David Garrett "Musik ist keine Religion"Seite 4/4
ZEIT ONLINE: Das Album Encore zeigt mit vielen selbstgeschriebenen Stücken Ihre Experimentierfreudigkeit. Kommt bald eine CD von Ihnen heraus, auf der nur Eigenkompositionen zu hören sind?
Garrett: Komischerweise war das mein erster Gedanke auf der Juilliard School. Ich habe darüber nachgedacht, ein ganzes Album mit eigenen Stücken aufzunehmen. Die Musik auf Virtuoso und Encore ist sehr populär geschrieben. Kaum jemand weiß, dass ich 2003 den Kompositions-Wettbewerb der Juilliard School mit einer Fuge im Stil von Johann Sebastian Bach gewonnen habe. Ich glaube, ich hatte da eine Konkurrenz von tausend Leuten.
ZEIT ONLINE: Das klingt nach einem weiteren Standbein ...
Garrett: Ich habe glücklicherweise immer sehr viel Zuspruch von meinen Lehrern bekommen. Unter anderem auch von dem Komponisten Eric Ewazen, der einer meiner Kompositionslehrer war. Nach diesen Erfahrungen habe ich das Arrangieren und Schreiben von Stücken als eine tolle Sache empfunden. Am Anfang hatte ich Hemmungen, ob es klappt und die Leute es mögen, aber nun macht es mir Riesenspaß. Das ist ein Projekt, das ich unbedingt verfolge. Das kann auch in andere Musikrichtungen gehen. Auf solche Herausforderungen warte ich geduldig.
ZEIT ONLINE: Was wird Ihre nächste Klassik-CD?
Garrett: Als Nächstes spiele ich das Violinkonzert von Mendelssohn mit dem Deutschen Symphonieorchester und Andrew Litton ein. Diese CD kommt voraussichtlich im Herbst auf den Markt. Zusätzlich arrangiere ich Werke anderer Komponisten von der Klassik bis zur Romantik für Geige und Sinfonieorchester. Rachmaninov und Dvořák werden dabei sein. Je mehr Komponisten man mit einbezieht, desto lehrreicher wird es für die Zuhörer. Ich wollte eben alles ein bisschen anders aufziehen. Ich möchte einen Wirbelsturm entfachen und möglichst viele Menschen mitreißen.
Das Gespräch führte Burkhard Schäfer
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- Datum 15.01.2009 - 10:44 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 08.01.2009
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...geerdet wirkt dieser junge Mann. Dass sich hinter der schönen Optik so ein hart arbeitender, authentischer Mensch verbirgt, hat mich jetzt doch überrascht. Ich war immer der Ansicht, der wäre nur so eine Marketingmarionette. Beeindruckend zu lesen...
Das Klatschen zwischen den Sätzen z.B. einer Sinfonie stört mich persönlich eigentlich nicht - der Grund warum das verpönt ist, ist der, daß einige Leute meinen, das würde das Werk auseinanderreißen. Trotzdem eigenartig, daß darauf niemand eingeht.
Was ich allerdings für äußerst störend halte, ist das Klatschen während gespielt wird, wie das beim Applaus nach einem Instrumentalsolo beim Jazz der Fall ist. Ich persönlich halte das für eine Unsitte. Gerade beim Jazz entgeht einem so, wie der nächste Solist den Faden aufnimmt und ihn dann weiterspinnt, weil i.d.R. das Klatschen die Musik übertönt. Merkwürdig, daß ausgerechnet ein Berufsmusiker sich dazu offenbar keine Gedanken macht.
...sondern auch sehr vielfältig. Sicher verleitet es heutzutage sehr, gleich zu denken, es sei nur Promotion / Marketing, wenn ein so gut aussehender Musiker, Violinist daher kommt und auch noch 'Cross over' spielt. Schnell wird das gern in eine Schublade gesteckt.
Aber wenn man sich nicht nur die neuen sondern auch älteren CDs anhört, sowie sein Konzert Repertoire ansieht, wird man schnell fest stellen, dass David Garrett mehr als nur "der Beckham der Violine" oder "schnellste/schönste Geiger der Welt" ist.
Grad erst hat er bewiesen, dass er nicht nur zu Michael Jackson oder ACDC rockt, sondern auch gekonnt Sonaten von Beethoven, Grieg usw oder Violinen Konzerte von Mendelssohn & Co zu interpretieren weiß. Und auch dies auf seine ganz eigene Art und Weise, unverkennbar, die jeden Musik Liebhaber sowie Klassik Kenner beindruckt!
2009 wird uns David Garrett noch viel mit seiner Violinenkunst bereichern und man freut sich immer wieder, ihn live zu hören, sei es 'Cross over' oder gar die weiteren kommenden Klassik Konzerte mit Vivaldi, Paganini uvm.
Sehr schönes Interview! Vielen Dank! Ich persönlich würde mir wünschen, dass mehr Medien auf das Wesentliche eigehen würden so wie es hier geschehen ist. Promotion muss sein - keine Frage, jedoch sollte man nie die Musik im Vordergrund vergessen!
"Musik ist ein Ausdruck von Liebe. Musik kann nie Hass sein. Musik ist immer eine positive Emotion. Sie kann traurig sein, aber sie ist immer die Hoffnung. Musik kann Gedanken zum Guten verändern."
http://www.David-Garrett.... - die offizielle Support Page!
Unglaublich! Es gibt noch unvoreingenommenen Qualitäts-Journalismus hier im Land. Ich war als Teil der älteren Generation bei einem der angesprochenen Klassikkonzerte in der Alten Oper Frankfurt. Bei der anschließenden Lektüre einer Rezension hegte ich die Befürchtung, einer rasant fortschreitenden Altersdemenz entgegenzusehen: Ich habe das Konzert laut Beschreibung der Kritik nicht wiedererkannt. Offensichtlich scheint die Lösung aber woanders zu liegen, und tatsächlich wird mal wieder nach alter Manier ein mutiger junger Künstler niedergeschrieben, der starre Konventionen hinterfragt und bricht. Herzlichen Dank, dass Ihre Journalisten das Handwerk noch verstehen.
Wenn man - wie Zeit Online - nur die richtigen Fragen stellt und sich in diese suchende Persönlichkeit David Garrett einfühlt, dann öffnen sich Welten und ein oft trivialisierter Musiker erscheint im neuen Licht:
als ein sich seiner Selbst und seiner Verantwortung bewusster, gewissenhafter Künstler, der sein Publikum ernst nimmt. Und es liebt...
Margrethe H. Møller
Seltsame Beobachtung: Von einem Tag auf den anderen ist die Presse plötzlich voll mit dem Namen dieses Geigers, inkl. TV.
Ich vermute (ach, Unsinn: ich weiß), da wurde ein P.R.-Mensch beauftragt, und der (meist ist's eine sie) hat nun kräftig ihren Job gemacht.
Das macht den Geiger nicht schlechter oder besser. Ich bemerke da eher ein Problem der Journaille, die nur noch berichtet (und zwar alle das gleiche), wenn wieder mal nette Bekannte aus der Reklamebranche anrufen. Man kennt sich ja inzwischen.
Mal seh'n ob der neue Wundergeiger (macht der seine Musik nicht schon ein paar Jahre lang, unbeachtet von der Presse?) immer noch Aufsehen erregt, wenn diese momentane Kampagne vorbei ist. Und wir warten auf den Neuen, der gepuscht wird.
David Garrett - einer der weltweit besten jungen Geiger!
Und die Größe eines Genies ist nicht nur an seiner eigenen Virtuosität erkennbar, sondern auch an den Köpfen (in diesem Falle Musikerinnen und Musiker), die er um sich scharrt. Achten Sie mal bei der nächsten Einspielung auf die sehr junge Pianistin Linda Schäffler!
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