US-Wahl "Dan Quayle im Kleid"

McCains Vize-Kandidatin Sarah Palin gilt als guter strategischer Schachzug: Sie ist jung, wortgewandt, anti-Establishment und nicht zuletzt eine Frau. Doch auch sie hat ein paar Leichen im Keller

John McCain hatte in der Vergangenheit mehrmals betont, dass er nach einem Vize-Kandidaten suche, der "am besten helfen kann, Washington aufzurütteln". Doch niemand hatte damit gerechnet, dass er wirklich solch eine Überraschung aus dem Ärmel schütteln würde. Weiter als Sarah Palin kann ein Politiker kaum von der Hauptstadt entfernt sein: Erst seit zwei Jahren ist sie Gouverneurin Alaskas, einem wilden, rauen Land, das Wählern der restlichen 49 Bundesstaaten weitgehend fremd ist. "Sie ist so neu in der Politik, dass sie Obama wie einen Old-Timer aussehen lässt", kommentiert Susan Estrich, Politik-Professorin an der Universität von Südkalifornien, verblüfft.

Selbst die Demokraten, die angeblich bereits Werbespots gegen den Favoriten Mitt Romney vorbereitet hatten, hatten für diese Außenseiterin keine Strategie in petto. "Wie soll man nur eine 44-jährige Mutter von fünf Kindern angreifen, ohne die weiblichen Wähler zu irritieren, um die man gerade eine ganze Woche lang kräftig geworben hat?", fragt die Webzeitung Politico. Ein offensichtlich schwieriges Unterfangen: Nachdem Obama-Sprecher Bill Burton sie spontan als politisches Leichtgewicht verdammte, belehrte die Partei ihn schnell eines Besseren. Ihre Wahl sei "ein weiteres ermutigendes Zeichen, dass die alten Barrieren in der Politik fallen", hieß es dann.

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Doch es sei ein Irrglauben, Hillary Clintons enttäuschte Fans durch die erste weibliche Kandidatin der Republikaner magisch anziehen zu können. "Wenn John McCain denkt, dass einfach eine andere Person mit gleicher Anatomie diese Stimmen gewinnt, dann wird er wohl eine wichtige Lektion in Gleichstellungspolitik lernen müssen", sagt Susan Estrich. Obwohl unumstritten ist, dass die republikanische Partei verzweifelt auf der Suche nach charismatischen Vorbildern für die junge Generation ist – Sarah Palin hat eine ganze Reihe Ecken und Kanten, an denen in den kommenden Wochen medienwirksam herumgepickt werden wird.

So beruhigt Palins feste Ablehnung des Rechts auf Abtreibung zwar die konservative Rechte, die mit Revolution drohte, hätte McCain sich für einen Abtreibungs-Befürworter als Vize entschieden. Sie irritiert aber viele Frauen, die befürchten, dass John McCain seine Absicht wahr macht, die entsprechende bahnbrechende Entscheidung "Roe vs. Wade" des Obersten Gerichts aus den 70er Jahren anzufechten. Wahlkampfspots mit der bemerkenswerten Reaktion auf ihren im April mit Down Syndrom geborenen Sohn sind vorprogrammiert: "Ich schaue ihn an und sehe Perfektion", sagte sie damals, als sie nur drei Tage nach der Geburt wieder zur Arbeit  zurückkehrte.

Palins starker christlicher Glaube lässt viele Konservative hoffen, die seit langem an McCain zweifeln. "Sarah Palin ist ein Rundum-Paket. Es gibt keine bessere Wahl", jubelt zum Beispiel Marjorie Dannenfelser, Präsidentin eines einflussreichen Political Action Committee. Niemand hat vergessen, dass Bushs Wiederwahl 2004 durch die Stimmen von weißen evangelischen und katholischen Wählern besiegelt wurde. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, wie schnell Palins Argumente aus dem Gouverneurs-Wahlkampf 2006 wieder hochgekocht werden. Damals hatte sie dafür plädiert, dass die religiöse Schöpfungslehre als Konkurrenz zum Darwinismus auf den Lehrplan öffentlicher Schulen gesetzt wird. Und das ist selbst in den USA nicht so leicht zu verkaufen.

Leser-Kommentare
  1. lesen Sie doch diesen Artikel mal Ihrem Kollgen Joffe vor, damit er was lernt ;) hat nicht ein leser den joffe-artikel mit den worten kommentiert, die zeit habe immer beide meinungen? und die gegenmeinung würde bestimmt gleich kommen?

  2. Skelette im Schrank, Polarbären, Tantiemen-Schecks, hä?Klar, das macht Sinn, der frühe Vogel fängt den Wurm!Lassen Sie es doch bitte bei "Leichen im Keller" und bei "Eisbären".
    Die rechte Bezeichnung für die 1850 Dollar Schmiergeld ist sicher nicht
    leicht, aber auf keinen Fall "Tantiemen". Oder sind alle Alaskianer
    Vorstandsmitglieder, leitende Angestellte oder Buchautoren?Und es ist natürlich sinnvoll, dass Morgenstund Gold im Mund hat...Bitte beraten Sie sich erstmal mit einem Muttersprachler, sonst
    kommen Sie demnächst noch mit "natürlichem Gas", wenn Erdgas gemeint
    ist oder "Sodiumchlorid" für Kochsalz.Jaja, daitse Sprack, swerre Sprack!

  3. McCain ist ein starker Gegner und hat einen sehr cleveren Berater.
    Wenn im November nach einem knappen Wahlausgang und quälend langer Stimmenauszählung schließlich Obama als 44. Präsident der USA feststehen wird, hat er die Genugtuung, gegen einen sehr starken Gegner gewonnen zu haben.

  4. auch die lieben Zeit-Leser werden früher (eher später, da die Wahl ja noch etwas hin ist) merken, dass die Wähler in Amerika das Geschreibsel auf deutschen Internetseiten wenig beeindruckt.Heute habe ich den Wiesbadener Kurier gelesen und da waren ca. 85% der US-Wahl betreffenden Nachrichten für Obama (natürlich auch gleich auf Seite 1) und der Rest eine kurze Meldung zur Nominierung der Vize von McCain.Von neutraler Berichterstattung ist man hier noch weit entfernt.Soll doch der Obama gewinnen, in unserem Land wird man trotzdem weiter gegen die USA sein, weil seine Politik weiterhin pro USA sein wird. Guantanamo wird wohl wegfallen, aber der Rest bleibt.Wie viele Leute hier für Obama sind, erinnert mich an die Wahlkampfversprechen von Rot, Rot & Grün in Hessen. Hauptsache der Chef is' weg. Aber was Obama machen wird,kann keiner sagen und er selbst auch nur schwammig. Ist halt so ein Schwätzer wie Schröder, deshalb wohl so beliebt bei den Deutschen.

  5. Ach Gottchen, wie rührend!Eine Mutter, die ihr behindertes Kind liebt, aber gleichzeitig Mitglied der Waffen-Lobby ist, damit in anderen Weltregionen Erwachsene und Kinder niedergemäht werden können, die den US-Wohlstand und damit das heilige Recht auf beduftete Windeln für alle Amerikaner (die außerdem noch die Nationalhymne spielen beim Wechseln) aufs Spiel setzen könnten.Ein hilfloser Versuch Mc Cains, sein Greisentum mit Jugend und Schönheit zu kompensieren.Man stelle sich ernsthaft vor, dieses Duo kommt zum Zug!Ich kann garnicht soviel essen....

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    hart, fair und realistisch !

    hart, fair und realistisch !

    • GBHPG
    • 31.08.2008 um 2:49 Uhr

    @ Silke TittelWarum müssen Sie einen negativen Twist der Tatsache geben, daß Sie seit 2 Jahren Governor von Alaska ist, dem größten US Staat. 2 Jahre als Governor von irgenteinem US Staat ist bei weitem mehr als US Senator oder Illinois Senator zu sein. Sie will nicht Präsident der USA werden aberein arroganter, hochnäsiger Senator von dem bis jetzt noch nichts verlangt wurde und der sich über 120 mal im IL Senat und über 220 mal im US Senat hinter einer 'present Vote' versteckte, weil er anscheinend keine Meinung hat oder nicht weiß was er will.  Als Governor kann man sich nicht verstecken, dort muß man handeln und Farbe bekennen und  man kann nicht so ein Hinterbänkler sein wie Obama.
    Gerd, Chicago

    • MaxS
    • 31.08.2008 um 10:38 Uhr

    Am schockierendsten ist doch, dass die Dame Kreationistin ist.Man stelle sich das mal vor die Vizepräsidentin des mächtigsten Landes der Welt lebt geistig noch im Mittelalter. Da wäre mir ja eine weitere Amtszeit von Bush lieber, als dass so eine primitive auf Märchen und Glaube fixierte Person in dieses Amt gewählt wird.Mich schockt auch, dass das hier anscheinend keinen stört. Dieser geistige Abschaum glaubt doch tatsächlich an ein Märchenbuch von vor 2000 Jahren und würde am liebsten die eigene Dummheit auch noch in den Schulen verbreiten. Und warum ihr Kind mit Daunsyndrom sie als Vizepräsidentin qualifiziert, weiß ich auch nicht. Da gibt es auch ein schönen Ausschnitt aus einem Interview mit McCain, wo er gefragt wird, warum man denn Viagra auf Rezept bekommt, aber die Antibabypille nicht.Auch schön ist der Clip in dem McCain doch glatt Russland mit Deutschland und Merkel mit Putin verwechselt, sowas als Leiter der stärksten Armee der Welt?

  6. Palin hat es in kurzer Zeit zu einem bedeutenden Posten gebracht. Sie hat eine 80% tige Zustimmungsrate. Sie pflegt einen Lebensstil und hat einen Glauben den sie mit millionen Ihrer Landsleute teilt. Nicht alles was sie repraesentiert gefaellt mir aber Sie hat in den paar Tagen auf der Weltbuehne mehr Substanz und Persoenlichkeit vermittelt als Obama, der viel spricht aber nichts sagt.
    Clinton waere meine Wahl gewesen. Obama erinnert mich an eine Tuete Chips. Schoen gross wenn man sie kauft. Macht man sie auf ist zwei drittel Luft.

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    wenn Hillary ihre Favoritin war, warum folgen Sie Ihr dann nicht, die sie ja in aller Klarheit sagt: was sie wollte, will Obama auch, und er ist völlig fähig dazu. Wieso glauben Sie, klüger zu sein als Ihre Kandidatin Hillary, die doch sowohl die amerikanische Politik als auch Obama bestimmt besser kennt, als wir alle?

    # Silberschnur. Sie werden merken, dass - wenn Obama Präsident wird - sich diese Chips wieder zu Kartoffeln wandeln werden, die einst verhinderten, dass in Irland - woher sehr viele amerikanische Geschlechter, auch Polit-Familien: Die Clintons, die Kerrys u.v.a.m., ursprünglich herstammten - weiterhin Hungersnöte auftraten. Und solche politischen Hungersnöte, wie in den USA die letzten 8 Jahre, werden damit dann wohl auch vorübergehen.  Auf der Höhe der ZEIT bleibt, wer Kartoffeln anlegt.

    wenn Hillary ihre Favoritin war, warum folgen Sie Ihr dann nicht, die sie ja in aller Klarheit sagt: was sie wollte, will Obama auch, und er ist völlig fähig dazu. Wieso glauben Sie, klüger zu sein als Ihre Kandidatin Hillary, die doch sowohl die amerikanische Politik als auch Obama bestimmt besser kennt, als wir alle?

    # Silberschnur. Sie werden merken, dass - wenn Obama Präsident wird - sich diese Chips wieder zu Kartoffeln wandeln werden, die einst verhinderten, dass in Irland - woher sehr viele amerikanische Geschlechter, auch Polit-Familien: Die Clintons, die Kerrys u.v.a.m., ursprünglich herstammten - weiterhin Hungersnöte auftraten. Und solche politischen Hungersnöte, wie in den USA die letzten 8 Jahre, werden damit dann wohl auch vorübergehen.  Auf der Höhe der ZEIT bleibt, wer Kartoffeln anlegt.

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