Der Gasstreit zwischen Kiew und Moskau hat am Dienstag zu erheblichen Lieferausfällen in Ost- und Mitteleuropa geführt. Bulgarien, Kroatien und die Türkei erhalten nach offiziellen Angaben seit der Nacht zu Dienstag kein Gas mehr.

Die Lieferungen seien gestoppt, sagte der türkische Energieminister Hilmi Güler vor Journalisten. In Deutschland sind wegen des am Neujahrstag eskalierten Streits bisher keine Lieferengpässe bekannt geworden.

Bulgariens Gasgesellschaft Bulgargas teilte mit, dass das Land kein Gas mehr erhalten habe. Das Wirtschaftsministerium forderte die Bewohner des Landes auf, weniger die mit Gas betriebenen Zentralheizungen zu benutzen. Die Verbraucher sollten vielmehr auf andere Heizmethoden ausweichen, die Industrie ihrerseits auf andere Kraftstoffe wie Öl zurückgreifen. Anders als beispielsweise die Türkei hat Bulgarien keinen Zugang zu anderen Gasleitungen und musste am Dienstag eigene Reserven anzapfen.

Auch Kroatien ist von russischen Gaslieferungen abgeschnitten. Seit Dienstagfrüh sei der Gashahn zugedreht, berichtete das kroatische Staatsfernsehen. Der heimische Gasversorger Ina rief die Verbraucher zum Sparen auf, da die Lage "ernst und ungewiss" sei. Kroatien verbraucht jährlich 3,2 Milliarden Kubikmeter Gas. Rund 60 Prozent davon werden aus eigenen Feldern gedeckt, 40 Prozent mit Lieferungen aus Russland.

Starker Versorgungseinbruch in Österreich

In Österreich brach am Dienstag die Versorgung mit russischem Gas fast komplett zusammen. Die Kunden würden nun mit Gas aus Reserven beliefert, teilte die Öl- und Gasgesellschaft OMW mit, die Versorgung sei sicher. Das Unternehmen habe wegen des Lieferausfalls Kontakt zu dem russischen Gasriesen Gasprom aufgenommen. Zwar hätten die Russen für Dienstag einen Versorgungsrückgang von 30 bis 40 Prozent angekündigt. Seit dem Morgen kämen aber nur noch zehn Prozent der üblichen Mengen in Österreich an.