Menschen in der Krise Der Milchmann

Weil seine Molkerei schließt, verliert Wolfgang Zeugner seinen Job. Vorher wickelt er den Ausverkauf ab. Teil zwei der Serie "Menschen in der Krise"

Seit Mai wickelt Wolfgang Zeugner seinen eigenen Job ab. Kommissarisch leitet er das Nordmilch-Werk in Isernhagen und muss nun einen Käufer für den ehemaligen Molkereistandort finden. "In der aktuellen Situation ist das äußerst schwierig. Potenzielle Interessenten halten sich zurück, weil sie Probleme haben, Kredite zu bekommen", sagt der Betriebsrat.

Seit Monaten verwaltet er den Ausverkauf. Die riesigen Hallen des Werks nutzt Deutschlands größte Molkerei nur noch als Lager für Trockenmilchpulver. Die letzten Mitarbeiter führen Inventarlisten. Täglich schlägt sich Zeugner jetzt mit Behörden und mit Papierkram herum. "Verrückt, aber zu tun gibt´s jede Menge."

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Zeugners Arbeitsplatz fällt der Konzentrationswut in der Lebensmittelbranche zum Opfer. Ein Prozess, der schon seit Jahren schleichend voranschreitet. Durch die aktuelle Wirtschaftskrise hat er aber noch einmal an Fahrt gewonnen. Gab es 1960 noch 3000 Molkereien, waren es 2005 gerade noch 100. "Diese Entwicklung ist schlimm", sagt Zeugner, "am Ende stehen nur noch einige Konzerne und die bestimmen die Preise."

Sein Arbeitgeber begann 2007 mit der Rationalisierung. Im Mai verkündete der Vorstand die Schließung von Standorten, auch Isernhagen war betroffen. Zeugner glaubte bis zuletzt nicht ans Aus. "Milch braucht doch jeder Haushalt, eine Schließung fand ich damals völlig abwegig", sagt er, "es ist doch pervers, wenn eine Molkerei keine Frischmilch mehr produziert." Bis Mai 2008 arbeiteten noch mehr als 180 Mitarbeiter in den Hallen an der Milchstraße 10, produzierten frische Milch, Schlagsahne und Käse. Jetzt sind es nur noch sieben.

Der Niedergang begann Anfang des Jahres. Damals beschloss die Betriebsleitung einen sogenannten Produkttausch mit dem Konkurrenten Humana Milchunion, Deutschlands zweitgrößter Molkerei. Die Folge: Statt frischer Milch in Isernhagen stellt Nordmilch nun an einem anderen Standort Kondensmilch her. Humana seinerseits übernimmt die Produktion der Frischmilch. Doch die Idee, Einsparpotenziale zu erschließen, ging nicht auf. Während Humana mit der frischen Milch ordentlich verdiente, entpuppte sich die Umstellung auf Kondensmilch als Minusgeschäft. Das Aus für Zeugners Job.

Leser-Kommentare
  1. Allergie, Hautausschlag, Asthma, Neurodermitis, Diabetes, Rheuma, MS, Gicht...(BSE etc.) Als Alternative zur "Tiermilch" gibt es außer Sojamilch (Sojaproteine senken Blutfette und schützen vor Arteriosklerose.) auch noch Hafer- und Reismilch.

    Sobald die Produktivität der Milchkühe nachläßt, enden auch sie im Schlachthof. Eine Kuh, mit einer natürlichen Lebenserwartung von 14 Jahren, erlebt selten ihren 5.Geburtstag. Kühe produzieren Milch, um ihr Kalb zu ernähren, deswegen werden sie ab dem Alter von etwa 2 Jahren jedes Jahr künstlich befruchtet. Die Kälber werden nach der Geburt der Mutter entrisssen und in den Mastställen zur Schlachtreife gemästet. Oft schreien die Kühe tagelang nach ihren Kälbern. 20% der Kühe werden jedes Jahr aufgrund von Unfruchtbarkeit, Seuchen und niederer Produktionsleistung "ausgemerzt".

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    • T810
    • 26.02.2009 um 15:48 Uhr

    Bitte betrachten Sie doch die Tierproduktion auch mal aus dem Blickwinkel der Tierzucht. Oder wollen Sie ohne Selektion etwa das Auerrind bzw. den Urochsen mit einer tgl. Milchleistung von etwa 4,5l als Favoriten bezeichnen? Schlimmer als die Fremdstoffe in der Milch sind die Zwänge, welche gewollte oder ungewollten Bemischungen überhaupt ermöglichen. Freiwillig nuckelt doch weder Mensch noch Tier an Ftalaten, Bisphienen, Benzolen, Cadmium und PVC herum.
    Am Ende bestimmen doch wir Verbraucher, wo gekauft wird. Ich gebe für meinen Liter Bauernmich sehr gern 1,20 und lege auch ohne zu Zögern 10€ für`s Kilo Rind auf den Tisch. Solange aber Discountpreise das größere Kaufargument bei den Deutschen ist, braucht es eher ein Umdenken in allen Medien. Platziere ich Werbung für Lidl, Aldi, Penny, Plus & Co, oder berichte ich lieber redaktionell über die Zustände in der Nahrungsmittelindustrie?

    • T810
    • 26.02.2009 um 15:48 Uhr

    Bitte betrachten Sie doch die Tierproduktion auch mal aus dem Blickwinkel der Tierzucht. Oder wollen Sie ohne Selektion etwa das Auerrind bzw. den Urochsen mit einer tgl. Milchleistung von etwa 4,5l als Favoriten bezeichnen? Schlimmer als die Fremdstoffe in der Milch sind die Zwänge, welche gewollte oder ungewollten Bemischungen überhaupt ermöglichen. Freiwillig nuckelt doch weder Mensch noch Tier an Ftalaten, Bisphienen, Benzolen, Cadmium und PVC herum.
    Am Ende bestimmen doch wir Verbraucher, wo gekauft wird. Ich gebe für meinen Liter Bauernmich sehr gern 1,20 und lege auch ohne zu Zögern 10€ für`s Kilo Rind auf den Tisch. Solange aber Discountpreise das größere Kaufargument bei den Deutschen ist, braucht es eher ein Umdenken in allen Medien. Platziere ich Werbung für Lidl, Aldi, Penny, Plus & Co, oder berichte ich lieber redaktionell über die Zustände in der Nahrungsmittelindustrie?

  2. Mehrere Jahrzehnte habe ich als Dipl.-Ing. der Verfahrenstechnik für Molkereimaschinen-Lieferanten im In- und Ausland gearbeitet und diese speziellen Wirtschaftszweig auf der ganzen Welt kennengelernt. In der Zwischenzeit bin ich im Ruhestand und beobachte die fürchterlichen Entwicklungen in dieser Branche (z.B. während des vergangenen Sommerurlaubes auf dem Bauernhof GERDES bei Norddeich, wo der aktuelle Milchpreis von 30 Cent ein Überleben des Milchproduzenten unmöglich macht). Als Beratender Ingenieur entwickelte ich eine umwälzende Erfindung (die "Intelligente Pumpe"), für die ich den "Artur-Fischer-Erfinderpreis" bekam. Es gelang mir - mit der Unterstützung des Erfinderzentrums Norddeutschland EZN - einen weltweiten Lizenzvertrag mit einer namhaften Hamburger Pumpenfirma abzuschliessen. Dänische Geschäftspartner (ich habe mehrere Jahre in Kopenhagen/Dänemark bzw. in Gouda/Holland als Technical Manager gearbeitet) brachten mich in Kontakt mit einem sehr innovativen dänischen Bauern auf der Insel Fünen, der auf schonendem Wege (und dafür war meine "Intelligente Pumpe" bestens geeignet) eine ausgezeichnete Milch erzeugte, für die er einen 25% höheren Milchpreis erzielen konnte (vor 20 Jahren!). Ich war begeistert und wollte diese Ideen auch in Deutschland umsetzen. Doch dann kamen die "Haifische" in Form der größten europäischen Pumpenfirma (Sitz: Frankenthal/Ludwigshafen) und auch mein Lizenznehmer wendete sich gegen mich. Das war mein wirtschaftliches Ende und ich widmete mich von nun als Hobby-Historiker einem anderen unbeliebten "Haifischthema": dem Andenken des weltbekannten Judenretters OSKAR SCHINDLER (er hat in meiner Heimatstadt HILDESHEIM mit Freunden seine letzten Lebensjahre verbracht und ist hier am 9. Oktober 1974 verstorben).
    Ich kenne die HANSANO-Molkerei in Hannover-Isernhagen sehr gut und habe auch an der milchwirtschaftlichen Fachhochschule Hannover-Ahlem Vorträge aus meinem Spezialgebiet ""Eindampf- und Sprühtrocknungsanlagen" (mehrere Jahre war ich Experte für die Deutsche Milchwirtschaft VDM im Internationalen Milchwirtschaftsverband IMV - Sitz: Brüssel) gehalten. Das alles macht mich sehr traurig.

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

    Klaus Metzger

    • T810
    • 26.02.2009 um 15:48 Uhr

    Bitte betrachten Sie doch die Tierproduktion auch mal aus dem Blickwinkel der Tierzucht. Oder wollen Sie ohne Selektion etwa das Auerrind bzw. den Urochsen mit einer tgl. Milchleistung von etwa 4,5l als Favoriten bezeichnen? Schlimmer als die Fremdstoffe in der Milch sind die Zwänge, welche gewollte oder ungewollten Bemischungen überhaupt ermöglichen. Freiwillig nuckelt doch weder Mensch noch Tier an Ftalaten, Bisphienen, Benzolen, Cadmium und PVC herum.
    Am Ende bestimmen doch wir Verbraucher, wo gekauft wird. Ich gebe für meinen Liter Bauernmich sehr gern 1,20 und lege auch ohne zu Zögern 10€ für`s Kilo Rind auf den Tisch. Solange aber Discountpreise das größere Kaufargument bei den Deutschen ist, braucht es eher ein Umdenken in allen Medien. Platziere ich Werbung für Lidl, Aldi, Penny, Plus & Co, oder berichte ich lieber redaktionell über die Zustände in der Nahrungsmittelindustrie?

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