Infektionskrankheit Die Masern kommen zurück

Bis 2010 soll die ansteckende Erkrankung in Europa verschwunden sein, doch es wird zu wenig geimpft. Experten warnen, dass darunter auch Entwicklungsländer leiden werden

Zwei kleine Spritzen reichen aus. Eine Injektion im ersten und eine weitere im zweiten Lebensjahr verhindern, dass das Masernvirus Kindern gefährlich wird. Die Impfung ist seit 20 Jahren Routine. Dennoch sind viel zu wenige Kinder und auch Erwachsene in Europa gegen die Infektionskrankheit geschützt, warnen jetzt Mediziner im Magazin Lancet.

Die Zahl der registrierten Erkrankungen sank von 8223 im Jahr 2006 auf 3909 Fälle im Jahr 2007, in Deutschland sogar von 2307 auf 571. Doch im vergangenen Jahr stiegen die Fallzahlen wieder an. Die Ausrottung der hochansteckenden Krankheit bis 2010 sei damit ernsthaft in Gefahr, schreiben die Forscher um Mark Muscat vom staatlichen dänischen Impfinstitut. Dieses Ziel hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den europäischen Ländern gesetzt.

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Am häufigsten seien ungeimpfte oder nicht vollständig geimpfte Kinder erkrankt, berichten die Wissenschaftler. Die Gruppe wertete Daten aus 27 EU-Ländern sowie Kroatien, Island, Norwegen, der Schweiz und der Türkei aus. Diese Staaten meldeten in den Jahren 2006 und 2007 insgesamt 12.132 Masernfälle. 85 Prozent davon ereigneten sich in Rumänien, Deutschland, Großbritannien, Italien und der Schweiz.

Masern werden von einem Virus ausgelöst, das sich sehr leicht von Mensch zu Mensch überträgt. Oft reicht es, wenn der Erkrankte niest, hustet oder auch nur spricht, um jemanden anzustecken. Das Masernvirus verursacht Fieber und einen rötlichen Ausschlag am ganzen Körper. In schweren Fällen kann es zu Lungen- und Hirnhautentzündungen kommen, die sogar tödlich verlaufen können. Sieben Menschen starben der Studie zufolge zwischen 2006 und 2007 in Europa. Schwangere infizierte Frauen können zudem in manchen Fällen Fehl- oder Frühgeburten erleiden.

Eine ausreichende Impfung biete den besten Schutz, schreiben Muscat und sein Team. Länder mit hohen Impfraten melden wenige bis gar keine Neuerkrankungen. Die WHO empfiehlt daher seit Jahren eine zweimalige Impfung von mindestens 95 Prozent aller Kinder. In Deutschland lag die Quote bei zweijährigen Kindern zwischen 1996 und 2003 allerdings konstant bei nur etwa 70 Prozent. Sie habe sich seitdem zwar verbessert, sagt das Robert-Koch-Institut, doch ausrotten lassen sich die Masern mit der derzeitigen Impfrate aber noch längst nicht. In Finnland hingegen wurde der Studie zufolge bereits von 1995 bis 2003 eine Quote von konstant mehr als 95 Prozent erreicht.

Leser-Kommentare
    • Crest
    • 07.01.2009 um 17:24 Uhr

    Die Impfraten zu steigern wird - so befürchte ich - nicht (nur) mit Apellen zu bewerkstelligen sein. Wir haben es nicht (nur) mit Vergesslichkeit, Nachlässigkeit oder Gedankenlosigkeit zu tun.

    Die Impfverweigerung hat leider Methode und beruht auf Überzeugungen, die nicht mehr auf der Linie unseres heutigen Wissensstandes liegen. Es geht damit nicht (nur) um "Aufklärung" sondern um einen Kampf gegen Überzeugungen, die mit wissenschaftlichen Erkenntnissen nichts (gar nichts!) zu tun haben.

    In diesem Sinne ist das Bemühen um höhere Impfraten wie ein Schwimmen gegen den Strom, im doppelten Sinne.

    Herzlichst Crest

  1. die Erlaubnis, Impfungen durchzuführen und mit den Kassen abzurechnen.

    Was meinen Sie, wie schnell sich diese jahrtausendealte und sanfte Methode der Krankheitsverhütung dann durchsetzt.

  2. Menschen aus Masern- Endemiegebieten, wie es Deutschland leider ist, sollten in andere Staaten nur noch reisen dürfen, wenn sie nachweislich geimpft sind (oder alternativ durch Dokumentation des Antikörperstatus eine durchgemachte Erkrankung belegen).
    Das gäbe den Drittwelt-Ländern einen Schutz vor eingeschleppten Infektionen und würde den Leuten hierzulande vielleicht einmal den Ernst der Sache klarer machen.

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