Fussball Den Kopf trainiert man mit

Die Muskeln sind trainiert, der Kopf jedoch kaum. Ein bekanntes Dilemma der Fußballer. Alexander Rosen hat es anders gemacht. Vom Nationalspieler zum Manager: Porträt

Was machen die meisten Fußballprofis, wenn sie nicht trainieren? Sich die Zeit vertreiben, die PlayStation in Betrieb halten, ihre Kenntnisse im Poker vertiefen, on- und offline. Die Wacheren unter den Berufsfußballern melden sich zum Fernstudium an, aber zwischen der Immatrikulation und der Exmatrikulation tut sich oft nicht viel.

Vor allem warten Fußballprofis auf das nächste Training, das nächste Spiel, die nächste Saison. Bis biologische Fakten das Karriere-Ende bestimmen und sich nicht mehr verdrängen lässt: Die Muskeln der Profis sind bestens trainiert, der Kopf jedoch kaum. Ein bekanntes Dilemma, das schon Hunderte von Ex-Profis zur Stammkundschaft der Sozialämter machte.

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Alexander Rosen hat es anders gemacht. Mit 25 Jahren musste er sich eingestehen, dass er als Profi in Deutschland nicht mehr da ankommen würde, wo viele den veranlagten Mittelfeldspieler gesehen hatten: Stammspieler in der Bundesliga. Aber nur der Prolog in die Profi-Karriere vollzog sich unter Applaus: Bei Eintracht Frankfurt rückte Rosen 1998 mit 19 in den Bundesligakader, er bestritt zwanzig Länderspiele in der U20- und U21-Nationalmannschaft, wo er sich das Zimmer mit Torhüter Timo Hildebrand teilte.

Aber nach nur vier Einsätzen in der Ersten Liga lernte Rosen, der in der bewährten Talentschmiede des FC Augsburg geformt worden war, die weniger attraktiven Standorte kennen: Osnabrück, Saarbrücken und Elversberg, wo er vor 300 Zuschauern auflief. Wo viel Fantasie vonnöten war, um sich auf einer großen Fußballbühne zu wähnen. Rosen wollte nicht länger die Ochsentour durch die Badlands des Profifußballs machen. "Es ging nicht richtig vorwärts und nicht richtig rückwärts." Stagnation im Mittelmaß, ein Zustand, den Rosen nie gut ertragen konnte.

Im Dezember 2005 traf er eine ungewöhnliche Entscheidung: Rosen schloss sich dem norwegischen Zweitligisten Follo FK an, trainiert von Erland Johnsen, dem früheren Profi des FC Bayern München. Als Flucht eines gescheiterten Fußballers will er den Wechsel nicht gelten lassen. "Sportlich", sagt Rosen, "sprach nicht viel dafür. Aber ich wollte etwas Besonderes machen. Sehen, wie ich meine Talente einsetzen kann."

Rosen wollte frühzeitig herausfinden, ob er sich zum Fußballmanager eignet. Er unterschrieb einen Vertrag mit einer kuriosen Stellenbeschreibung: als Spieler und als Assistent der Geschäftsführung. Vormittags arbeitete er auf der Geschäftsstelle und lernte alle Facetten des Managerjobs kennen, nachmittags schlüpfte er in die Trainingsklamotten. Nach drei Monaten sprach Rosen fließend Norwegisch, laut Vertrag hätte er dafür ein Jahr Zeit gehabt. Aber er wollte kein Fremder bleiben, möglichst schnell der Verantwortung gerecht werden, die seine Doppelfunktion mit sich brachte.

Die Arbeit bei Follo FK bestätigte Rosen in seinen Vorstellungen, dass es mehr geben musste als den Fußball, wie er ihn in Deutschland kennengelernt hatte: Ohne Kontrolle und Aufsicht absolvierten die Spieler individuelles Training, auch Konditionseinheiten. "Wir hatten viel mehr Eigenverantwortung, so stelle ich mir mündige Profis vor. Das würde in Deutschland so nicht funktionieren." Da zählt es immer noch zu den kleinen, unverzichtbaren Freuden unter Profis, dass der Waldlauf abgekürzt wird, wenn der Trainer nicht in Sichtweite ist. Norwegen ließ die pralle Blase Fußball auf eine gesunde Größe schrumpfen. Für Stars und Allüren war dort kein Platz, aber für etwas, was im deutschen Fußball inzwischen häufiger eingefordert wird: die Ausbildung der Persönlichkeit und die Schulung sozialer Intelligenz.

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