Musikpresse Jetzt wird's "Booty"
Welche Trends kommen 2009 ans Licht? Die Magazine wissen es schon: Die neuen Musikerinnen heißen Little Boots und La Roux und machen dem Elektropop Beine. Unser montägliches Echolot

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Jede Woche spiegelt das Echolot, worüber die Feuilletons und Fanzines schreiben
Das neue Jahr liegt vor uns, und alle blicken zurück aufs alte. Das Wiener Musikmagazin Skug macht es anders, es erspart den Lesern seiner Januar-Ausgabe lange Listen "bester" Platten und "wichtigster" Themen. Es schaut noch weiter in die Vergangenheit und widmet sich dem Werk des Briten Robert Wyatt und der Geschichte des 1992 verstorbenen New Yorker Musikers Arthur Russell.
Die Platten von Robert Wyatt sind seit Jahren vergriffen und werden zu horrenden Preisen gehandelt. Acht Alben aus den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten wurden nun bei Domino Records auf Vinyl und CD wiederveröffentlicht. Aus diesem Anlass unterhält sich David Krispel mit dem seit mehr als 30 Jahren im Rollstuhl sitzenden Musiker und wirft einen Blick auf sein Werk.
Krispel stellt fest, "es gibt nichts Vergleichbares da draußen in der großen weiten Musikwelt." Wyatt sei immer ein Querdenker gewesen, der sich den Wettläufen des Popmarktes verweigert habe, "was oft zu jahrelanger Stille und manchmal zu Pleitezuständen führte." Wyatt und Krispel plauderten eine halbe Stunde über Liebeslieder und explizit politische Lieder, über Pop und Jazz und über die Beziehung Wyatts zu seiner Frau Alfreda Benge. Das ist erhellend zu lesen.
Arthur Russells Musik ist seit vier Jahren wieder erhältlich. Im Jahr 1992 war er an Aids gestorben, nur wenige seiner Lieder waren bis dahin überhaupt veröffentlicht worden. Jochen Bonz erkennt die Besonderheit des Musikers in seiner Vielseitigkeit und meint, "die posthume Aktualität der von Russell hervorgebrachten Ästhetik besteht darin, dass in ihr eine Kulturtechnik zum Ausdruck kommt, die heute mehr als damals zählt: der Russell-ism. Eine Ästhetik im Zwischenraum der Konventionen." Grenzen zwischen Genres hätten für Russell kaum Relevanz gehabt. So sei in seinem Werk ein klanglicher roter Faden zu finden, obwohl er "avantgardistische Kompositionen für Cello und Orchester, Discotracks, Ambient" und – etwa auf der aktuellen Veröffentlichung Love Is Overtaking Me – spröde Folklieder aufnahm.
Den Blick nach vorn richtet der britische Guardian: Caroline Sullivan befragte die "Geschmacksproduzenten der Musikindustrie" nach den Überfliegern des Jahres 2009. Der Gründer des französischen Labels Kitsuné, Gildas Loaec, traut der New Yorker Band Heartsrevolution zu, die Popwelt in Aufregung zu versetzen, sie spielten unfassbare Zukunftsmusik, hätten die richtigen Lieder und das entsprechende Auftreten, seien "außen hart und innen warm". Die "junge, rothaarige, supertalentierte englische" Musikerin La Roux habe wohl das Album des Jahres 2009 in der Tasche.
Das sieht Rebecca Nicholson, die Redakteurin von The Lipster, ähnlich. La Roux habe einfach alle Talente, die Single Quicksand ginge Frau Nicholson schon heute nicht mehr aus dem Kopf. Auch Little Boots aus London wird einiges zugetraut, Jamie Hodgson vom New Musical Express und Paul Scaife von Record Of The Day hoffen übereinstimmend auf diese Elektropopmusikerin.
- Datum 05.01.2009 - 18:50 Uhr
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