Krieg in Gaza Zu viele Friedensgegner
Zwischen Israel und Hamas herrscht Krieg, ein Abkommen ist nicht in Sicht. Der künftige US-Präsident Obama steht vor einer kaum lösbaren Aufgabe

© Mahmud Hams/AFP/Getty Images
Ein Junge steht vor einem zerstörten Haus in Gaza-Stadt: Die Zahl der Toten steigt auf mehr als 300
Das Ziel erscheint aus heutiger Sicht besonders naiv: Bis zum Ende des Jahres sollte ein Friedensvertrag stehen. Darauf hatten sich die Beteiligten an der Nahost-Konferenz im amerikanischen Annapolis Anfang 2008 geeinigt. Zwar hatten Kritiker ohnehin bezweifelt, Annapolis würde irgendeine Einigung bringen. Doch nun sind die schlimmsten Befürchtungen eingetreten - eine Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern.
Israel reagierte auf den monatelangen Beschuss der Grenzstadt Sderot durch palästinensische Extremisten aus dem Gaza-Streifen am Wochenende mit einer massiven Militäraktion. Ihr Ende ist nach Aussagen der israelischen Regierung nicht in Sicht. Tausende Reservisten halten sich nun für eine Bodenoffensive bereit. Bis Montag hat die Bombardierung mehr als 300 Palästinensern das Leben gekostet, rund 1000 wurden verletzt.
Auch für Hamas stehen die Zeichen auf Krieg, sie fordert eine dritte Intifada, einen Aufstand gegen Israel. Und sie hat begonnen, weitere Raketen abzufeuern. Nunmehr nicht nur auf Sderot, sondern auch auf die Stadt Aschkelon und Ziele im westlichen Negev. Der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet berichtet, die Raketen der Extremisten könnten Ziele bis zu vierzig Kilometer im israelischen Kernland treffen.
Die Lösung des Nahost-Konflikts ist eine der zentralen Herausforderungen der neuen amerikanischen Regierung. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass auf den Nachfolger von Präsident George W. Bush, Barack Obama, gut gemeinte Ratschläge einstürzen. All diese liegen zumeist einer simplen Logik zugrunde: Es sei nun an Obama, das genaue Gegenteil von dem zu tun, was Bush in Sachen Nahost während seiner Amtszeit getan hat.
Doch die Entwicklungen der vergangenen Monate lassen daran zweifeln, dass künftige Verhandlungen zu den Bedingungen möglich sind, die in den neunziger Jahren mit den Abkommen von Oslo so etwas wie einen Beinahe-Frieden gebracht haben. Denn der Rahmen, den die Oslo-Verträge vorgegeben haben, ist zu einem Anachronismus geworden.
- Datum 07.05.2009 - 13:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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