Gaza-Krieg Zwischen Waffenruhe und neuer Offensive

Nach einer ersten dreistündigen Waffenpause schießen Israel und Hamas wieder. Dennoch: Beide Parteien verhandeln jeweils separat mit Ägypten über eine Waffenruhe

Drei Stunden Feuerpause: Ein israelischer Soldat an der Grenze zum Gaza-Streifen

Kurze Atempause im Gaza-Streifen: Nach fast zweiwöchigen Kämpfen haben am Mittwoch erstmals für drei Stunden die Waffen geschwiegen. Unter dem Eindruck zunehmender internationaler Kritik verkündete Israel eine mehrstündige tägliche Feuerpause, um die Versorgung der Zivilbevölkerung zu ermöglichen. Die islamistische Hamas schloss sich dem an und erklärte, sie werde in dieser Zeit keine Raketen auf Israel feuern. Zudem stieg die Hoffnung auf ein dauerhaftes Ende der Kämpfe. Israel und Vertreter der Hamas berieten jeweils separat mit Ägypten über eine Einstellung der Kämpfe.

Israels Ankündigung sieht vor, dass täglich zwischen 13.00 und 16.00 Uhr die Kämpfe im Gazastreifen eingestellt werden. Während dieser Zeit soll die Bevölkerung über einen sicheren Korridor versorgt werden. Tatsächlich flauten die Kämpfe in dem Küstengebiet gegen Mittag ab. Ein Reuters-Reporter an der Grenze zu Israel berichtete, die Lage sei so ruhig wie seit dem Beginn der Kämpfe zwölf Tage zuvor nicht mehr. Die Bevölkerung im Gazastreifen nutzte die Kampfpause, um sich mit Vorräten einzudecken und Verwandte zu besuchen. "Essen und Milch - auf mehr können wir in drei Stunden nicht hoffen", sagte der sechsfache Vater Ahmed Abu Kamel. "Wir wollen, dass das alles aufhört."

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Tausende stürmten vor allem in Apotheken, Gemischtwarenläden und Gemüsegeschäfte, um sich mit dem Nötigsten einzudecken. Dabei wurde allerdings auch der mittlerweile überall herrschende Mangel offenbar. So gab es kaum Milchprodukte, Milchpulver oder Medikamente. Hunderte Menschen fuhren zum Schifa-Krankenhaus, um dort Blut zu spenden. Andere besuchten verletzte Verwandte oder suchten nach Toten. Die Rettungskräfte nutzten die Zeit, um unter Trümmerbergen nach Opfern zu suchen und Tote und Verletzte zu bergen.

Neun Minuten nach Ablauf der Feuerpause griff die israelische Luftwaffe nach Augenzeugenberichten wieder Ziele im Gaza-Streifen an. Dabei kamen nach palästinensischen Angaben mindestens sieben Menschen ums Leben. Die radikalislamische Hamas feuerte mindestens drei Raketen auf Südisrael ab.

Ein Vertreter der UN-Hilfsorganisation UNRWA nannte die Feuerpause völlig unzureichend. Für die Zivilbevölkerung sei der Gazastreifen "die Hölle auf Erden" geworden, sagte John Ging dem Sender Sky Television. Er forderte eine dauerhafte Waffenruhe. Angesichts der dramatischen Versorgungslage der Bevölkerung hatte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak zuvor die Öffnung von Übergängen für Hilfslieferungen in den Gazastreifen angeordnet. Etwa 80 Lastwagen mit Hilfsgütern fuhren nach israelischen Angaben in das Palästinensergebiet. Darüber hinaus sollen 460.000 Liter dringend benötigter Treibstoff in den umkämpften Gaza-Streifen gebracht werden.

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