Das Dreikönigstreffen der FDP gleicht dem Politischen Aschermittwoch der CSU: Es ist ein rhetorischer Rundumschlag gegen alle politischen Gegner. Für eine Oppositionspartei kommt da noch die Regierung hinzu.

An deren Arbeit ließ Westerwelle bei seinem Auftritt in Stuttgart nicht viel Gutes: Eigentlich bestehe die deutsche Politik der vergangenen Jahre nur noch aus dem Verwalten von Krisen, aber nicht mehr aus dem Gestalten von Zukunft, kritisierte der Parteichef. "Alle zwei Monate beschließt die Bundesregierung ein neues Paket." Mit der nächsten Rettungsaktion werde die Koalition die schlimmsten Auswirkungen des im Januar wirksam gewordenen Gesundheitsfonds abmildern, spottete Westerwelle.

Beim Management der Finanzkrise attestierte er der Regierung Versagen: "Schwach ist ein Staat, der jeden Rauchkringel vermessen will, aber bei der Bankenaufsicht trotz großer Behörde systematisch wegschaut." Auch die von Bund und Ländern beschlossenen Rauchverbote sind den stets auf persönliche Handlungsfreiheit bedachten Liberalen ein Gräuel. Hart attackierte Westerwelle die SPD für ihre Vorschläge zur Ankurbelung der lahmenden Konjunktur: "Nach Konsumgutscheinen kann es eigentlich nur noch Lebensmittelkarten, Care-Pakete und Rosinenbomber geben."

Die lauten Töne haben Tradition, aber auch einen besonderen Grund: Westerwelle steht unter Druck, seine Partei im Wahljahr 2009 zum Erfolg zu führen. Eine dritte Wahlperiode in der Opposition kann der FDP-Chef seinen Mitgliedern schwerlich zumuten. Zur letzten Bundestagswahl von 2005 fehlten wenige Prozentpunkte. Reicht es im September nicht für Schwarz-Gelb, könnte sich die Partei ihres Vorsitzenden entledigen.

Einen seiner Gegner schonte Westerwelle: Nur wegen ihres öffentlichkeitswirksam inszenierten Gletscher-Besuches auf Grönland musste sich um den Klimaschutz bemühte CDU-Chefin Angela Merkel vorführen lassen. Weitere Kritik des Chefliberalen traf die CDU nur im Verbund mit Koalitionspartner SPD. Denn auf die Kanzlerinnen-Partei könnte die FDP nach der Bundestagswahl angewiesen sein, wenn die Macht aufgeteilt wird.

Offen sagen die Liberalen das bislang nicht: Zunächst gehe es darum, deutlich zu machen, was die FDP wolle, sagte Birgit Homburger, als baden-württembergische FDP-Landeschefin Gastgeberin des Dreikönigstreffens. Mit wem die Liberalen koalieren würden, zeige sich erst am Ende des Wahlkampfes.