Merckle-Selbstmord Die Einsamkeit an der Spitze
Viele Manager verkraften wie der Industrielle Merckle nicht den Verlust der Autonomie und Macht durch die Finanzkrise. Gespräch mit dem Psychotherapeuten Werner Gross

© photocase
In der Krise fühlt sich so mancher Manager ganz allein
ZEIT ONLINE: Adolf Merckle war ein Unternehmer alter Schule. Ein Patriarch, aber ein sehr verantwortungsbewusster, moralischer. Trifft solche Menschen die Krise härter als andere Manager?
Werner Gross: Er ist sicher ein Mensch gewesen, der sich in hohem Maß mit seinen Unternehmen identifiziert hat. Menschen, die ein solches Imperium aufgebaut haben, sind meist typische Alphatiere. Sie leben nach dem Motto: "Ich brauche keine Unterstützung. Ich habe es immer alleine geschafft." Herr Merckle war über 70, er hatte dieses Motto vielleicht in jeder Faser seines Körpers verinnerlicht. Im Laufe seiner Karriere wird er zwar auch Krisen erlebt haben, aber er hat sie wahrscheinlich alleine bewältigt.
ZEIT ONLINE: Wieso schaffte er das jetzt nicht mehr?
Gross: Plötzlich ist er auf dem Bauch gelandet. Er war nicht nur Opfer der Finanzkrise, er hat auch falsche Entscheidungen getroffen – und war ganz allein damit. Ein Alphatier denkt dann oft: "Keiner wird mich mehr achten, wenn ich um Hilfe bitte." Das muss in der Realität nicht so sein, aber die Fantasie ist da hartnäckig. Deshalb ist man an der Spitze so extrem einsam.
Dann musste Merckle auch noch erleben, dass die Banken plötzlich mehr Macht hatten als er selbst. Er hatte die Kontrolle verloren, das ist eine massive Kränkung des Egos.
ZEIT ONLINE: Reicht das, um sich umzubringen?
Gross: Was auch noch hinzukam, war der Kampf um die Nachfolge. Aufs Tierreich bezogen wählt man gerne das Bild vom alten Wolf, dem die Zähne ausfallen. Die jungen Wölfe schauen genau hin und planen, wie sie den alten loswerden können. Im Fall von Merckle gab es ja sogar einen Konflikt mit seinem Sohn, der sich von den Geschäften des Vaters distanziert hat.
ZEIT ONLINE: Kommen verschiedene Typen von Managern unterschiedlich mit der Krise klar?
Gross: Man unterscheidet vier große Führungstypen. Der erste ist der Autonomieorientierte. Er entscheidet allein und ist von seiner besonderen Führungsfähigkeit überzeugt. Er hat keine Angst vor unpopulären Entscheidungen. In der Übersteigerung braucht er jedoch immer noch mehr Erfolg für sein Ego, er ist nicht kritikfähig.
Der zweite Typ ist der Beziehungsorientierte. Teamgeist ist für ihn wichtig; er will, dass es allen gut geht. Auch hier gibt es eine negative Seite: Wenn der Menschenfreund keinen Widerhalt findet, kann er depressiv werden.
- Datum 07.01.2009 - 16:56 Uhr
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Ich finde es gut, dass hier auch einmal darauf hingewiesen wird, dass die Ursachen für den Suizid von Herrn Merckle nicht bekannt sind.
Man nimmt lediglich an bzw. kann eigentlich nur annehmen, dass die Finanzkrise eine der Ursachen ist, dass es womöglich und wahrscheinlich noch mehrere Gründe gibt.
Eine recht nüchterne Herangehensweise an die Thematik, was meiner Meinung nach einen durchaus angenehmen Kontrast zu vielen anderen Artikeln und vor allem Kommentaren der letzten Tage darstellt.
Ein weiterer interessanter Artikel aus dieser Ecke!
... sind hochgradig asozial, weil sie ungenanntes Leid und fürchterliche psychische Probleme über die Lokführer bringen, die sie als ihre Erfüllungsgehilfen aussuchen. (Anmerkung: Bitte tragen Sie zu einer sachlichen Debatte bei. Die Redaktion/jk)
Die "Beurteilung" von Selbstmord durch Kommentatoren erzeugt bei mir ein ungutes Gefühl: ich finde es anmaßend, sich hierzu eine Meinung zu erlauben.
Den Aspekt, dass bei dieser Art Selbstmord andere unschuldig zum Täter gemacht werden, habe ich hier zum allerersten Mal in der derzeitigen Berichterstattung und Kommentierung der Medien gefunden - was ich erstaunlich finde, da es einer der wenige "objektiven" Aspekte ist.
Daher ist das eine der wenigen Meinungen, die ich für "Außenstehende" für legitim halte: dass Herr Merckle hier einen völlig unbeteiligten zum Mittäter gemacht.
Allerdings scheint es bislang keinen Journalisten zu interessieren, ob der Lokführer dieses Trauma verkraftet, ob er psychologische Betreuung erhält, und wieviele Lokführer wegen der Häufung solcher Suizide bereits (vorzeitig) ihren Beruf aufgeben mussten.
Das ist das einzige Urteil, das ich mir über den Suizid von Herrn Merckle erlaube: ich finde nicht gut, dass er hier andere unfreiwillig mit reingezogen hat.
Die "Beurteilung" von Selbstmord durch Kommentatoren erzeugt bei mir ein ungutes Gefühl: ich finde es anmaßend, sich hierzu eine Meinung zu erlauben.
Den Aspekt, dass bei dieser Art Selbstmord andere unschuldig zum Täter gemacht werden, habe ich hier zum allerersten Mal in der derzeitigen Berichterstattung und Kommentierung der Medien gefunden - was ich erstaunlich finde, da es einer der wenige "objektiven" Aspekte ist.
Daher ist das eine der wenigen Meinungen, die ich für "Außenstehende" für legitim halte: dass Herr Merckle hier einen völlig unbeteiligten zum Mittäter gemacht.
Allerdings scheint es bislang keinen Journalisten zu interessieren, ob der Lokführer dieses Trauma verkraftet, ob er psychologische Betreuung erhält, und wieviele Lokführer wegen der Häufung solcher Suizide bereits (vorzeitig) ihren Beruf aufgeben mussten.
Das ist das einzige Urteil, das ich mir über den Suizid von Herrn Merckle erlaube: ich finde nicht gut, dass er hier andere unfreiwillig mit reingezogen hat.
In einer anderen Zeitung war ein wesentlich differenzierteres und vor allem einfühlsameres Interview eines Fachmanns zu lesen. Ich bin keiner und doch ist die Stellungnahme des Rasters zu Macht und Ohnmacht nebst Kapitalismuskritik (natürlich wieder mal umdenken) schon für einen belesenen Laien wie mich entwickel- und nachvollziehbar. Dennoch keine Kritik an den Ausführungen.
Worüber aber man nichts liest, ist der Aspekt der Scham sowie die Folgen der Einsicht, seine Fehler in diesem Leben nicht mehr gut machen zu können. Denn Herr Merkle hat sich das scheinbar wirklich alles selber eingebrockt. Vielleicht spielt da das altmodische Gewissen eine Rolle und da ist wohl schwer, umzudenken und vor allen Dingen die Verantwortung nicht so leicht abzuschieben. So was heilt vielleicht nur die Zeit und der Abstand. Insofern wäre ja eine Kurzschlussreaktion denkbar. Gerne würde ich dazu auch mal was erfahren. Nicht nur vom "radikalen" Papst: Es gibt kein Leben auf Probe.
gibt es übrigens keinen, beide empfinden den Verlust von Selbstverständnis -kontrolle etc. blah blah. Bloß bei Reichen nennt die Presse es gerne "Freitod" bei Hartz IV bleibt es profaner Selbstmord und nicht einmal als Fußnote erwähnenswert.
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"Ich glaube, daß die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
(Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)
Yoh, das viel mir eigentlich auch grad als erstes ein nachdem ich die Einleitung gelesen hatte. Die Standardarbeitslosen von denen viele wegen des Job- und Autonomieverlustes vor sich hinsichen werden eigentlich nur ausgelacht... ja man lässt sogar keine alternativen Attribute zu die die Situation von anderer Seite beleuchten könnten...
Dabei gibt es soweit keine Basis den einen oder anderen Grund für negative Emotionen besser oder schlechter, ja überhaupt zu bewerten egal aus welcher sozialen Klasse der Mensch kommt oder geht.
Natürlich geht unsere Wahrnehmung dahin, das jemand der Verantwortung für Mrd. oder auch nur Mio. hat und diese Dimensionen sich dann auch noch auf die Anzahl Mitarbeiter auswirkt wird halt stärker wahrgenommen als einer der vielen...
Für mich, generell was die Entscheidung des Individuums anbelangt von diesem aktuellen Leben nicht's mehr wissen zu wollen... die respektiere ich. Das Gefühl der Lebensunlust ist normalerweise nicht vorhanden... wenn es dann aber mal da ist hat man halt keine Lust mehr zu Leben. Depressive sind Individuuen die solch negativem konstant ausgesetzt sind. Eine Qual so würde ich meinen...
Die Gründe aus dem aktuellen Lebenszyklus zu treten gehen alle anderen soweit erstmal nicht's an... was allerdings auch nicht passieren sollte ist, das die Mitbetroffenen, in diesem Fall etwa der Lokführer, sich dann auch noch Schuldig fühlen. Ich hoffe doch sehr das da genügend Unterstützung vorhanden ist !
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Yoh, das viel mir eigentlich auch grad als erstes ein nachdem ich die Einleitung gelesen hatte. Die Standardarbeitslosen von denen viele wegen des Job- und Autonomieverlustes vor sich hinsichen werden eigentlich nur ausgelacht... ja man lässt sogar keine alternativen Attribute zu die die Situation von anderer Seite beleuchten könnten...
Dabei gibt es soweit keine Basis den einen oder anderen Grund für negative Emotionen besser oder schlechter, ja überhaupt zu bewerten egal aus welcher sozialen Klasse der Mensch kommt oder geht.
Natürlich geht unsere Wahrnehmung dahin, das jemand der Verantwortung für Mrd. oder auch nur Mio. hat und diese Dimensionen sich dann auch noch auf die Anzahl Mitarbeiter auswirkt wird halt stärker wahrgenommen als einer der vielen...
Für mich, generell was die Entscheidung des Individuums anbelangt von diesem aktuellen Leben nicht's mehr wissen zu wollen... die respektiere ich. Das Gefühl der Lebensunlust ist normalerweise nicht vorhanden... wenn es dann aber mal da ist hat man halt keine Lust mehr zu Leben. Depressive sind Individuuen die solch negativem konstant ausgesetzt sind. Eine Qual so würde ich meinen...
Die Gründe aus dem aktuellen Lebenszyklus zu treten gehen alle anderen soweit erstmal nicht's an... was allerdings auch nicht passieren sollte ist, das die Mitbetroffenen, in diesem Fall etwa der Lokführer, sich dann auch noch Schuldig fühlen. Ich hoffe doch sehr das da genügend Unterstützung vorhanden ist !
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
"Adolf Merckle war ein Unternehmer alter Schule. Ein Patriarch, aber ein sehr verantwortungsbewusster, moralischer."
Ich kann mit beim besten Willen nicht vorstellen, daß man mit Verantwortungsbewußtsein und Moral in der Wirtschaft mehrfacher Milliardär werden kann.
Dazu gehören wohl eher Rücksichtslosigkeit und Egoismus.
Mit leben und leben lassen kommt man wohl kaum an die Spitze.
Verantwortungsbewußt und moralisch soll jemand sein, der eine Millarde verzockt hat?
Wie kalt, leer und zynisch muss man sein, wenn einem nichts sinnvolleres einfällt.
Sorry wenn ich mich irre. Aus meiner Warte sieht das recht elend aus.
Genau Ihre Denke ist das Problem. In Deutschland pflegen wir eine Neidkultur sondergleichen. Wer erfolgreich ist, ist das angeblich auf Kosten anderer. Wer reich ist, kann dies nicht auf legalem Wege erreicht haben. Und wer mit Aktien spekuliert, verzockt sein Geld. Mit der Denke wird das leider nichts in Deutschland. So bleiben wir immer Mittelmaß.
Meines Wissens hat Merckle nie einen Mitarbeiter entlassen. So viel zu Ihrem kruden Verständnis, man könne es nur mit Rücksichtslosigkeit und Egoismus zu etwas bringen.
Genau Ihre Denke ist das Problem. In Deutschland pflegen wir eine Neidkultur sondergleichen. Wer erfolgreich ist, ist das angeblich auf Kosten anderer. Wer reich ist, kann dies nicht auf legalem Wege erreicht haben. Und wer mit Aktien spekuliert, verzockt sein Geld. Mit der Denke wird das leider nichts in Deutschland. So bleiben wir immer Mittelmaß.
Meines Wissens hat Merckle nie einen Mitarbeiter entlassen. So viel zu Ihrem kruden Verständnis, man könne es nur mit Rücksichtslosigkeit und Egoismus zu etwas bringen.
Ich bin überzeugt dass viele Menschen große Trauer tragen werden, ganz besonders diejenigen die Herrn Merckle Ihren Arbeitsplatz zu verdanken haben.
Eines sollte man trotzdem niemals vergessen, der Freitod ist egal was auch passieren kann, mit Sicherheit nicht der richtige Weg. Ich selbst bin überrascht
dass so eine honorige Persönlichkeit wie Herr Merckle sich einen so tieftraurigen
Abgang verschafft hat. Sicher er hat Fehler gemacht, doch Fehler sind menschlich
oder stand Herr Merckle soweit über den Dingen, dass er sich diese konkreten
Fehler nicht verzeihen konnte. Ich glaube dass letztere trifft zu, den bei allem
unternehmerischen Geist, glaube ich wirklich dass er ein großer Unternehmer
der alten Schule gewesen ist. Eine Person zum Anfassen, an dem sich seine
Mitarbeiter auch aufgerichtet haben, auch wenn er unternehmerisch harte
Entscheidungen treffen musste. Wir Menschen von aussen sollten uns jetzt
nicht zum Richter machen, denn wir kennen Herrn Merckle doch gar nicht. Dieses
verzerrte Bild welches wir aus den Medien übermittelt bekommen, kann keinem
von uns nur ein Bruchteil erklären, welcher Mensch Herr Merckle wirklich war.
Mit Sicherheit wird sich durch seinen körperlichen Tod jetzt etwas neues entwickeln, auch für die gesamte Unternehmensgruppe, doch was bleibt
sollte auch dass Vermächtnis von Herrn Merckle sein, eine der größten
familiengeführten Holdings in den letzten Jahrzehnten aufgebaut zu haben.
Das ist eine Leistung welche großen Respekt fordert und glauben Sie mir verehrte Leser, besser jemand der etwas leistet und dafür kämpft, als jemand der
niemals eine Vision in seinem Leben erfolgreich zum Ziel geführt hat.
Mein Mitgefühl gilt der Familie Merckle und ich als einfacher Bürger würde
mich freuen, wenn man in den Medien auch einmal die positiven Charakterzüge
von Herrn Merckle gegenüberstellen würde. Sicher er hat mit Aktien gehandelt, aber dass haben in dieser Zeit auch ganz andere Geister getan.
Wenn Herr Merckle wirklich an etwas zerbrochen ist, dann an dem Bild welches
in den letzten Wochen von ihm gezeichnet wurde und es wäre legitim
die Berichtserstattung so zu gestalten, dass man Adolf Merckle in seiner Gesamtheit betrachtet, damit der normale Bürger wirklich ein wahrhaftiges
Bild von diesem großen Unternehmer alter Schule bekommen kann.
Wie schon anfangs erwähnt, der Freitod ist auch nach meiner Meinung
nicht der richtige Weg, doch sollten wir nicht den Stab über jemanden
brechen den wir nur ganz flüchtig kennen.
Yoh, das viel mir eigentlich auch grad als erstes ein nachdem ich die Einleitung gelesen hatte. Die Standardarbeitslosen von denen viele wegen des Job- und Autonomieverlustes vor sich hinsichen werden eigentlich nur ausgelacht... ja man lässt sogar keine alternativen Attribute zu die die Situation von anderer Seite beleuchten könnten...
Dabei gibt es soweit keine Basis den einen oder anderen Grund für negative Emotionen besser oder schlechter, ja überhaupt zu bewerten egal aus welcher sozialen Klasse der Mensch kommt oder geht.
Natürlich geht unsere Wahrnehmung dahin, das jemand der Verantwortung für Mrd. oder auch nur Mio. hat und diese Dimensionen sich dann auch noch auf die Anzahl Mitarbeiter auswirkt wird halt stärker wahrgenommen als einer der vielen...
Für mich, generell was die Entscheidung des Individuums anbelangt von diesem aktuellen Leben nicht's mehr wissen zu wollen... die respektiere ich. Das Gefühl der Lebensunlust ist normalerweise nicht vorhanden... wenn es dann aber mal da ist hat man halt keine Lust mehr zu Leben. Depressive sind Individuuen die solch negativem konstant ausgesetzt sind. Eine Qual so würde ich meinen...
Die Gründe aus dem aktuellen Lebenszyklus zu treten gehen alle anderen soweit erstmal nicht's an... was allerdings auch nicht passieren sollte ist, das die Mitbetroffenen, in diesem Fall etwa der Lokführer, sich dann auch noch Schuldig fühlen. Ich hoffe doch sehr das da genügend Unterstützung vorhanden ist !
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
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