Vertreter der staatlichen Gaskonzerne Russlands und der Ukraine wollen sich an diesem Donnerstag im Moskau zu Verhandlungen treffen. Dies sagte der Chef des ukrainischen Gaskonzerns Naftogas, Oleg Dubina, am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew.

Gasprom-Vizechef Alexander Medwedjew hatte zuvor ebenfalls Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Allerdings sei die Großzügigkeit des Konzerns bei den Gaspreisen ausgeschöpft, schränkte er ein.

Zuvor hatte sich die Lage weiter verschärft. Seit Mittwoch fließt kein russisches Gas mehr über die Ukraine nach Westeuropa. Mit dem größten ostdeutschen Gasimporteur Verbundnetz Gas AG meldete am Mittag erstmals auch ein großes deutsches Unternehmen, dass kein Gas mehr aus der Ukraine in der Bundesrepublik ankommt.

Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld. Die Ukraine schaltete in der Nacht nach russischen Angaben die letzte der vier Transitpipelines ab. Aus der Ukraine hieß es dagegen, Russland habe seine Gaslieferungen über die Ukraine komplett gestoppt. Im Streit über höhere Preise war als erster Schritt am Neujahrstag die russische Gaslieferung an die Ukraine eingestellt worden. Etwa 80 Prozent des Gases aus Russland werden über Leitungen in der Ukraine in die Europäische Union (EU) gepumpt.

Österreich denkt über Notverordnung nach

In Österreich kam in der Nacht zum Mittwoch erstmals kein Gas mehr über die russischen Pipelines an. Der österreichische Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner kündigte an, dass sein Ministerium voraussichtlich am kommenden Freitag eine sogenannte Notverordnung darüber erlassen werde, wie das vorhandene Gas auf die Verbraucher verteilt werde. Österreich hat nach seinen Angaben Gasvorräte für volle drei Monate. Auch Tschechien ist jetzt von den Lieferungen abgeschnitten.

In Ungarn sollten Großverbraucher in der Industrie, die auf alternative Energiequellen umstellen können, ab Mittwoch ebenfalls weniger Erdgas erhalten. Ausfälle bei der Belieferung mit russischem Gas wurden außerdem aus Serbien, Bulgarien, Griechenland und der Türkei gemeldet. Auch Italien meldeten Einbußen von bis zu 90 Prozent.

In mehreren Ländern Ost- und Mitteleuropas führten die ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland schon am Dienstag zu teils drastischen Maßnahmen. Die Slowakei rief am Dienstag den Notstand aus: Um die Versorgung der Haushalte, von Krankenhäusern und anderen wichtigen Einrichtungen zu garantieren, müssen industrielle Abnehmer sogar damit rechnen, dass sie überhaupt kein Gas erhalten, teilte die Regierung mit.

Die EU-Kommission hat eine sofortige und vollständige Wiederaufnahme der Gasversorgung in der Europäischen Union gefordert, wie der Vizepräsident der EU-Kommission, Industriekommissar Günter Verheugen, dem Hamburger Abendblatt sagte. Nach seinen Worten erwartet die EU, dass die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine "zu einer schnellen und endgültigen Einigung führen, die den Gasstreit ein für alle Mal lösen soll".