Ronald Reagan und Margaret Thatcher waren ideologisch ein Herz und eine Seele; Tony Blair folgte mit seinem New-Labour-Projekt dem Beispiel, das Bill Clintons "Neue Demokratie" mit ihrer Abkehr von alten Glaubenssätzen der europäischen Sozialdemokratie geliefert hatte.

Clinton riet Blair nach George W. Bushs Wahl allerdings dringend, auch mit dem republikanischen Präsidenten den engen Schulterschluss zu suchen. Was Blair, zum Entsetzen vieler europäischer Kritiker, denn auch tat.

Nun liegt es an Gordon Brown, zu Barack Obama eine Beziehung zu entwickeln, die das Etikett "speziell" verdient. Das Sonderverhältnis zwischen Amerika und Großbritannien wird gerne als britische Illusion verspottet, die von der Unfähigkeit Großbritanniens herrühre, sich mit seiner postimperialen Rolle abzufinden. Doch lässt sich nicht leugnen, dass Geschichte, Kultur, Blut und Sprache für ein besonderes, notwendigerweise ungleichgewichtiges Verhältnis beider Staaten sorgte, das sich nicht zuletzt immer wieder in gemeinsamen militärischen Operationen ausdrückte.

Die Regierung in London hatte in den vergangenen Monaten die Furcht umgetrieben, Obama werde Großbritannien die kalte Schulter zeigen und die "Special Relationship" de facto beenden. Man verwies auf Blairs Rolle im Irakkrieg, gegen den Obama gestimmt hatte; Diplomaten erinnerten beklommen daran, dass Obamas kenianischer Großvater von der britischen Kolonialmacht misshandelt worden sei.

Umso größer die Erleichterung, als klar wurde, dass sich Obama nicht von Ressentiments leiten lässt. So gewann Gordon Brown den europäischen "Schönheitswettbewerb", der regelmäßig angesichts eines neuen amerikanischen Präsidenten unter europäischen Regierungschefs entbrennt: Er wurde als Erster ins Weiße Haus eingeladen, während Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der sich mächtig ins Zeug gelegt hatte, um den Briten den Rang abzulaufen, mit späteren Terminen vorlieb nehmen müssen.

Barack Obama pries nicht nur die "spezielle Partnerschaft" mit Großbritannien. Er bedachte Gordon Brown, der innenpolitisch aus dem letzten Loch pfeift, auch mit der ungewöhnlichen Ehre, ihn zu einer Rede vor beiden Kammern des Kongresses einzuladen.

Die Wendung kommt nicht von ungefähr. Wichtige Figuren der neuen US-Regierung, Finanzminister Timothy Geithner, Larry Summers, Chef des "nationalen ökonomischen Rats", und Robert Reich, Wirtschaftsberater des Präsidenten, sind seit Jahren mit Brown befreundet und halten nach wie vor große Stücke auf seinen ökononische Sachverstand; auch klingt das Lob des Ökonomen und Nobelpreisträgers Paul Krugman nach, der im vergangenen Herbst in der New York Times schrieb, Brown habe in der Finanzkrise "klug gehandelt" und womöglich durch rasches Handeln "das Finanzsystem der Welt gerettet".