Krieg im Gaza-Streifen Was ist Hamas?

Sie kämpft gegen Israel, mit Raketen, Attentätern und Milizionären. Vor 20 Jahren trat die Gruppe unter dem Namen Hamas erstmals in Erscheinung.

Drohung: Nach israelischen Luftangriffen auf Gaza schwenkt ein Jugendlicher die Hamas-Flagge in einem Flüchtlingslager bei Jerusalem

Drohung: Nach israelischen Luftangriffen auf Gaza schwenkt ein Jugendlicher die Hamas-Flagge in einem Flüchtlingslager bei Jerusalem

Die palästinensische Organisation Hamas kämpft seit 21 Jahren gegen Israel. Hamas setzt auf Selbstmordattentäter und Sozialarbeiter, beschießt israelische Siedlungen mit selbstgebauten Raketen und versorgt Palästinenser in Flüchtlingslagern mit Wasser und Brot. Sie entführt israelische Soldaten und baut Schulen. Seit 2007 kontrolliert die Hamas den Gaza-Streifen. Sie weigert sich bis heute, den Staat Israel anzuerkennen und tritt für die Vertreibung der Juden ein.

Im Dezember 1987 tauchte der Name Hamas zum ersten Mal auf einem Flugblatt auf. Die Gruppe Harakat al-Muqawama al-Islamia, kurz Hamas, kündigte darin ihren Kampf gegen Israel an. Die Erklärung erschien kurz nach dem Beginn der ersten palästinensische Intifada, dem Aufstand gegen die israelische Besatzung. Übersetzt bedeutet Hamas "Islamische Widerstandsbewegung". Im Arabischen steht der Name zudem für "Glaubenseifer" - die Hamas-Kämpfer verstehen sich als Krieger Gottes. Ihr Symbol zeigt zwei gekreuzte Schwerter, einen Umriss von Israel und den Felsendom in Jerusalem.

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Trotz der Ablehnung Israels durch Hamas, erkannte Jerusalem den karitativen Arm der Organisation an. Dieser verteilt Almosen an bedürftige Palästinenser in Flüchtlingslagern.  Israel wollte damit die PLO, die damals vorherrschende Palästinenserorganisation, schwächen. Ideologisch ging Hamas aus der Gesellschaft der Muslimbrüder hervor, die in den zwanziger Jahren in Ägypten gegründet wurde und eine Rückkehr der arabischen Staaten zu einer strengeren Auslegung des Korans forderte. Der bekannteste Mitbegründer der Hamas war Scheich Ahmad Yasin, der 2004 von der israelischen Luftwaffe bei einem Raketenangriff getötet wurde. Hamas geriet schnell in einen Konflikt zur PLO unter Jassir Arafat, dessen Annäherung an Israel abgelehnt wurde.

Am 14. Dezember feierte Hamas ihren 21. Jahrestag. 150.000 Sympathisanten kamen in Gaza zu einer Kundgebung zusammen. Die Machtdemonstration war gegen Israel und die Palästinenser-Organisation Fatah gerichtet. Die Fatah von Palästinenserpräsident Abbas kontrolliert das Westjordanland. Beide Organisationen liefern sich heftige Auseinandersetzungen.

An der ersten Wahl 1996 nahm Hamas nicht teil, erst 2005 wurde sie zu einer Partei. Bei den vergangenen Wahlen in den Palästinensergebieten 2006 ging Hamas als Sieger hervor und errang die absolute Mehrheit. Sie ist international jedoch nicht anerkannt, zahlreiche Staaten stufen Hamas und ihre Unterorganisationen als terroristische Vereinigung ein, darunter die USA, die EU, Australien und Kanada.

Hamas besteht aus zahlreichen Unterorganisationen. Sie ist in einen politischen Arm, einen Sicherheitsapparat und einen militärischen Zweig aufgeteilt. Innerhalb der Hamas organisieren die Izz-al-Din-al-Qassam-Brigaden Anschläge und Attentate. Seitdem sich Israel mit einem Grenzzaun vor Selbstmordattentätern schützt, setzen die Qassam-Brigaden Mörser und Raketen gegen Israel ein.

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Die Kassam-Kurzstreckenraketen werden in Garagen und Hinterhofwerkstätten gebaut. Es sind einfache, mit Treibstoff gefüllte Rohre mit einem Sprengkopf. Die Kassam-Raketen fliegen bis zu 20 Kilometer weit und bedrohen vor allem israelische Siedlungen. Hamas verfügt zudem über Grad-Raketen aus alter sowjetischer Produktion. Schmuggler bringen sie durch Tunnel aus Ägypten in den Gaza-Streifen. Die Grad-Geschosse haben eine Reichweite von 30 Kilometer und werden mit Raketenwerfern abgefeuert. Der dauerhafte Beschuss mit Raketen führte zu den jüngsten Luftangriffen der israelischen Luftwaffe auf Ziele in Gaza. Allein am Sonntagmorgen seien 20 Raketen in Israel eingeschlagen, teilte eine Armeesprecherin mit.

Angeführt wird Hamas von verschiedenen, oft konkurrierenden Politikern. Herausragenden Einfluss besitzen Chaled Maschaal, Chef des Politbüros, und der  Kommandant der Sicherheitstruppen, Ismail Hanija. Maschaal hält sich meist in Syrien auf, der 52-Jährige lebt in Damaskus im Exil. Hanija wurde 2006 von der Hamas außerdem zum Premierminister berufen. Er drohte Israel am Sonnabend mit einer dritten Intifada.

Das Hauptquartier der Hamas-Regierung liegt in Gaza. Die israelische Luftwaffe bombardierte dort am Wochenende die Verwaltungsgebäude und Privathäuser einiger hochrangiger Hamas-Führer. Am Montagmorgen verkündete die Organisation islamischer Staaten, dass Hamas zu einer Waffenruhe mit Israel bereit sei. Eine offizielle Stellungnahme der Hamas liegt noch nicht vor.

 
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