Jugend in Frankreich Die Lust an der Rebellion

Frankreich fürchtet, dass sich die Wut der Vorstädte mit dem Frust der Schüler vereinen könnte. Auftakt zu der neuen Serie über Jugendbewegungen in Europa

Protest gegen die Bildungsreformen: Ausschreitungen vor der Technischen Hochschule im nordfranzösischen Lille am 18. Dezember

Protest gegen die Bildungsreformen: Ausschreitungen vor der Technischen Hochschule im nordfranzösischen Lille am 18. Dezember

Knapp Tausend Kinder stürmten am 17. Dezember den Élysée-Palast. Sie wollten das Königspaar, nein: den Präsidenten und seine Gattin sehen. Mitsamt ihren Gärtnerinnen tobten sie durch den Ehrenhof des Élysées, vorbei an der neun Meter hohen Ökotanne, um am traditionellen Kinderempfang teilzunehmen.

Unter ihnen waren auch Abgesandte aus den armen Vorstädten, deutlich zu erkennen an ihren Hautfarben und vor allem daran, dass sie sich besonders hübsch gemacht hatten, und die Erzieherinnen erst recht.

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Tags darauf waren ihre älteren Geschwister unterwegs. „Ich liebe meine Lehrer,“ stand auf einem Transparent, „entlasst sie nicht!“ diesmal demonstrierten Frankreichs Schüler, nachdem sie tagelang Schulen bestreikt oder besetzt hatten; es gingen rund 150.000 auf die Straße.

Die Jugendlichen waren unterwegs, um - erstens - gegen eine (unwesentliche) Reform zu protestieren, die vom Bildungsminister kurz zuvor um ein Jahr verschoben worden war: auf Geheiß seines Präsidenten, der sehr gut weiß, dass sich in Frankreich noch kein Politiker lange gegen Massenproteste der Schüler und Studenten gehalten hat.

Zweitens hatten sie sich unter Fahnen und Transparenten eingefunden, um diesen Erfolg ihrer Proteste zu feiern. Drittens ging es gegen die schmerzhaften Personaleinsparungen an den Schulen. Viertens aber und vor allem demonstrierten sie, weil die Aussichten für Schulabgänger schlecht sind und schlechter werden.

In Frankreichs Hauptstadt hatten sich insbesondere Teenager aus bestreikten Schulen der Banlieues eingefunden. Gutgelaunt und stolz paradierten sie in ihren Dresscodes, Rap-Klamotten, Fan-Schals des Fußballvereins Paris Saint Germain, durch eine Innenstadt, die normalerweise nicht ihr Terrain ist - was sich auf dem Nachhauseweg zeigte, als etliche von ihnen gruppenweise vor Metro-Fahrplänen standen und sich nicht orientierter zeigten als der normale Paristourist.

Leser-Kommentare
  1. Jugend dient nicht der Welt

    Blasen, Konsumismusund Wirtschaftseinbrüche
    konnte sich ungehemmt entwickeln,
    weil die Jugend treibender Motor des schönen Konsums war.

    Es wird Zeit,
    dass die Jugend wieder ein Gewissen bekommt,
    damit die Welt nicht nur mit guten Worten zugepflastert wird
    und Jugend-Welttreffen.

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    • vlad
    • 27.12.2008 um 16:50 Uhr

    Es wird Zeit,
    dass die Jugend wieder ein Gewissen bekommt,
    damit die Welt nicht nur mit guten Worten zugepflastert wird
    und Jugend-Welttreffen.

    Es wird Zeit, dass die Jugend wieder ernst genommen wird. Wenn Jugendliche als faule Konsumenten gesehen werden, ist das nicht gerade erbaulich fuer sie. Insbesondere in D, wo der Jugendanteil aus demographischen Gruenden eh schon so klein ist. Und: Gewissen bekommt man durch Vorbilder. Aber gerade der Generation, die jetzt 45-65 Jahre alt ist, geht es ja primaer um Konsum. Und wenn Jugendliche keine (oder schlechtbezahlte) Arbeit finden, dann sind natuerlich die Jugendlingen selber schuld. Das ist natuerlich das einfachste. Arbeit ist kein Problem. Damals (vor ca. 30 Jahren) war es ja auch kein Problem. Gell?

    • vlad
    • 27.12.2008 um 16:50 Uhr

    Es wird Zeit,
    dass die Jugend wieder ein Gewissen bekommt,
    damit die Welt nicht nur mit guten Worten zugepflastert wird
    und Jugend-Welttreffen.

    Es wird Zeit, dass die Jugend wieder ernst genommen wird. Wenn Jugendliche als faule Konsumenten gesehen werden, ist das nicht gerade erbaulich fuer sie. Insbesondere in D, wo der Jugendanteil aus demographischen Gruenden eh schon so klein ist. Und: Gewissen bekommt man durch Vorbilder. Aber gerade der Generation, die jetzt 45-65 Jahre alt ist, geht es ja primaer um Konsum. Und wenn Jugendliche keine (oder schlechtbezahlte) Arbeit finden, dann sind natuerlich die Jugendlingen selber schuld. Das ist natuerlich das einfachste. Arbeit ist kein Problem. Damals (vor ca. 30 Jahren) war es ja auch kein Problem. Gell?

  2. Rebellion mit politischer Jugendbewegung verwechseln. Zu viel der Ehre.
    Dazu, zu dieser Umsicht in der Betrachtung, rufen die Bilder aus Griechenland eindrucksvoll auf.

  3. Wer sich ein wenig mit Frankreich beschäftigt, wird schnell einige Vorurteile revidieren müssen:

    Gesundheitsreform ? Längst erledigt - in Frankreich
    Steuererklärung ? Online, 1 Seite - in Frankreich
    Kindergartenplatz ? Für jedes Kind. - in Frankreich
    Geburtenrate ? über 2% (Europaspitze 2006) - in Frankreich

    Banlieues ? Jede Menge Projekte (auch wenn längst nicht alles läuft, was gewünscht ist)

    Deutschland ? Verschläft aus lauter Selbstgefälligkeit, wie andere Länder Probleme anpacken, bastelt an völlig vermurksten Gesundheitsreformen rum und lässt Steuerreformen gleich ganz sein. Und für die Vorstädte gibt es Hartz IV.

    Ach ja: Geburtenrate Deutschland 1,36% (weit unter Europadurchschnitt 2006)

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    • vlad
    • 27.12.2008 um 16:52 Uhr

    Die Franzosen haben den Neoliberalismus ein wenig verschlafen (da sie oefters mal, wenn auch oft ineffektiv, streiken etc). Deswegen ist in manchen Teilen (Rente) der Sozialstaat noch nicht so kaputt wie in D.

    • vlad
    • 27.12.2008 um 16:52 Uhr

    Die Franzosen haben den Neoliberalismus ein wenig verschlafen (da sie oefters mal, wenn auch oft ineffektiv, streiken etc). Deswegen ist in manchen Teilen (Rente) der Sozialstaat noch nicht so kaputt wie in D.

  4. Naja , 'Jugendproteste' verschleiert die ganze Sache aber doch erheblich.
    Auch die Zeit täte gut daran etwas weniger politisch korrektes Neusprech zu verwenden, denn dies verhindert lediglich das die Täter und ihre Intentionen beim Namen genannt werden.
    Desweiteren sollte etwas mehr als Parallelen eingeganen werden denn Ausschreitungen von diesen Gruppen gibt es ncht nur in Frankreich , sondern überall auf der Welt , und es liegt inzwischen Nahe zu sagen 'Ursachenunabhängig wird dieser Kulturkreis immer solange gewalttätig bis er bekommt was er will ' .

    Auch linksradikale Zerstörungsarien unter 'Jugendproteste' zusammenzufassen ist ebenfalls mehr als abentuerlich.
    Mögen es 5% aller Jugendlichen im Land sein, so repräsentieren sie nichts weiter als eine politische Strömung und keinesfalls 'Die Jugend' .

    Um soetwas in Zukunft einzuschränken braucht man eine Wertegesellschaft und vor allem die Zerschlagung linksradikaler Strukturen an Schulen und Universitäten.
    Desweiteren muss in Sachen 'kultureller Gewalt' eine null Toleranz Politik herrschen, Abschiebungen deutlich vereinfacht werden , und auf eine Politik des Gegensatzes durchgesetzt werden. Es muss das genau Gegenteil von dem getan werden was diese Kultur zu erreichen versucht, will man die Einführung der Sharia, dann gibt es eine Anti-Sharia welche zb. dem islamischen Mann die 'Rechte' einräumt welche religiösen minderheiten in der Sharia zustehen, und Minderheiten die Rechte welcher ein islamischer Mann sonst hat.

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    ....fordert jemand die Todesstrafe für gewisse Taten dann vollzieht die Gesellschaft sie an ihm, oder was?

    Wenn sie keinen Kommunismus wollen, dann bringen sie halt wieder die Nazis nach oben oder was?

    Ich glaube es hackt wohl! Sie sollten mal ihr Gehirn einschalten, bevor ihre Finger zu tippen anfangen!

    [Anmerkung: Bitte bleiben Sie ruhig und tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    sie fordern einen faschistischen, totalitären staat. mich schauderts bei dem, was ich da lesen muss.

    Eine der platonischen Kardinaltugenden war die Mäßigung. Als letzter deutsche Kanzler gemahnte uns Ludwig Erhard Maß zu halten. So dies zur Sprechblase verkommt und maß-gebende Kreise dieses verlieren, muss man sich über maß-lose Gegenreaktionen nicht verwundern.

    • iDog
    • 27.12.2008 um 17:15 Uhr

    in sofern als dass selbst auf dem platten land in suedwest frankreich - weiter von paris weg geht nicht - bis zu 80 % aller schueler gestreikt haben an manchen tagen 100%. sie sollten hier nicht aepfel mit birnen verwechseln.

    wenn sie "linksradikale randalierer" meinen sollten sie ersteinmal definieren koennen , was das ueberhaupt meint , denn es scheint sich um einen etwas schwammigen prpagandabegriff zu handeln und weisst in seiner benutzung und anhand der stellen, an dem er gerene benutzt wird, auf desinformation und glaubensbekenntniss hin.

    bitte machen sie sich die muhe erst einmal die realitaet zu betrachten ehe sie ihr urteil abgeben. ich bin so frei ihnen mitzuteilen, dass ich mich trotz oder gerade wegen jahrelangem engagement nicht in der lage sehe ihren hier benutzten begriff zu deuten. ich bitte sie also um eine verstaendliche erklaerung - es hat ja keinen zweck fahnen zu schwenken , wenn es darum geht gesellschaftliche probleme zu erkennen und loesen zu wollen.

    leider ist das fahnenschwenken wieder sehr in mode gekommen, aber wir wissen alle zu was es meist fuehrt.

    ....fordert jemand die Todesstrafe für gewisse Taten dann vollzieht die Gesellschaft sie an ihm, oder was?

    Wenn sie keinen Kommunismus wollen, dann bringen sie halt wieder die Nazis nach oben oder was?

    Ich glaube es hackt wohl! Sie sollten mal ihr Gehirn einschalten, bevor ihre Finger zu tippen anfangen!

    [Anmerkung: Bitte bleiben Sie ruhig und tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    sie fordern einen faschistischen, totalitären staat. mich schauderts bei dem, was ich da lesen muss.

    Eine der platonischen Kardinaltugenden war die Mäßigung. Als letzter deutsche Kanzler gemahnte uns Ludwig Erhard Maß zu halten. So dies zur Sprechblase verkommt und maß-gebende Kreise dieses verlieren, muss man sich über maß-lose Gegenreaktionen nicht verwundern.

    • iDog
    • 27.12.2008 um 17:15 Uhr

    in sofern als dass selbst auf dem platten land in suedwest frankreich - weiter von paris weg geht nicht - bis zu 80 % aller schueler gestreikt haben an manchen tagen 100%. sie sollten hier nicht aepfel mit birnen verwechseln.

    wenn sie "linksradikale randalierer" meinen sollten sie ersteinmal definieren koennen , was das ueberhaupt meint , denn es scheint sich um einen etwas schwammigen prpagandabegriff zu handeln und weisst in seiner benutzung und anhand der stellen, an dem er gerene benutzt wird, auf desinformation und glaubensbekenntniss hin.

    bitte machen sie sich die muhe erst einmal die realitaet zu betrachten ehe sie ihr urteil abgeben. ich bin so frei ihnen mitzuteilen, dass ich mich trotz oder gerade wegen jahrelangem engagement nicht in der lage sehe ihren hier benutzten begriff zu deuten. ich bitte sie also um eine verstaendliche erklaerung - es hat ja keinen zweck fahnen zu schwenken , wenn es darum geht gesellschaftliche probleme zu erkennen und loesen zu wollen.

    leider ist das fahnenschwenken wieder sehr in mode gekommen, aber wir wissen alle zu was es meist fuehrt.

  5. ....fordert jemand die Todesstrafe für gewisse Taten dann vollzieht die Gesellschaft sie an ihm, oder was?

    Wenn sie keinen Kommunismus wollen, dann bringen sie halt wieder die Nazis nach oben oder was?

    Ich glaube es hackt wohl! Sie sollten mal ihr Gehirn einschalten, bevor ihre Finger zu tippen anfangen!

    [Anmerkung: Bitte bleiben Sie ruhig und tragen Sie zu einer sachlichen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  6. Verständnis für Jugend

    Egal ob für die Konsum-Jugend,
    als auch für die rebellische Jugend.

    Beide haben nicht begriffen,
    was das Leben treibt uns ausmacht.

    Verständnis für die Jugend,
    die ihre eigene Rolle suchen muss.

    Doch Jugend ist eben auch nur Menschheit,
    die erst reifen muss.

    Da hilft auch wenig sich von der Moralvorstellung der Jugend
    gefangen nehmen zu lassen.

    Generationen sind und bleiben letztlich konfliktträchtig.
    Eben weil die einen irgendwann elitär und selbstgerecht werden
    und die anderen mit dem Schund leben müssen.

    Was bleibt ist die Feststellung DASS es Konflikte nun einmal gibt,
    kontroverse Lebenssituationen und dass wir alle etwas Ehrlichkeit vertragen könnten.

  7. 7. wow,

    sie fordern einen faschistischen, totalitären staat. mich schauderts bei dem, was ich da lesen muss.

  8. Zu Recht spricht die Frau Steinkamp im vierten Kommentar ein Problem an, was hier in Europa aus falsch verstandenem „Political Correctness“ lieber verschwiegen wird. So spielt die Kultur und die Herkunft auch eine Rolle bei den Unruhen in den Pariser Vorstadtsiedlungen:
    http://europenews.dk/de/n...
    http://europenews.dk/en/n...

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    • Hugo_P
    • 27.12.2008 um 21:44 Uhr

    Soll man den unausgelasteten Bengels "europäische Kultur" reinprügeln???
    Falls einer mal den Film "Hass" sieht, da wirds durchaus gut dargestellt. Der is von Mitte der 90er.
    "Heimisch" werden die hier nur werden, wenn die diversen Einwanderer ihren eigenen Weg gehen dürfen incl. Beibehalten ihrer traditionellen Rituale. Und da dies bis vor kurzem ignoriert wurde, braucht sich heute keiner zu beschweren, wenn da einige Rabatz des Rabatz wegen machen. Rausschmeißen ist auch schlecht, die ham fast alle nen europäischen Paß.
    Leute wie Zinedine Zidane haben ihre Zeit und Wut genutzt, mit ihren Kumpels den halben Tag nem Ball nachzurennen.
    Die meisten brasilianischen Fußballstars hier füttern ihre Sippe drüben durch und haben irgendwelche Projekte für die Kids in Armenviertel am Start. Zidane ist da in Frankreich und Algerien auch engagiert. Nun kann nicht jeder Fußballprofi werden; aber eine lebbare Zukunft muß den Leuten geboten werden! Und da müssen halt alle mitmachen (nach ihren Möglichkeiten); das ewige blablabla von dem Clash der Zivilisationen bringt keinem was. Warum werden eigentlich nicht öfter auf MTV und RTL II Leute gebracht, die es geschafft haben, ihren Hintern an die Wand zu kriegen??? Obs der türkischstämmige Busfahrer in Berlin ist, der Facharbeiter bei Siemens oder der in Schlips und Kragen rumrennende Araber in Frankfurt. Oder die Jungunternehmerin, die ein Kopftuch trägt. Oder die Rentnerin, welche den kleinen "Türkenbengels" ehrenamtlich Deutsch-Nachhilfe gibt??? Oder Initiativen, wo gebrochen deutsch sprechenden Mitbürgerinnen deutsch lesen und schreiben beigebracht wird???
    Den Kids, die schon als Kind merken, daß eh alles Scheiße ist, die durch eine Schule gezerrt werden, bei der eher wenig hängenbleibt (auch auf Grund der miesen Umstände, für Schule ist die Kohle nie so richtig da), auch noch andauernd medial und im wahren Leben zu vermitteln, daß dies was mit ihrem kulturellen und/oder "bildungsfernen" Hintergrund zu tun hat, es zu verübeln, wenn sich die Gelegenheit bietet, was sinnlos kaputtzukloppen, anstatt sich auch noch ständig gegenseitig die Fresse einzuhauen, also mir fällts schwer.
    Und außerdem macht es Spaß, was kaputtzukloppen, man mag es kaum glauben. Nur isses durchaus sinnvoller, seine Wut und überschüssige Energie sinnvoller zu verschwenden. Sei es Sport (siehe oben) oder ne Tätigkeit, wo mensch Selbstbestätigung erfährt. Kann ja auch mit Kaputtkloppen zu tun haben, manchmal muß ja auch abgerissen werden...

    • Hugo_P
    • 27.12.2008 um 21:44 Uhr

    Soll man den unausgelasteten Bengels "europäische Kultur" reinprügeln???
    Falls einer mal den Film "Hass" sieht, da wirds durchaus gut dargestellt. Der is von Mitte der 90er.
    "Heimisch" werden die hier nur werden, wenn die diversen Einwanderer ihren eigenen Weg gehen dürfen incl. Beibehalten ihrer traditionellen Rituale. Und da dies bis vor kurzem ignoriert wurde, braucht sich heute keiner zu beschweren, wenn da einige Rabatz des Rabatz wegen machen. Rausschmeißen ist auch schlecht, die ham fast alle nen europäischen Paß.
    Leute wie Zinedine Zidane haben ihre Zeit und Wut genutzt, mit ihren Kumpels den halben Tag nem Ball nachzurennen.
    Die meisten brasilianischen Fußballstars hier füttern ihre Sippe drüben durch und haben irgendwelche Projekte für die Kids in Armenviertel am Start. Zidane ist da in Frankreich und Algerien auch engagiert. Nun kann nicht jeder Fußballprofi werden; aber eine lebbare Zukunft muß den Leuten geboten werden! Und da müssen halt alle mitmachen (nach ihren Möglichkeiten); das ewige blablabla von dem Clash der Zivilisationen bringt keinem was. Warum werden eigentlich nicht öfter auf MTV und RTL II Leute gebracht, die es geschafft haben, ihren Hintern an die Wand zu kriegen??? Obs der türkischstämmige Busfahrer in Berlin ist, der Facharbeiter bei Siemens oder der in Schlips und Kragen rumrennende Araber in Frankfurt. Oder die Jungunternehmerin, die ein Kopftuch trägt. Oder die Rentnerin, welche den kleinen "Türkenbengels" ehrenamtlich Deutsch-Nachhilfe gibt??? Oder Initiativen, wo gebrochen deutsch sprechenden Mitbürgerinnen deutsch lesen und schreiben beigebracht wird???
    Den Kids, die schon als Kind merken, daß eh alles Scheiße ist, die durch eine Schule gezerrt werden, bei der eher wenig hängenbleibt (auch auf Grund der miesen Umstände, für Schule ist die Kohle nie so richtig da), auch noch andauernd medial und im wahren Leben zu vermitteln, daß dies was mit ihrem kulturellen und/oder "bildungsfernen" Hintergrund zu tun hat, es zu verübeln, wenn sich die Gelegenheit bietet, was sinnlos kaputtzukloppen, anstatt sich auch noch ständig gegenseitig die Fresse einzuhauen, also mir fällts schwer.
    Und außerdem macht es Spaß, was kaputtzukloppen, man mag es kaum glauben. Nur isses durchaus sinnvoller, seine Wut und überschüssige Energie sinnvoller zu verschwenden. Sei es Sport (siehe oben) oder ne Tätigkeit, wo mensch Selbstbestätigung erfährt. Kann ja auch mit Kaputtkloppen zu tun haben, manchmal muß ja auch abgerissen werden...

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