Drei führende Juroren für den Medizin-, Physik- und Chemie-Nobelpreis sind ins Visier der schwedischen Strafverfolgung geraten. Die Mitglieder des Nobelkomitees waren Medienberichten zufolge gleich mehrfach auf Kosten der chinesischen Regierung nach Peking gereist. Dort trafen sie nicht nur Funktionäre, sondern auch bekannte Wissenschaftler des Landes.

Das Prekäre daran: Offenbar wurde bei diesen Treffen über die Vergabepraxis bei den Nobelpreisen gesprochen und das, obwohl China wiederholt als wichtiges Prestigeziel den Gewinn der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung für einen heimischen Forscher propagiert.

Kurz vor der Verleihung der diesjährigen Nobelpreise am 10. Dezember war zunehmend über Korruptionsvorwürfe gegen die Nobelstiftung berichtet worden . Jetzt habe die Staatsanwaltschaft in Stockholm zunächst Vorermittlungen begonnen, wie ein Sprecher dem schwedischen Rundfunksender SR mitteilte. Es gehe um den Verdacht auf passive Bestechung.

Vertreter der betroffenen Komitees bestätigten die Einladungsreisen, die in den vergangenen beiden Jahren stattgefunden haben.  Den Vorwurf der Bestechung wiesen sie zurück. "Allerdings sind wir hier in einem Grenzbereich, und im Nachhinein sieht man alles etwas anders", sagte ein Sprecher der Nobelstiftung. Der Chef des staatlichen Stockholmer Institutes gegen Korruption, Claes Sandgren, verteidigte die Nachforschungen im Rundfunk: "Es ist gut, dass hier ermittelt wird. Bei den Nobelpreisen muss es eine absolut wasserdichte Mauer gegen alle Versuche zur Beeinflussung geben."

Neben dem Verdacht auf Bestechung war auch die Nähe des Nobelkomitees zum Pharmakonzern Astra Zeneca öffentlich kritisiert worden. Die Firma hält Patente für den Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs und soll womöglich die Vergabe des diesjährigen Medizin-Nobelpreises an den deutschen Forscher Harald zur Hausen beeinflusst haben. Der Konzern verdient mit dem Impfstoff Millionen, und in der Jury des Komitees sitzt mit Bo Angelin ausgerechnet ein Mitglied des Aufsichtsrates von Astra Zeneca. Zudem ist das Unternehmen Hauptsponsor der Nobelpreisfirmen "Nobel Media" und "Nobel Web", die sich um die Medienrechte am Nobelpreis kümmern.

Der Krebsforscher zur Hausen hatte entdeckt, dass das humane Papillomvirus beim Menschen Krebs auslösen kann. Dafür wurde er dieses Jahr mit der Auszeichnung geehrt. Er selbst hatte erst kurz vor der Verleihung von den Vorwürfen erfahren. Allerdings unterstrichen schwedische Medien gleich nach Bekanntwerden der Kritik, dass zur Hausen in keiner Weise von der wirtschaftlichen Nutzung der Impfstoffe profitiert.