CDU Der doppelt verhinderte Metzger

Im Wahlkreis Biberach unterlag der Ex-Grüne bei der Nominierung für den Bundestag einem Landwirt. Am Bodensee schlug ihn jetzt der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde

Im Kursaal von Überlingen am Bodensee wurden langsam die Stühle hochgestellt, es ging gegen 1 Uhr, da stand Oswald Metzger noch an der Bar im Foyer und redete mit allen, die darauf noch Wert legten, als wisse er nicht, wohin in dieser Nacht. Die Niederlage war eine Stunde alt, erlitten in einem knappen Stimmenwettstreit, und sie hatte eine Erkenntnis gebracht, die länger als sechzig Minuten Zeit brauchte, um zu reifen: Oswald Metzger wird in dem Oberschwaben, in dem er aufgewachsen ist, kein Bundestagskandidat mehr werden. 

Diejenigen, die Metzger protegiert hatten innerhalb der CDU am Bodensee, vor allem die Gruppe aus Friedrichshafen, dem Zentrum der Bodenseeregion, waren bis auf versprengte Ausnahmen längst gegangen, honorige Persönlichkeiten, zu denen der CDU-Kreisvorsitzende Markus Müller gehörte, auch sie geschlagen und ziemlich ratlos angesichts dessen, was sich innerhalb der zurückliegenden Stunden abgespielt hatte. 

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Dabei hatte der Abend für den Ex-Grünen Metzger viel versprechend begonnen. Eine zündende Rede hatte er gehalten, sich in der Fragerunde der Angriffe seiner Gegner erwehrt und den ersten Wahlgang mit mehr als 40 Prozent der Stimmen gewonnen. Von den zehn Bewerbern gingen nur drei in den zweiten Wahlgang, neben Metzger noch Tobias Bringmann aus Stuttgart, Pressesprecher der Landes-CDU Baden-Württemberg.

Und ein gewisser Lothar Riebsamen, Bürgermeister der 3500-Einwohner-Gemeinde Herdwangen-Schönach aus dem Landkreis Sigmaringen. Der Flecken gehört zum „Rucksack“, der dem neu gebildeten Wahlkreis Bodensee im Zuge der Wahlkreisreform aufgeschnallt wurde. Niemand von Belang unter den knapp 700 anwesenden stimmberechtigten Parteimitgliedern an diesem Abend kannte vor Start des Wahlkampfs den 51-jährigen Riebsamen, der sich wiederum in seiner Bewerbungsrede als bodenständiger Christdemokrat präsentierte. Ehrlich, aber auch ein bisschen farblos.

Nach Beendigung des zweiten Wahlgangs hatten sieben Kandidaten bereits  aufgegeben. Der Bundestagsabgeordnete und Wahlleiter Andreas Schockenhoff verkündete, dass Riebsamen 317 Stimmen erhalten habe, Metzger 307,  Bringmann 65 Stimmen. Damit hatte der Provinzbürgermeister 14 Prozent gut gemacht, Metzger gerade einmal vier. Einige Zeit später, an der Theke, sollte Metzger sagen, er habe da schon geahnt, „dass die Dynamik gegen mich läuft“.

Er sollte Recht behalten. Im dritten geheimen Wahlgang, in dem laut Statuten nur noch die  beiden Stimmenbesten gegeneinander antraten und die einfache Stimmenmehrheit reichte, siegte Riebsamen hauchdünn mit 25 Stimmen Vorsprung vor Metzger. Schon Anfang Juli im Wahlkreis Biberach war der Parteiüberläufer im Stechen knapp gegen den Landwirt und CDU-Kreisvorsitzenden Josef Rief unterlegen.

Leser-Kommentare
  1. Da zieht ein Politiker durch die Lande, um irgendwo, ganz egal wo, nur bitte überhaupt, gewählt zu werden. Irgendwo, wo ihn keiner kennt, wo man sich für ihn aber Chancen ausrechnet.

    Was glauben die Parteitypen eigentlich, was man mit eingeschworenen Gemeinschaften, wo es wenigstens noch so etwas wie "Soziale Haftung" gibt, so alles machen kann bzw. auch nicht?! Da wollen Sie irgendwelchen landeiern einen Versager unterschieben, damit der wieder mitmischen kann - weil er nämlich sonst arbeitslos ist. Freiberufler und Buch schreiben. LOL. Ist es das, was Politiker machen können, wenn sie nicht mehr gewählt werden? Die Jobs als Freiberufler kriegt er wahrscheinlich nur durch die Seilschaften aus der Politikerzeit und das Buch, das möchte ich gerne lesen, wahrscheinlich bin ich da aber mit 10.000 anderen Bundesbürgern allein auf weiter Flur.

    Was Leute wie Metzger und Konsorten anrichten im Staate, das hat man letzte Woche gesehen. Keine Ahnung von nichts, schön die Wirtschaft protegieren über Jahre und Jahrzehnte und dann, wenn es in der Privatwirtschaft richtig knallt - Steuergelder in die Hand nehmen und weg damit, ähm, sorry Leute, musste sein, Krise und so... sonst wäre es noch schlimmer...ähhh....vieleicht, naja. Muss jedenfalls sein.

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    • mexi42
    • 20.09.2008 um 12:38 Uhr

    ..., dass dieses Land in der Mehrzahl durch derart schnarchnasigen Typen zu Grunde
    gerichtet wird.
    WIR SIN DAS SCHLUSSLICHT IN EUROPA, was die REALLÖHNE, sprich:
    VOLKSEINKOMMEN angeht.
    Weiter so, D!

    • mexi42
    • 20.09.2008 um 12:38 Uhr

    ..., dass dieses Land in der Mehrzahl durch derart schnarchnasigen Typen zu Grunde
    gerichtet wird.
    WIR SIN DAS SCHLUSSLICHT IN EUROPA, was die REALLÖHNE, sprich:
    VOLKSEINKOMMEN angeht.
    Weiter so, D!

  2. Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das einmal sage; aber hier kommt 's: Gut gemacht, liebe CDU!

    Andererseits finde ich es aber doch ein bisschen schade: Ich hatte mich schon so darauf gefreut gegen das INSM-Mietmail Metzger stimmen zu dürfen :)

  3. bitte um Entschuldigung

    • Herr-M
    • 20.09.2008 um 11:39 Uhr

    dass Ihr Kalkül nicht aufgegangen ist.
    Sollten Sie sich vor lauter Frust nur noch Kohlenhydrate und Alkohol reinziehen, macht doch nichts. Habe ich vollstes Verständnis für und Sie sind in bester Gesellschaft ;-)

  4. Wer aus Oberschwaben bzw. der Bodenseegegend kommt, weiß, daß die Bewohner dieses Landstriches weder "provinziell" noch "rückständig" sind. Im Gegenteil: Mit einem feinen Gespür gegen alle, die laut sind und "s' Maul aufreißet", wurde

    a) mehrheitlich Zentrum gewählt. Die Nationalsozialisten hätten in der Weimarer Republik keine Chance gehabt, rechnet man das Wahlverhalten dieser Region auf Deutschland hoch

    b) mehrheitlich CDU gewählt, SPD oder gar die Grünen immer skeptisch betrachtet. Das barocke Memento Mori und der Blick nach oben sticht hier noch immer eine flach-horizontale Heilsversprechung.

    c) schließlich innerhalb der CDU den "leisen Arbeitern" vor den Lauten der Vorzug gegeben. Lothar Späth wurde hier schon als laut und besserwisserisch angesehen, ein Oswald Metzger sollte froh sein , daß er mit seiner Vita überhaupt so viele Stimmen bekommen hat.

  5. ........so sollte er ab sofort genannt werden ;-)

  6. Jetzt muss Oswald Metzger mal arbeiten um Geld zu verdienen. Vielleicht brauch er ja bald Hartz IV wenns weiter so schlecht läuft.
    Dann kann er mal ein Realitätstraining erleben. Sozusagen ein prekäres Praktikum. Wetten, dass er dann vieles anders sieht?

    Das würde vielen Politikern auch gut tun. Mal ein "soziales Jahr" machen

    [...]

    Neuland

    [Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Beleidigungen. Danke. /Die Redaktion pt.]

    • mexi42
    • 20.09.2008 um 12:38 Uhr

    ..., dass dieses Land in der Mehrzahl durch derart schnarchnasigen Typen zu Grunde
    gerichtet wird.
    WIR SIN DAS SCHLUSSLICHT IN EUROPA, was die REALLÖHNE, sprich:
    VOLKSEINKOMMEN angeht.
    Weiter so, D!

    Antwort auf "Provinzposse"
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    • Anonym
    • 20.09.2008 um 14:41 Uhr

    Deutschland ist auch das einzige Land in Europa das eine negative Tendenz bei den Lohnentwickelungen aufweist.
    Die SPD hat die Voraussetzungen für diese schädigenden Auswirkungen geschaffen.
    Ich kann nur hoffen , dass sie bei der nächsten Bundestagswahl die entsprechende Quittung erhalten. Ihr Geschreie um den Mindestlohn ist eine einzige Farce und absolut unglaubwürdig. Sie hatten mit den Grünen die Möglichkeit, haben aber das Gegensätzliche getan.
    MfG Orpheus13437

    • Anonym
    • 20.09.2008 um 14:41 Uhr

    Deutschland ist auch das einzige Land in Europa das eine negative Tendenz bei den Lohnentwickelungen aufweist.
    Die SPD hat die Voraussetzungen für diese schädigenden Auswirkungen geschaffen.
    Ich kann nur hoffen , dass sie bei der nächsten Bundestagswahl die entsprechende Quittung erhalten. Ihr Geschreie um den Mindestlohn ist eine einzige Farce und absolut unglaubwürdig. Sie hatten mit den Grünen die Möglichkeit, haben aber das Gegensätzliche getan.
    MfG Orpheus13437

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