Hessen-SPD Der nette Herr Schäfer-Gümbel
Der hessische SPD-Spitzenkandidat macht vieles richtig, was Andrea Ypsilanti falsch gemacht hat. Trotzdem ist er der schlechtere Wahlkämpfer – und ziemlich chancenlos
Ist das wirklich die hessische SPD? Es ist jedenfalls derselbe betagte Wahlkampfbus, mit dem schon Andrea Ypsilanti vor genau einem Jahr durch Hessen tourte und mit dem nun ihr Nachfolger unterwegs ist. Nur war damals die Stimmung zwischen der Kandidatin, ihren Mitarbeitern und den mitreisenden Journalisten frostig: Ypsilanti war kurz angebunden, hing meistens am Handy oder fuhr in einem PKW dem Tross hinterher.
Die Termine waren ähnlich chaotisch vorbereitet wie der spätere zweifache Versuch der Regierungsübernahme mithilfe der Linkspartei. Oft standen alle gestrandet auf irgendwelchen Parkplätzen herum. Schon damals war ersichtlich, dass Ypsilanti für eine Spitzenpolitikerin viel zu wenig kommuniziert.
Jetzt ist die Stimmung ausgelassen, fast aufgekratzt, obwohl die SPD in den aktuellen Umfragen zehn Prozent weniger aufweist als noch vor Jahresfrist und deutlich hinter der CDU liegt. Es wird viel gelacht im Bus, der Pressesprecher – derselbe wie unter Ypsilanti – erzählt Witze, die Referenten kabbeln sich mit den lokalen Medienleuten.
Mittendrin: Thorsten Schäfer-Gümbel, der neue Spitzenmann. Er läuft durch den Bus, setzt sich zu jedem. Er erzählt gern – von seiner Handwerker- und Soldaten-Familie, in der er als Erster das Abitur machte, oder von der SPD, seiner zweiten Familie. Aber anders als Ypsilanti hört er manchmal auch einfach nur zu, interessiert, unprätentiös. Er taucht ein in das Heer seiner Begleiter, ein Unbeteiligter würde wohl nicht sofort erkennen, wer hier die Person ist, um die es sich eigentlich dreht.
In solchen Momenten merkt man am deutlichsten, dass der 40-Jährige noch nicht lange in der ersten Reihe der Politik steht, sondern bis vor ein paar Wochen noch Hinterbänkler und Zuarbeiter war. Sein Lachen ist vergnügt und ungekünstelt, nicht glatt und berechnend, wie das so vieler Berufspolitiker. Der Wahlkampf, die Bundespresse, die Fotoshootings – für Schäfer-Gümbel ist das Neuland, das er gerade neugierig entdeckt.
Der Bundespartei ist "der Thorsten" sympathisch, wie ihn Parteichef Franz Müntefering beim Neujahrsempfang in Gießen oft nennt. Müntefering ist zum Mutmachen nach Mittelhessen gekommen, Schäfer-Gümbels Rede lauscht er mit gütigem Lächeln. Der bedankt sich freundlich, indem er in seinen Wahlkampfreden immer wieder die Beschlüsse des SPD-Präsidiums zum zweiten Konjunkturpaket lobt. Diese seien "zielgerichtet", "sehr, sehr positiv" und eine "richtig runde Sache". Solche Nettigkeiten hat die SPD-Führung aus Hessen schon lange nicht mehr gehört.
Für Ypsilanti, die im Vorjahr mit dem damaligen Parteichef Kurt Beck ebenfalls ein harmonisches Duo abgab, wäre Müntefering wohl nicht eigens nach Gießen gereist. Sie sitzt in der ersten Reihe der Gießener Kongresshalle, aber sie ist irgendwie nicht so richtig dabei. Müde beobachtet sie die Fotografen, die Schäfer-Gümbel beobachten. Seine Rede bedenkt die Noch-Landes- und Fraktionsvorsitzende mit gnädigem Lächeln, das sofort erlischt, als Müntefering zu Sprechen beginnt.
- Datum 27.02.2009 - 15:37 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Diese Partei hat doch noch immer überraschende Kapazitäten zur Selbsterneuerung. Und selbst wenn die Prognosen richtig sein sollten, ist der Auftritt des TSG eine bemerkenswerte Leistung.
In diesem Sinne: Viel Erfolg!
Die hessische SPD hat im letzten Jahr für jede Menge Negativ-Schlagzeilen gesorgt.
Darüber dürfen die Wähler aber Kochs Untaten nicht vergessen, wie z.B. die effektive Verhinderung der Verfolgung großer Fälle von Steuerhinterziehung:
http://www.stern.de/polit...
Am 19.12.2008 habe ich diesen Artikel auf stern.de gelesen. Ich hatte gehofft, man würde über diese Machenschaften in Hessen nun in den Medien und den Foren diskutieren. Aber dieser Artikel scheint kaum jemand zu interessieren. Wenn man bedenkt, wieviel über den Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine in nahezu allen Medien berichtet wird und sieht, dass die Vorgänge in Hessen offenbar unsere Medien nicht interessieren, beunruhigt mich das schon sehr.
Am 19.12.2008 habe ich diesen Artikel auf stern.de gelesen. Ich hatte gehofft, man würde über diese Machenschaften in Hessen nun in den Medien und den Foren diskutieren. Aber dieser Artikel scheint kaum jemand zu interessieren. Wenn man bedenkt, wieviel über den Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine in nahezu allen Medien berichtet wird und sieht, dass die Vorgänge in Hessen offenbar unsere Medien nicht interessieren, beunruhigt mich das schon sehr.
Auch wenn wir es manchmal nicht wahr haben wollen, aber das Groß der Wähler wählt gemäß einem in gewisser Weise archaischen Instinkt folgend der dazu führt, das größte, schönste, (durchsetzungs-)stärkste Individuum zur Vertretung seiner Interessen zu wählen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass dieses Verhalten teilweise sogar Parteipräferenzen eliminiert.
Nur, wie bewertet man, auf wen das zutrifft. Richtig. Äußerlichkeiten und einfache Botschaften. Inhalte sind da fast schon hinderlich, weil viel zu komplex.
Daher wird in diesem Wahlkampf das -unbestrittene- Alphatier Koch absahnen. Das letzte mal gab es wenigstens eine Wahl zwischen zwei Alphatieren, aber diesmal...die phenotypischen Signale sprechen eine deutliche Sprache, leider.
Wir wären Narren, würden wir glauben, dass in der Mehrheit der Bevölkerung der Intellekt den archaischen Instinkt "überstimmen" würde.
seine Politik hat uns doch dahin gebracht wo wir heute sind. Im A...h. Wer glaubt, nur in Berlin wird ein Bock geschossen der irrt. Ein Bock reicht nicht.
Von diesem Mann ist noch einiges zu erwarten. Ich halte Herrn Schäfer-Gümbel für einen der derzeit am meisten unterschätzten Politiker. Vielleicht haben wir es sogar mit einem zukünftigen Kanzlerkandidaten oder zumindest Ministeriumspostenanwärter auf Bundesebene zu tun.
Sehr geehrte Benutzer,
wer lesen möchte, was unser Autor Michael Schlieben auf seiner Reise durch die hessischen Wahlkampfgebiete täglich erlebt: Unter dem Kürzel #ms schildert er auf der Microblogging-Plattform Twitter für ZEIT ONLINE immer wieder seine Eindrücke in Kurzform.
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE
Am 19.12.2008 habe ich diesen Artikel auf stern.de gelesen. Ich hatte gehofft, man würde über diese Machenschaften in Hessen nun in den Medien und den Foren diskutieren. Aber dieser Artikel scheint kaum jemand zu interessieren. Wenn man bedenkt, wieviel über den Gaskonflikt zwischen Russland und der Ukraine in nahezu allen Medien berichtet wird und sieht, dass die Vorgänge in Hessen offenbar unsere Medien nicht interessieren, beunruhigt mich das schon sehr.
Schäfer-Gümbel erscheint mir grundehrlich zu sein, mit den Einschränkungen, die man für Politiker Innen zu machen hat. Sicher gibt es Politiker, die einen so mächtigen Apparat an ihrer Seite haben, wie das in BY seit 1957 zunehmend der Fall war, die können sich durchaus ein paar Ecken und Kanten leisten. Hessen war aber im Normalfall immer ein politisch sehr umkämpftes Land. Oft reichte es nur zu einem Mandat Überhang ( Beispiel Regierung Wallmann). Wenn sich vier MdLs aus der eigenen Fraktion "verabschieden", kann das vielfältige Ursachen haben. Möglicherweise wurde für die Öffentlichkeit A gesagt ( Gegnerschaft gegen den Kommunismus ), in Wirklichkeit etwas ganz anderes gemeint. Möglicherweise wurde auch "über Bande gespielt". Wer aber an wirklich hehre Motive der Abweichler glauben würde, dürfte fast sicher daneben liegen. Ein schlüssiger Beweis fehlt bisher allerdings. Dennoch: Einige Interviews der beteiligten Damen haben aus meiner Sicht immerhin recht viele Einblicke gegeben.
Ja, aus meiner Sicht war das neben den grundgesetzwidrigen Gesetzen der Regierung einer der größten Skandale in Deutschland im letzten Jahr. Und keinen interessierte es. Wir können aber versuchen, die Diskussion anzustoßen: Jede große Zeitung berichtet online über den Wahlkampf in Hessen und erlaubt das Kommentieren von Beiträgen. Überall da lässt sich der Link auf den Artikel platzieren. Ich werde mir heute abend gleich ein paar Websites vornehmen.
Auch in Diskussionen zu Steuern allgemein und zu Steuerhinterziehung speziell lässt sich das passend ins Gespräch bringen.
Schäfer-Gümbel erscheint mir grundehrlich zu sein, mit den Einschränkungen, die man für Politiker Innen zu machen hat. Sicher gibt es Politiker, die einen so mächtigen Apparat an ihrer Seite haben, wie das in BY seit 1957 zunehmend der Fall war, die können sich durchaus ein paar Ecken und Kanten leisten. Hessen war aber im Normalfall immer ein politisch sehr umkämpftes Land. Oft reichte es nur zu einem Mandat Überhang ( Beispiel Regierung Wallmann). Wenn sich vier MdLs aus der eigenen Fraktion "verabschieden", kann das vielfältige Ursachen haben. Möglicherweise wurde für die Öffentlichkeit A gesagt ( Gegnerschaft gegen den Kommunismus ), in Wirklichkeit etwas ganz anderes gemeint. Möglicherweise wurde auch "über Bande gespielt". Wer aber an wirklich hehre Motive der Abweichler glauben würde, dürfte fast sicher daneben liegen. Ein schlüssiger Beweis fehlt bisher allerdings. Dennoch: Einige Interviews der beteiligten Damen haben aus meiner Sicht immerhin recht viele Einblicke gegeben.
Ja, aus meiner Sicht war das neben den grundgesetzwidrigen Gesetzen der Regierung einer der größten Skandale in Deutschland im letzten Jahr. Und keinen interessierte es. Wir können aber versuchen, die Diskussion anzustoßen: Jede große Zeitung berichtet online über den Wahlkampf in Hessen und erlaubt das Kommentieren von Beiträgen. Überall da lässt sich der Link auf den Artikel platzieren. Ich werde mir heute abend gleich ein paar Websites vornehmen.
Auch in Diskussionen zu Steuern allgemein und zu Steuerhinterziehung speziell lässt sich das passend ins Gespräch bringen.
Schäfer-Gümbel erscheint mir grundehrlich zu sein, mit den Einschränkungen, die man für Politiker Innen zu machen hat. Sicher gibt es Politiker, die einen so mächtigen Apparat an ihrer Seite haben, wie das in BY seit 1957 zunehmend der Fall war, die können sich durchaus ein paar Ecken und Kanten leisten. Hessen war aber im Normalfall immer ein politisch sehr umkämpftes Land. Oft reichte es nur zu einem Mandat Überhang ( Beispiel Regierung Wallmann). Wenn sich vier MdLs aus der eigenen Fraktion "verabschieden", kann das vielfältige Ursachen haben. Möglicherweise wurde für die Öffentlichkeit A gesagt ( Gegnerschaft gegen den Kommunismus ), in Wirklichkeit etwas ganz anderes gemeint. Möglicherweise wurde auch "über Bande gespielt". Wer aber an wirklich hehre Motive der Abweichler glauben würde, dürfte fast sicher daneben liegen. Ein schlüssiger Beweis fehlt bisher allerdings. Dennoch: Einige Interviews der beteiligten Damen haben aus meiner Sicht immerhin recht viele Einblicke gegeben.
Hallo wartaweil,
in dem von Hinterfrager erwähnten Artikel handelt es sich um Vorgänge im Zusammenhang mit hessischen Steuerfahndern. "Eiskalt abserviert" finden Sie über den Link von Kommentar 2 - Wirklich lesenswert!!
Hallo wartaweil,
in dem von Hinterfrager erwähnten Artikel handelt es sich um Vorgänge im Zusammenhang mit hessischen Steuerfahndern. "Eiskalt abserviert" finden Sie über den Link von Kommentar 2 - Wirklich lesenswert!!
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