Während die Menschen in weiten Teilen Europas die Heizkörper aufdrehen, hat Russland den Gashahn noch weiter zugesperrt. Am Montag, dem fünften Tag des Konflikts mit der Ukraine, ordnete der russische Ministerpräsident Wladimir Putin an, die Lieferungen weiter zu drosseln. Die Folge: Die Türkei und Bulgarien erhalten seit der Nacht kein russisches Gas mehr. Auch in anderen ost- und mitteleuropäischen Ländern gibt es erhebliche Lieferausfälle. So bekommt etwa Österreich nur noch zehn Prozent der vereinbarten Menge und muss nun auf eigene Reserven zurückgreifen.

Deutschlands wichtigster Gas-Importeur E.ON Ruhrgas erwarte "massive" Einschränkungen bei der deutschen Gasversorgung aus Russland. Es sei damit zu rechnen, dass am zentralen Gasübergabepunkt, der deutschen Grenzstation Waidhaus (Bayern), im Laufe des Dienstags die über die Ukraine transportierten Gasmengen vollständig ausfielen, teilte das Unternehmen mit.

Insgesamt 63,5 Millionen Kubikmeter Gas, das durch eine Pipeline in die Ukraine und von dort weiter Richtung Europa fließt,  will Russland einbehalten – ein Sechstel des bisherigen Lieferumfangs. Genau so viel soll die Ukraine nach Angaben des russischen Monopolisten Gasprom seit Beginn des Streits illegal abgezweigt haben.

Nach der neuerlichen Kürzung könnte Gas in Europa wirklich knapp werden. Die EU-Länder decken im Schnitt ein Viertel ihres Verbrauchs mit Importen aus Russland, manche Länder wie Österreich sogar die Hälfte. 80 Prozent davon fließen durch ukrainische Pipelines.

Gasprom-Chef Alexej Miller versprach zwar umgehend, Lieferausfälle an die westliche Kundschaft durch andere Routen, wie die "Blue Stream"-Pipeline durch das Schwarze Meer, oder Leitungen durch Weißrussland auszugleichen. Deren Kapazitäten sind aber deutlich geringer.

Die ukrainische Regierung hatte bereits vor Tagen angekündigt, das Liefervolumen nicht mehr lange aufrechthalten zu können. Russland stelle nicht genug Gas für die Durchleitung zur Verfügung. Acht EU-Länder hatten bereits über Lieferausfälle geklagt. Deutschland blieb bisher verschont, allerdings gibt es erste Berichte über einen kurzfristigen Druckabfall beim Gas-Importeur E.ON Ruhrgas.

Russland wirft der Ukraine Gas-Diebstahl und Vertragsbruch vor und versucht, sich selbst als vertragstreu darzustellen. Mehr als 600 Millionen US-Dollar sei der ukrainische Gas-Versorger Naftogaz noch schuldig, sagte Gasprom-Chef Miller am Montag bei einem Gespräch mit Premier Putin in Moskau. "Und wenn sie weiterhin illegal Gas entnehmen, werden es bald Milliarden sein." Gasprom habe einen gültigen Transitvertrag mit Naftogaz geschlossen. Das ukrainische Staatsunternehmen weigere sich jedoch, den Vertrag zu erfüllen.