Die Politik lebt von Ritualen. Dazu gehört zum Jahresauftakt jeweils das Dreikönigstreffen der FDP. Als die Liberalen ihren Namen noch zu Recht trugen und eine stolze Regierungspartei im Bund waren, nicht eine bloße Steuersenkungspartei, also vor langer Zeit, waren das häufig spannende Veranstaltungen mit nicht selten großen Reden.

Heute preist dort alljährlich der Marktschreier Guido Westerwelle seine FDP als einzige Alternative zur Großen Koalition an. So war es auch diesmal. Wer aus dem schwarz-roten Bündnis raus und eine Linksregierung verhindern wolle, dem bleibe im Herbst keine andere Wahl, verkündete er.

Das ist wohl richtig. Denn falls es bei der Bundestagswahl im September wie schon 2002 und 2005 für Schwarz-Gelb wieder nicht reicht, wofür vieles spricht, und die SPD zu ihrer Absage an Rot-Rot im Bund steht, bleiben als Alternative zum Elefantenbündnis von Union und SPD nur Dreierkoalitionen mit der FDP jeweils als Scharnierpartei. Von ihr würde es im Wesentlichen abhängen, ob es im Fall der Fälle ein rot-gelb-grünes Ampelbündnis mit einem SPD-Kanzler oder eine schwarz-gelb-grüne Jamaika-Koalition mit Angela Merkel an der Spitze gäbe.

Um sich diese Aussichten nicht zu verbauen, vermied Westerwelle in Stuttgart jede Koalitionsaussage. Er wird das auch in den nächsten Monaten tun, auch wenn jeder weiß, dass er am allerliebsten mit Merkel allein regieren würde. Aber das hat ja eben schon zweimal nicht geklappt.

Ob von den beiden großen Parteien diesmal eine mit ihm und seiner FDP regieren will, ist aber gleichfalls ungewiss. Denn auch wenn Union und SPD ihrer ungewollten Partnerschaft nach drei Jahren längst überdrüssig sind, haben sie wohl noch weniger Lust auf ein noch schwierigeres und riskantes Regieren gleich mit zwei widerspenstigen kleinen Partnern. Zumal in wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeiten.

So deutet vieles darauf hin, dass Union und SPD im Zweifel doch lieber die Große Koalition fortsetzen werden. Die SPD, weil  die Alternative für sie wahrscheinlich die Opposition wäre; die Union, weil Merkel die Rolle der Moderatorin in einem fast gleich starken Bündnis weit mehr liegt als das klare Führen in einer anderen Konstellation.

Guido Westerwelle weiß daher, dass die Aussichten für ihn sehr begrenzt sind, dass er im Herbst als Außenminister im Kabinettstisch Platz nehmen wird. Dabei bräuchte das Land durchaus eine Partei, die in der Regierung tatsächlich für mehr Anstrengungen in der Bildungspolitik oder mehr Bürgerrechte eintritt, wie er verspricht. Eine Partei allerdings, die in Wahrheit in allererster Linie Steuersenkungen auf Pump für ihre Klientel fordert, braucht es dort nicht. Die kann ruhig noch ein paar Jahre in der Opposition bleiben.