Witten-Herdecke Retter für die Privatuni
Neue Sponsoren sichern zunächst kurzfristig die Existenz der Hochschule in Witten-Herdecke. Allerdings stellen die Konzerne Bedingungen
Der Heidelberger Gesundheitskonzern SRH Holding und die Darmstädter Software AG Stiftung stellen die nötigen Mittel bereit, um das Millionenloch der Hochschule für das zu Ende gehende Jahr zu schließen. 2009 soll eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die Finanzen der Universität überprüfen, um die Grundlage für eine künftige Landesförderung zu legen. Das teilten Universität und Wissenschaftsministerium nach einer nächtlichen Krisensitzung am
Dienstag mit. An den Verhandlungen hinter verschlossenen Türen hatten neben Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und Hochschulvertretern auch Vertreter mehrerer Sponsoren teilgenommen.
Die Privatuniversität war akut von der Insolvenz bedroht, weil im Etat ein Loch von 4,5 Millionen Euro klaffte. Falls die Gespräche scheiterten, müsse noch vor Weihnachten der Insolvenzantrag gestellt werden, hatte Hochschulsprecher Ralf Hermersdorfer am Montag gesagt. Nun soll laut der Mitteilung ein "belastbares Konzept" für die Finanzierung und die Entwicklung erarbeitet werden.
Die SRH Holding finanziert derzeit sechs private Hochschulen in Heidelberg, Calw, Riedlingen, Hamm, Gera und Berlin. Zuletzt kaufte sie die OTA Hochschule am Berliner Ernst-Reuter-Platz auf, die jetzt unter dem Namen SRH Hochschule Berlin weitergeführt wird. Präsidentin der Hochschule ist die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Seine Einnahmen erzielt der SRH Konzern allerdings mit Krankenhäusern, Berufsschulen und Rehabilitation. Zur Holding, die fast 500 Millionen Euro Umsatz macht, gehören über 30 Unternehmen mit 7400 Mitarbeitern.
Für die Witten-Herdecker ist die SRH Holding, die aus der Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) hervorgeht, keine Unbekannte. Bereits 2007 scheiterte der Konzern, daran bei der Privatuniversität als Sponsor einzusteigen. Damals hatte die in Finanznot geratene Hochschulleitung Bedenken, dass der Investor zu großen Einfluss nehmen könnte.
Das Land hatte vergangene Woche überraschend bekannt gegeben, dass es die für 2008 noch nicht ausgezahlte Hochschulförderung von 4,5 Millionen Euro stoppt. Außerdem soll die Hochschule 3 Millionen Euro für 2007 zurückzahlen. Das Wissenschaftsministerium hatte die Mittelstreichung damit begründet, dass die Universität keine ordnungsgemäße Geschäftsführung mehr nachweisen könne. Das streitet die Hochschule strikt ab. An der Hochschule studieren rund 1200 Studenten unter anderem Medizin und Betriebswirtschaft.
- Datum 23.12.2008 - 12:58 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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Ein klares JA zu Roland Bergers Aufruf auf den Websites der Kommilitonen in Witten-Herdecke, mit aller Kraft an der Erhaltung Witten-Herdeckes zu arbeiten; ein klares JA zu einem “Mehr” an PRIVATER INITIATIVE in der universitären Ausbildung.
Das bedeutet in Bezug auf die Hochschule in Witten-Herdecke allerdings auch, die Frage zu stellen, warum es in den letzten 26 Jahren den auf PRIVATER SEITE dafür Gestaltungsverantwortlichen nicht gelungen ist, dieser Hochschule ein wirtschaftlich tragfähiges und nachhaltiges Fundament zu geben. Und das, obwohl viele gute Ansätze dafür bestanden, die letztlich immer wieder versandeten.
Die Leidtragenden sind und waren die Studenten, das eigentliche Kapital dieser Hochschule. Sie tragen unter allen Beteiligten das größte Risiko - und sind trotzdem nach wie vor noch dabei. Das allein ist bereits ein Qualitätsmerkmal.
Ohne aus der Vergangenheit zu lernen, ist auch und gerade für diese Hochschule kein wirtschaftlich tragfähiges Existenzsicherungskonzept zu entwickeln. Deshalb hier ein paar zentrale Fragen, die dringend für Außenstehende erkennbar geklärt werden müssten, soll eine wirtschaftlich stabile Zukunft der UWH gesichert werden.
Warum haben sich in der Vergangenheit immer wieder bedeutende private Finanzierer der UWH nach einiger Zeit ganz oder überwiegend zurückgezogen, so z.B.
- Voith, Heidenheim
- VW-Stiftung
- Bertelsmann (Mohn, Wössner)
- Thyssen-Krupp (Vogel, Cromme)
- McKinsey Deutschland (Henzler)
- Boston Consulting (von Oetinger)
- SAP
- Droege
und eine ganze Reihe mehr.
Kann es sein, dass die für den Umgang mit Geld an der UWH Verantwortlichen Fehler gemacht haben?
Folgt man der Argumentation des Landes NRW, liegen selbst heute noch keine testierfähigen Wirtschaftspläne vor.
Kann es sein, dass vorhandene Mittel nicht zweckgerecht eingesetzt wurden?
So verlangte beispielsweise das Land Baden-Württemberg um 1990 die der damaligen Hochschulleitung für die von ihr beabsichtigte Verlegung der Hochschule nach Mannheim gewährten Mittel wegen nicht zweckentsprechender Verwendung zurück (http://www.zeit.de/1990/0...).
Was bedeuten die häufigen Präsidentenwechsel? Was sind die wirklichen Gründe für das außerplanmäßige Ausscheiden der Präsidenten Zimmerli und Glatthaar?
Was ist eigentlich aus der UWH Verantwortungsgemeinschaft geworden, die 2007 helfen wollte, die Finanzprobleme zu lösen? Wenn man auf deren Website sucht (http://www.verantwortungsgemeinschaft.de), findet man unter der Rubrik Aktuelles als letzte Information mit dem Datum vom 5. Juli 2007(!), dass 781 Mitglieder vorhanden seien (davon 691 Mitarbeiter und Studenten) und dass die Uni sich jetzt selbst trage. Zur aktuellen Situation der sich nunmehr selbst tragenden(?) Uni und den Beiträgen dieser Verantwortungsgemeinschaft zur Lösung der gegenwärtigen Existenzkrise findet sich dort jedoch kein Wort. Hat man dort bereits aufgegeben?
Kann es sein, dass die Errichtung aufwendiger Hochschulbauten wichtiger war als die Schaffung einer wirtschaftlich tragfähigen Basis für die Realisierung der Hochschulinhalte (Paläste statt Zelte, obwohl immer Aufbruchstimmung und Zelte vordergründig(?) gepredigt wurden)?
Was bedeuten die höchst kritischen Gutachten des Wissenschaftsrates (Wirtschaftswissenschaften 1996, Medizin 2005)? Die Wirtschaftswoche schrieb in Sachen Wirtschaftswissenschaften dazu: “Das Urteil über die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät kam einer Ohrfeige gleich.” (WiWo Nr. 44 vom 24.101996) Welche Schlußfolgerungen sind daraus zu ziehen?
Warum sind die wichtigsten Gründerväter und inhaltlichen Konzeptgestalter Gerhard Kienle, Herbert Hensel, Gunther Hildebrand, Dieter Lauenstein und Eberhard von Goldammer heute in der UWH kaum noch bekannt? Kennt jemand in der Hochschule noch das Grundsatzpapier dieser Gründerväter?
Diese und andere Fragen wären zu klären und die in den Antworten sichtbar werdenden Probleme zu analysieren, will man wirklich mit aller Kraft an der Erhaltung Witten/Herdeckes arbeiten.
Bevor der im Augenblick nicht ganz unverstaendliche Ruf aus der UWH nach dem Staat(sgeld) noch lauter wird, sollte die private Seite zeigen, dass sie nicht nur in der Lage, sondern auch nachhaltig gewillt ist, dieser Hochschule ein sicheres wirtschaftliches Fundament zu geben.
Es ist an der Zeit ist, jetzt die verantwortungsbewussten und ideologiefreien Studenten dieser Hochschule unmittelbar in alle Verhandlungen und Entscheidungen über ihre Zukunft (die der Hochschule und damit ihre eigene) maßgeblich einzubinden.
Es wäre mehr als wünschenswert, wenn Roland Berger diesen Studenten dabei mit all seiner Kraft beratend und bei Bedarf auch darüber hinaus zur Seite stünde?
Es wäre mehr als wünschenswert, wenn diese Kommilitonen Roland Berger darum bitten würden?
Ich bin sicher, dass eine solche Kooperation zur längst überfälligen wirtschaftlichen Existenzsicherung der UWH jenseits des Staates führen würde.
Dann wäre ich nicht mehr
In Sorge
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