CDU-Parteitag Der Blick zurück fällt aus

Die CDU bekennt sich auf ihrem Parteitag zu ihrer Blockflötenvergangenheit. Doch eine Debatte vermeidet sie.

Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag

Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag

Ganz an das Ende ihres Parteitags hat die CDU ein Thema verbannt, das ihr doch in den letzten Wochen fast so viel Aufmerksamkeit gebracht hat wie die Debatte um Steuersenkungen: die Auseinandersetzung um ihre eigene Vergangenheit als Blockpartei in der DDR.

Nach nur einem einzigen Redebeitrag wird ohne weitere Aussprache schließlich ein ergänzender Passus in das Grundsatzpapier „Perspektiven für den Osten Deutschlands“ eingefügt. „Gleichwohl hat die CDU in der DDR im totalitären System der SED mitgewirkt“, heißt es dort nun.

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Ursprünglich hatte die CDU eine solche Aussage gar nicht für nötig gehalten. Stattdessen enthielt das Papier in seinem historischen Teil eine Abrechnung mit der Linkspartei, die als Nachfolgepartei der SED gegeißelt wurde, und Angriffe auf die SPD, weil diese sich nicht genügend von der Linkspartei distanziert habe.

Insofern hat die Partei nun immerhin der Wahrheit genüge getan. Und doch wurde in Stuttgart offensichtlich, dass an einer weiteren Vertiefung dieses weniger glänzenden Teils der eigenen Vergangenheit kein Interesse besteht.

So ging Angela Merkel in ihrer Parteitagsrede mit keinem Wort auf die Diskussion über die Rolle der CDU im Osten ein. Ein anderer Antrag aus Halle, der sich kritischer und ausführlicher als der jetzt eingefügte Passus mit der Geschichte der Ost-CDU befasste, wurde von seinen Verfassern auf dem Parteitag nicht vertreten.

Der einzige Delegierte wiederum, der sich zu dem Thema zu Wort meldete, brachte eine ganz andere Stimmung zum Ausdruck. Auch er sei ein ehemaliges Mitglied der Ost-CDU, sagte Fritz Niedergesäß aus Berlin. Aber er denke nicht daran, sich deswegen etwa in Mithaftung für die Verbrechen der SED nehmen zu lassen. „Jetzt werden wir von denen, die das angerichtet haben, auch noch vorgeführt“, schimpfte er. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“

Niedergesäß' Wut ist verständlich. Denn er selbst hat – wie andere Mitglieder der Ost-CDU – die Erfahrung gemacht, dass die Parteimitgliedschaft seine berufliche Karriere nicht förderte, sondern behinderte. Der berufliche Aufstieg, der möglich gewesen wäre, wenn er „wenigstens parteilos“ gewesen wäre, blieb ihm verwehrt.

Niedergesäß erhielt am Ende viel Beifall. Mit seiner Lebensgeschichte können sich viele Mitglieder der Partei, gerade auch die aus dem Westen, eher identifizieren als etwa mit der des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, für den die CDU durchaus eine Grundlage war, Karriere in der Staatsverwaltung zu machen.

Mit ihrem Parteitagsbeschluss hofft die Partei nun, zumindest vorerst einen Schlusspunkt unter das leidige Kapitel der Vergangenheitsbewältigung zu setzen. Die vergangenen Wochen hätten die Partei lehren können, dass nur ein selbstkritisches Verhältnis zur eigenen Geschichte verhindern kann, dass sie einem immer wieder auf die Füße fällt. Die Art und Weise, wie das Thema in Stuttgart behandelt wurde, deutet allerdings eher nicht darauf hin, dass diese Lektion schon wirklich verinnerlicht wurde.

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/sc

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    Jeder hat das Recht auf Verweigerung der Aussage, wenn er sich damit selbst belasten würde. Dieses Recht nimmt sich auch Frau Merkel, wie viele andere in der Union. In dem Wissen, daß es die Leute nicht interessiert wer, was in der DDR gemacht hat. Es sei denn, es handelt sich um Mitglieder der Linkspartei. Ein Paradebeispiel für Heuchelei in unserem Land.

    Jeder hat das Recht auf Verweigerung der Aussage, wenn er sich damit selbst belasten würde. Dieses Recht nimmt sich auch Frau Merkel, wie viele andere in der Union. In dem Wissen, daß es die Leute nicht interessiert wer, was in der DDR gemacht hat. Es sei denn, es handelt sich um Mitglieder der Linkspartei. Ein Paradebeispiel für Heuchelei in unserem Land.

  2. Der Eintritt in die West-Christlich Demokratische Union wäscht alle Sünden fort. Ob Nazi- oder Blutrichtervergangenheit, bei Kiesinger und Filbinger, oder eher lässliche Karrieristensündchen wie bei Merkel oder Tillich. Die Pastoren Eppelmann, Gauck und Hinze werden sie lossprechen, finden die richtigen Blockflötentöne. Auf dass sie ihr künftiges Streben nur noch auf unser Gemeinwohl ausrichten, Banken retten und online durchsuchen.

  3. Jeder hat das Recht auf Verweigerung der Aussage, wenn er sich damit selbst belasten würde. Dieses Recht nimmt sich auch Frau Merkel, wie viele andere in der Union. In dem Wissen, daß es die Leute nicht interessiert wer, was in der DDR gemacht hat. Es sei denn, es handelt sich um Mitglieder der Linkspartei. Ein Paradebeispiel für Heuchelei in unserem Land.

  4. Die CDU ist bis heute das Sammelbecken aller Selbstgerechten, Wohlfeilen und Staatstragenden – sie selbst bezeichnet sich als Partei der bürgerlichen Mitte – und fürwahr, sie ist es – die Partei des Mittelmaßes, der Mittelmäßigen, der Mitläufer. Zwei Tage lang wetterten die wackeren Wahlkämpfer auf ihrem Parteitag gegen den üblen Rest – den Koalitionspartner, die Linken, die Kommunisten. In Treue fest standen die feinen Demokraten zu ihren bürgerlichen Werten und redeten sich selbst in bester Politbüro-Manier blühende Landschaften herbei. Bankenkrise, Weltwirtschaftskrise, Systemkrise? All das hat mit unserer Regierungspartei freilich nichts zu tun. Schuld sind immer und allein die Anderen – das ist beste Tradition gelebter christlich-soziale Verantwortungskultur. Das Adenauer und die CDU einst ein Drittel des Deutschen Volkes einfach abkoppelte, um dem Rest unter amerikanischer Egide mit sattem Wohlstand Absolution zu erteilen, nimmt in den Sonntagsreden der Gegenwart dem Gründungsmythos der Bundesrepublik nichts von seiner Würde. So wie man Hitler als Alleintäter für den Nationalsozialismus verantwortlich machte, war es für alles was folgte – die SED. Die bürgerliche Mitte sonnte sich im Wirtschaftswunderwohlstand, heulte Krokodilstränen an der Mauer, machte Geschäfte mit Schalk-Golodkowski und schloss die armen Brüder und Schwestern im Osten in ihre Abendgebete ein. Und nun fühlen sich diese ewigen Blockflöten – selbstverständlich aus patriotischem Pflichtgefühl – wieder berufen, im Wahljahr 2009 für Deutschland Verantwortung zu übernehmen. Besten Dank dafür.

    • Hamada
    • 03.12.2008 um 5:46 Uhr

    Merkels Rolle in der ehemaligen DDR ist mehr als zweifelhaft, für mich steht sie als Stellvertreter aller die angeblich weggeguckt haben. Der Spiegel wollte ja mal einen Artikel über Merkel machen und wollte Bildmaterial verwenden, es wurde ihm vom Bundeskanzleramt verwehrt. Dann kursieren Gerüchte das Merkel sogar Im gewesen sei, das würde zu dem Bild passen, dass sie bei der Bewachung des Hauses von Robert Havemann zeigte.
    Mit sowas geht man doch offensiv um, das hat uns die Geschichte doch gelehrt.
    Jeder von uns kann sich irren, nur der Irrtum sollte nicht vertuscht oder gar geleugnet werden.
    Klar gehörte Merkel zu den privilegierten und das bedingt das sie für das System einstand.
    Und was die Ost CDU betrifft, dei Beschlüsse der Volkskammer waren immer 99,9 %, also haben die CDU ler mitgestimmt, auch zu den Schießbefehlen, auch zum Einmarsch in die Tschechoslowakei und so weiter. Sie haben es ermöglicht, dass das System funktionierte.

    Als ich 20 war, fragte ich meine Mutter, warum habt ihr nur dieses entsetzlich verbrecherische Nazi System noch unterstützt?

    Meine Mutter antwortete mir damals: Junge, Dein Vater und ich wusste was damals geschah.Nur Du musst eines wissen, wir waren keine Helden, wir waren und sind ganz einfache Menschen gewesen.

    Wie recht sie hatte,ich hatte nach diesem Gespräch viel mehr verstanden.

    Ich werde jedoch nie verstehen, warum es verschiedene Maßstäbe gibt, kann es sein das die Handlungen eines Gregor Gysi anders zu bewerten sind als die Handlungen einer Angela Merkel geb. Kassner?

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    ...Leben ist Zeichnen ohne Radiergummi...
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  5. Die Kommentare 1 + 3 sind zutrreffend. Die Blockflöten der DDR fühlen sich heilig gesprochen. Sie halten sich für "gleichwertig" und bezeichnen sich als "nationale Wächter" und "historische Richter". Was sind das nur für verlogene Machenschaften seitens der CDU-Führung. Gegen die LINKE wird nach wie vor mit unsauberen Mitteln vorgegangen, der einzigen Partei im Bundestag, die sich überzeugend und konsequent gegen die Teilnahme der Bundeswehr in Afghanistan und für den Frieden einsetzt. Der Parteitag der CDU war ein Beispiel für eine verlogene Wahlpropaganda. Die Große Koalition soll beendet werden.Der nächste Partner soll die FDP sein, eine ebensolche unehrliche neoloiberale Partei. Merkel und Kauder können offensichtlich nicht begreifen, daß auch ihre Wählergunst zu schwinden beginnt.

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