische Armee bereitet derweil alles für eine Bodenoffensive vor, sollte der Raketenbeschuss weiter fortgesetzt werden. Erstmals seit dem Libanonkrieg bewilligte das Kabinett in Jerusalem dafür die Mobilisierung von 6500 Reservisten, die die Truppen verstärken sollen. Außerdem rollten am Sonntag zahlreiche gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Gaza-Streifen.

Israel hatte am Samstag die Militäroffensive begonnen, um gegen den fortwährenden Raketenbeschuss durch militante Palästinenser vorzugehen. Olmert stimmte die Bevölkerung daraufhin auf eine längere Auseinandersetzung ein.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service