Musik 2008

Die Lieblingsplatten der Leser

Wir haben unser Publikum gefragt, welche Alben in diesem Jahr den größten Applaus verdient haben. Hier ist das überraschende Ergebnis

Wer im Internet eine Frage stellt, bekommt Antworten aus allen Richtungen. Auch aus Winkeln, die er womöglich bisher gemieden hat. So richtete sich unser Leseraufruf zur Wahl der Platte des Jahres zwar direkt an das Publikum der ZEIT und ZEIT ONLINE. Er erreichte indirekt allerdings auch Menschen, die vielleicht lieber in anderen Zeitungen blättern.

Damit lässt sich erklären, warum die ersten drei Plätze unserer Leser-Charts von Absolventen der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar belegt werden. "Huch!" war der erste Impuls der Redakteurin. Aber dann: Kein Wunder, sind doch gerade Fans im Internet sehr stark vernetzt und gewohnt, überall – notfalls auch gegen Gebühr – abzustimmen, um ihre Favoriten an die Spitze jeder Hitliste zu befördern. Dies sei vorweg gesagt, um dem Leser das "Huch!" zu ersparen.

Innerhalb einer Woche stimmten 230 Personen über E-Mail oder in der Community ab. Repräsentativ kann man die Ergebnisse der Umfrage leider nicht nennen. Die Leser schlugen insgesamt 137 verschiedene Platten vor, und nur wenige Alben konnten mehrere Stimmen auf sich vereinen. Trotzdem zeichnet sich ein Trend ab, der sich in etwa mit dem Programm deckt, dass die Musikredaktion im vergangenen Jahr veröffentlicht hat (abgesehen von den drei Erstplatzierten).

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Nun lassen wir aber die Katze endlich aus dem Sack: Hier sind die Gewinner der Leserwahl zum besten Album 2008!

Platz 1: Thomas Godoj – Plan A

Platz 2: Daniel Küblböck – From Zero To Sexy

Platz 3: Fady Maalouf – Blessed

Und zu diesen Alben kann die Redaktion auch etwas sagen:

Platz 4: Portishead – Third
Einst begründeten sie den TripHop, dann verschwanden sie, und in diesem Jahr kehrten Portishead zurück. Thomas Gross schrieb in der ZEIT, die Band hätte sich neu erschaffen und zeige nun, wie Avantgarde klinge. Sebastian Reier hingegen beschwerte sich auf ZEIT ONLINE über Beth Gibbons' selbstmitleidigen Gesang.

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Leser-Kommentare

  1. Liebe Frau Weihser,
    ich bin Leserin ihrer Zeitung und fühle mich etwas abgewatscht mit ihrem arroganten Kommentar, besonders zu "Plan A!". Ich besitze dieses Album und finde es gut. Muss ich mich jetzt dafür entschuldigen? Vielleicht hätte die Redaktion sich mit den Gewinner-Alben etwas auseinandersetzen sollen, bevor sie sie unisono verreißt. Oder man hätte gleich vorgeben sollen, welche Alben der Redaktion nicht genehm sind und deshalb bitte nicht gewählt werden sollen.
    "Plan A!" zeigt jedenfalls das Potential von Thomas Godoj. Man sollte ihn nicht unterschätzen und mit allem, was hierzulande gecasted wurde in einen Topf werfen. Außerdem haben das Album sehr viele Menschen gekauft, meines Wissens hat es Platin-Status erreicht. Es kann also durchaus sein, dass diese Käufer es auch so gut fanden, dass sie hier abgestimmt haben. Eventuell lesen sie sogar "Die Zeit"!
    Ich kann ihnen nur wünschen, dass sie an die nächsten Musikkritiken etwas vorurteilsfreier herangehen. Vielleicht ein guter Vorsatz für's nächste Jahr!

    • 31.12.2008 um 13:18 Uhr
    • tutula

    ..habe ich da was verpaßt? Platz 2?
    Aber, jeder hat seine Favoriten und ich habe nicht an der Umfrage teilgenommen.
    Schöne Silverstergrüße!

  2. Sehr geehrte Frau Weiser,
    ich lese regelmäßig die Zeit, liebe Opern, Klassik und geistliche Chormusik und seit einigen Monaten auch die Stimme und die Songs von Thomas Godoj. Deshalb habe ich auch für ihn gestimmt. Stecken Sie bitte Ihre Leser nicht in eine Schublade, einseitiger Musikgeschmack ist langweilig.
    Tip: Hören Sie Plan A in der Platin Edition oder besuchen Sie ein Konzert von Thomas Godoj, bevor Sie nochmal Ihr abfälliges Erstaunen über das Voting-Ergebnis kundtun.
    gruß Hanna sofie

  3. 4. Huch!

    Ich mag Thomas Godoj und kaufe DIE ZEIT (auch wegen den von mir heißgeliebten Eckstein-Rätsel). Gevotet habe ich übrigens nicht, bin nur hierdurch darauf aufmerksam geworden:
    http://germanist.wordpres...

    Ich gehe also auf Thomas Godoj Konzerte, lese DIE ZEIT und liebe Eckstein-Rätsel. Muss ich mir jetzt Sorgen machen??

    Zudem bin ich unter anderem (Informatikerin) auch noch ltd. Angestellte bei einer AG, kann in drei Sprachen sprechen und in sechs coden (programmieren).

    Ich kann nur für mich sprechen: Falls DIE ZEIT es sich leisten kann, auf Musikliebhaber eines DSDS-Gewinners zu verzichten, kann sie dies auch deutlicher schreiben! Aber bitte vor dieser ominösen Abstimmung! Denn ich fühle mich mit diesem Artikel - als ZEIT-Käufer - gehörig auf den Schlips getreten!!

  4. Verflixt! Hab ich jetzt ein Identitätsproblem, wenn ich die Zeit lese und gleichzeitig auch schonmal DSDS geschaut hab ?
    Ich bin durch meine Freundin in die Untiefen der seichten Unterhaltung geraten, und fand die beiden Finalisten richtig gut. Die beiden Alben kenn ich nicht, nur jeweils etwa 2 Songs draus. Aber von den weiteren 10 Platzierungen kenn ich grad mal drei - der Rest ?????, nie gehört.

    Was mich nun etwas verwundert, dass sie sich erstmal quasi bei den Stamm-Lesern für den schlechten Geschmack der Internet-User entschuldigen und dann die ersten drei Plätze kommentarlos stehen lassen und zu den andern etwas schreiben. Entweder stehen Sie zu der Entschuldigung und schreiben dann zu jedem Album dass es grauenhaft ist.
    Oder Sie kennen die Titel gar nicht, dann ist die Einleitung etwas unfair, weil sich die Ablehnung nur auf die Tatsache "Castingprodukt" bezieht,
    nicht auf die Musik selber.

  5. Ich weiß nicht recht, warum Sie das Abstimmungsergebnis so geschockt hat.
    Daniel Küblböck ist ein Künstler, der nach wie vor die Menschen bewegt. In Ihrem Archiv gibt es einen Beitrag aus 2003 „Das gewisse etwas Andere“ Zitat: „Aus seinem Mund klingen auch bekannte Hits so, als wären sie eigens für ihn geschrieben worden.“ Der damalige Juror Thomas Bug sagte damals: »Daniel stellt die Regeln auf den Kopf«. Und so ist es heute noch. Der Besuch eines Küblböck-Konzerts ist ein ganz besonderes Erlebnis. Kein Konzert ist wie das andere. Der junge Mann sprüht vor Kreativität und Spontaneität, er improvisiert und variiert und so bekommt man ständig etwas Neues. Es ist einfach unglaublich, was er in den wenigen Jahren, in denen er auf der Bühne steht, alles auf die Beine gestellt hat: seine wechselnden Programme mit wirklich ausgezeichneten Musikern, seine wahnsinnig facettenreiche und ausdrucksstarke Stimme meistert jedes Genre – mittlerweile ist er zu einem bemerkenswerten Songwriter gereift. Trauen Sie sich einfach mal, sich von Ihren Vorurteilen zu befreien.
    Ich liebe Musik solange ich lebe. Mich hat selten jemand mit seinen Tönen so tief berührt wie Daniel Küblböck. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Ich bin eine sogenannte Intellektuelle und lese auch die „Zeit“ regelmäßig. Nein, muss ich nicht. So viel Selbstbewusstsein habe ich. Auch wenn Daniel Küblböck durch eine Casting-Maschinerie bekannt geworden ist kann ich Töne, die aus dem Herzen kommen fühlen. Und denen folge ich.

  6. 7. Plan A

    Dass meine seit Jahren abonnierte Lieblingszeitung noch immer ihren Kulturelitarismus pflegt, von dem ich sie längst genesen glaubte, betrübt mich sehr. Mit einer solchen Arroganz ihren Lesern gegenüber, einem solch simplifizierenden Schubladendenken stellen Sie sich eigentlich nur selbst ein Armutszeugnis aus. Soso, der geneigte ZEIT-Leser liest selbstverständlich nur Tellkamp, aber nicht Rowling, sieht nur Phönix und Arte, aber nicht auch RTL, hört nur Klassik oder Jazz, aber nicht Godoj-?
    Haben Sie eine Ahnung! Da sind Ihre Leser ja längst viel weiter- Vielleicht sollten Sie - nachdem Sie - ja Sie, die ZEIT! - im ZEIT Leben Yvonne Catterfeld schon zur neuen Romy Schneider ernennen - sich doch auch mal mit Thomas Godoj beschäftigen, verdient hätte er es! (Einfach mal den Videoclip von Helden gesucht" anschauen ...)

  7. Nun bin ich als Verlegerin doch etwas abgewatscht worden. Muss ich mir jetzt überlegen meine Zeitschrift zu wechseln? Die Musik sicher nicht!!
    PLAN A! war gut - PLAN A! Platin edition besser. Thomas Godoj ist gut - hat eine tolle Stimme und fasziniert mit seiner Bühnenpräsenz. Umgeben von tollen Musikern zaubern sie tolle Konzerte, die die Menschen ( nicht nur Fans) begeistern. Ja ich hatte mir eine Konzertkarte gekauft und danach noch eine. Man mag es nicht glauben - aber bei dieser eigenen Begeisterung des Sängers und seiner Band - haben sie es geschafft, dass ich mir im März ein weiteres Konzert gönnen werde. In meinen Augen hat dieser Mensch ein TV Sendeformat für sich genutzt. Er ist nicht perfekt - Gott sein Dank - aber gut und wird mit der Zeit noch besser werden. Davon bin ich überzeugt - ich gehe ja erst seit 30 Jahren zu Rockkonzerten und habe so ziemlich alle großen Künstler gesehen - das Rüstzeug für eine tolle Karierre haben Thomas Godoj und seine Band. Nun bleibt nur noch die Frage - welche Zeitschrift lese ich zukünftig?

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