Ein neuer Kredit in Höhe von 25 Milliarden Dollar (20 Milliarden Euro) sei nötig, "um die Liquiditätskrise zu überleben", sagte Chrysler-Vorstandschef Robert Nardelli vor einem US-Senatsausschuss. "4,5 Millionen Menschen hängen von dieser Industrie ab. Ohne Unterstützung könnten fast drei Millionen von ihnen binnen zwölf Monaten ihren Job verlieren." Neben Nardelli sagten Ford-Chef Alan Mulally und der Vorstandsvorsitzende von General Motors, Rick Wagoner, aus.

GM-Chef Wagoner warnte vor "katastrophalen gesellschaftlichen Folgen", sollte die heimische Autoindustrie untergehen. Das Einkommen der Bevölkerung würde binnen eines Jahres um 150 Milliarden Dollar (119 Mrd. Euro) verringert, über drei Jahre drohten Steuerausfälle in etwa derselben Höhe. "Sie können uns helfen, diese Krise zu überwinden. Im Gegenzug erstatten wir das Vertrauen und die Unterstützung der Steuerzahler um ein Vielfaches zurück", sagte Wagoner. Alle drei Vorstandsvorsitzenden versprachen tiefgreifende Reformen und neue Modelle, um konkurrenzfähig zu sein.

Die Chefs der Big Three stießen bei den Senatoren auf Skepsis. "Werden wir hier im Senat darum gebeten, einer stärkeren, wettbewerbsfähigeren Autoindustrie den Weg zu bereiten, oder darum, ein Scheitern am Markt endlos fortzusetzen?", fragte der Republikaner Richard Shelby. "Wir brauchen eine Versicherung, dass sie (die Autobauer) nicht in sechs Monaten zurückkommen und noch mehr verlangen", sagte der demokratische Senator Charles Schumer.

Noch zögert die Kongresskammer also vor weiteren Hilfen. "Etwas durchzuprügeln, wäre ein Fehler", sagte der Vorsitzende des Ausschusses, Christopher Dodd. Es bestünden Zweifel, ob die Firmen in der Lage wären, die Gelder zurückzuzahlen. Zudem sei man zurückhaltend, weitere Steuergelder auszugeben, um Unternehmen zu retten.

Bisher haben auch US-Präsident George W. Bush und sein Finanzminister Henry Paulson die Forderungen der Autokonzerne zurückgewiesen. Die US-Demokraten um den künftigen Präsidenten Barack Obama dagegen wollen die 700 Milliarden Dollar aus dem Banken-Rettungspaket der Regierung anzapfen, um den schwer angeschlagenen Herstellern zu helfen.

Die Autoverkäufe in den USA sind im Oktober auf den tiefsten Stand seit 1991 gestürzt. Ursache sind vor allem die Probleme am Kreditmarkt, wodurch Verbraucher weit schwerer als bislang an Darlehen für einen Autokauf kommen.

Im Zuge der Probleme bei GM hat auch die deutsche Konzerntochter Opel die Bundesregierung um eine Bürgschaft gebeten, über die Kanzlerin Angela Merkel bis Weihnachten entscheiden will.