Konjunktur Trendumkehr am Arbeitsmarkt

Wirtschaftskrise und Winter hinterlassen ihre Spuren in der Arbeitslosenstatistik. Nach dem guten Jahr 2008 weisen die Dezember-Zahlen nun in eine andere Richtung

Die Arbeitslosenzahl ist in Deutschland im Dezember um 18.000 auf 3,181 Millionen gestiegen. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) um 19.000 zu, im Osten hingegen sank sie um 1000. Damit stieg die Arbeitslosenquote binnen Monatsfrist um 0,75 Punkte auf 7,59 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 8,34 Prozent gelegen.

Damit hat die Wirtschaftskrise auch den Beschäftigungssektor erreicht. Nach Ansicht von BA-Vorstandschef Frank-Jürgen Weise war 2008 eines der besten Jahre für den Arbeitsmarkt. Doch der Anstieg im Dezember war deutlich stärker als im Durchschnitt der letzten drei Jahre. Die positive Grundtendenz, die bereits in den vergangenen Monaten an Schwung verloren hatte, setzte sich nicht mehr fort. "Entsprechend gedämpft ist auch unser Optimismus für das Jahr 2009", sagte Weise. 

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Ende 2008 war die Freude über die neuerliche Unterschreitung der Drei-Millionen-Marke groß gewesen: Noch im November hatte die Zahl der Erwerbslosen, allerdings saisonunbereinigt, mit 2,98 Millionen (7,1 Prozent) so niedrig wie zuletzt beim Wiedervereinigungsboom vor 16 Jahren gelegen – und das trotz der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe im Jahr 2005, die der Statistik eine große Zahl Neuzugänge bescherte. Damit trotzte die Statistik der Bundesagentur einem jährlich immer wieder zu beobachtenden bisherigen Trend. Von der sonst üblichen Zunahme der Arbeitslosigkeit im Winter um bis zu 500.000 war bisher nichts zu spüren.

Zugleich zeichnete sich die Wirkung der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt ab: Der monatliche Rückgang der Arbeitslosigkeit war auf einen ungewöhnlich geringen Wert gefallen. Schon im November waren bei der Bundesagentur überdurchschnittlich viele Anfragen und Meldungen zur Kurzarbeit eingegangen. Erste Unternehmen, darunter Autozulieferer, kündigten Entlassungen an. Davon Betroffene meldeten sich nun bei den Arbeitsvermittlern.

Den Negativtrend verstärkte, dass die Statistik der offenen Stellen eine weitaus geringere Nachfrage nach Arbeitskräften zeigt. Statt einer Million vakanter Jobs blieben nach einer grundlegenden Überarbeitung der Datenbank nur noch 540.000.

Dennoch erwarten die Manager der Bundesagentur mittelfristig einen geringeren Anstieg der Erwerbslosigkeit als in früheren Wirtschaftskrisen. Viele Unternehmen hätten in den Vorjahren stark rationalisiert, hieß es im November. Dadurch könnten Firmen heute einen Auftragsverlust von bis zu 15 Prozent verkraften, ohne sich von der Kernbelegschaft trennen zu müssen. Auch wird nach Ansicht der Arbeitsmarktexperten die Winterarbeitslosigkeit nur auf 250.000 bis 350.000 zusätzliche Jobsuchende anwachsen.

 
Leser-Kommentare
  1. Die Arbeitslosenzahl über 3 Mio.??? Das kann doch nicht sein.

    Bisher haben in Nürnberg Phantasie und Wille noch immer ausgereicht, um die Zahlen dem gewünschten Ergebnis anzupassen.

    Wie wäre es, wenn man Arbeitslosigkeit einfach umbenennen würde, z.B. in Angebotsüberschuß? Überschuß hört sich immer positiv an und durch die Umbenennung wäre ein positiver Saldo von 3 Mio kurz vor den Wahlen gesichert.

    Die Strohfeuer wie Ein-Euro-Job, Mini-Job, Leiharbeit, Kurzarbeit ... sind längst abgebrannt.

    Weiß eigentlich jemand, was aus den Millionen Ich-Ags geworden ist?
    "Jeder gründe seine Ich-AG" hieß damals der Slogan. Angesichts der Finanz- und Börsenkrise käme wohl niemand mehr auf diesen Namen. Es sei denn, der Personalchef von VW oder Porsche :-))

    Auch die Beschäftigungsgutscheine sind so ziemlich abgefrühstückt und unter den selbstlosen Personalberatern verteilt.

    Nur Mut, liebe Nürnberger, im Wahljahr ist Kreativität gefragt. Die Generation "Praktikum" wartet auf neue Vorschläge für den "Günter-Mittag-Gedächtnis-Preis"!!!

    Zwei Sprüche werden dieser Generation immer erhalten bleiben:

    1. Die Rente ist sicher!
    2. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken

    Das ist fast so schön wie
    Walter Ulbrichts legendäres Überholen ohne Einzuholen

    • Zel
    • 07.01.2009 um 12:02 Uhr

    Das ist doch nur die gefühlte Arbeitslosigkeit, die da gemessen wird! Also die Arbeitslosigkeit, die die Kanzlerin und der Rest der Berliner Bande fühlt.

    Real sind die Zahlen jedenfalls weit weit höher. Da müssen nämlich noch die ganzen 1-Euro-Jobber reingerechnet werden, diejenigen, die sich in Arbeitstrainings befinden, die Leiharbeiter und die auf unterstützende Sozialhilfe angewiesenen.

    So kommt man dann auf 15 Millionen.

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