Die Suche nach einem neuen Chef für den größten deutschen Zeitschriftenverlag dauerte nicht lange. Trotz der Weihnachtsfeiertage und des Jahreswechsels benötigten Mehrheitseigner Bertelsmann und die Hamburger Verlegerfamilie Jahr kaum mehr als zehn Tage, um den bisherigen Zeitschriftenchef Bernd Buchholz an die Spitze von Gruner+Jahr (G+J) zu befördern. Zahlreiche Mediendienste, die die Vorgänge bei dem Hamburger Verlagshaus beobachten, werten diese Entscheidung als Signal nach innen und nach außen. Signalisiert wird: Der Bertelsmann-Konzern entsendet keinen Manager aus Gütersloh, um das Verlagshaus enger an den Mehrheitseigner zu binden. Und: Erfahrungen auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt, dem Kerngeschäft von G+J, wiegen schwer bei der Berufung an die Spitze.

"Buchholz gilt als entscheidungs- und meinungsfreudig, selbstbewusst, durchsetzungsstark und eloquent", schreibt der Branchendienst "Horizont". Zuletzt musste er für eine schmerzhafte und innerhalb des Hauses unpopuläre Entscheidung den Kopf hinhalten. Das gesamte Segment der Wirtschaftsmedien bei G+J wird radikal umgebaut und in Hamburg zentralisiert. Für seine flapsige Bemerkung, in der Krise müssten "die Leute auf dem Sonnendeck mal ihre Liegestühle und Drinks beiseite stellen", hat sich Buchholz inzwischen in einem Interview entschuldigt.

Mit dem Deutschland-Geschäft verantwortete Buchholz schon bisher fast die Hälfte der gesamten Umsätze von Gruner+Jahr. Zeitschriften wie "Stern", "Geo", "Brigitte" und "Eltern" sind seit jeher das Herzstück des Hamburger Großverlags und sichere Ertragsbringer. Die Umsatzrendite soll hier 2007 bei 13 Prozent gelegen haben und damit höher als im Unternehmen insgesamt, das 2007 vor allem wegen des flauen Druckgeschäfts mit leicht rückläufigen Renditen zu kämpfen hatte.

Für 2008 dürfte die Bilanz deutlich schlechter ausfallen, denn die Finanz- und Medienkrise ist auch an Gruner+Jahr nicht spurlos vorüber gegangen. Angesichts unsicherer Zukunftsaussichten haben viele Unternehmen ihre Werbeinvestitionen zurückgefahren oder gestreckt. "Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation haben wir die Renditeziele in unserer Langfristplanung für die kommenden Jahre deutlich gesenkt", hatte Buchholz Ende November verkündet. Im Zuge der Finanzkrise hat G+J drei Zeitschriften eingestellt, darunter in Deutschland "Park Avenue".

Der scheidende Vorstandschef Bernd Kundrun hat Gruner+Jahr nach den Einschätzungen aus der Branche wirtschaftlich erfolgreich durch schwierige Jahre geführt und vor allem auf kostspielige Abenteuer wie den Kauf überteuerter Online-Portale verzichtet. Publizistische Glanzlichter sind allerdings rar. Kundruns Lieblingsprojekt war - noch aus seiner Zeit als Zeitungsvorstand - die "Financial Times Deutschland" (FTD), die in den neun Jahren ihres Bestehens noch keinen Gewinn abgeworfen hat.

Zuletzt hatten sich Kundrun und Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski offenbar zunehmend entfremdet. Sowohl die Streichung von 60 Arbeitsplätzen bei der G+J-Wirtschaftspresse als auch Kundruns Kontakte zu ProSiebenSat1, wo er wohl als Vorstandschef im Gespräch war, sorgten für Irritationen in Gütersloh. Den Schlussstrich zog Kundrun selbst, indem er kurz vor Weihnachten per Fax seinen Rückzug aus dem Bertelsmann-Vorstand vollzog. Darauf blieb Ostrowski kaum eine andere Wahl, als seinen Hamburger Spitzenmann auszutauschen. (Eckart Gienke/dpa)