Schriftstellerin Inger Christensen ist tot

Die dänische Dichterin war die bedeutendste Lyrikerin ihres Landes und galt als Kandidatin für den Literaturnobelpreis

Stets galt die dänische Dichterin Inger Christensen als Kandidatin für den Nobelpreis, doch die bedeutendste Literaturauszeichnung der Welt blieb ihr am Ende versagt. Im Alter von 73 Jahren starb sie, wie heute bekannt wurde, bereits am Freitag.

Ihre Poetik folgte einem Sprachsystem nach mathematischen oder musikalisch-kompositorischen Regeln. Christensens Werk wird von der Kritik überwiegend der experimentellen Literatur zugerechnet. Die Autorin konnte aber dennoch einen für Lyriker breiten Leserkreis für sich gewinnen.

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Berlingske Tidende schrieb einmal, die Dichterin habe von Zeitströmungen unabhängige Lyrik und Prosa mit enormer Leuchtkraft geschaffen. "Sie erinnert immer wieder an die Überwindung einer großen Trauer", hieß es. Man könne sagen, dass sie ihr literarisches Genre "revolutionär erneuert" habe –  wenn dieser Begriff nicht so schlecht zur scheuen und sich selbst fast verleugnenden Persönlichkeit der Dichterin passe. Christensen trat als Person öffentlich kaum in Erscheinung. Die ehemalige Lehrerin war 1959 bis 1976 mit dem ebenfalls über Dänemark hinaus bekannten Schriftsteller Poul Borum (1934-1996) verheiratet.

Über ihre literarischen Anfänge hat Inger Christensen mit Humor und Souveränität gesprochen. "Als Gymnasiastin habe ich einen unglaublichen Mist geschrieben", sagte sie. Internationales Ansehen errang sie mit einem relativ schmalen Werk.

Als Meisterwerk europäischer Poesie wurde Schmetterlingstal. Ein Requiem gerühmt: Es enthält einen klassischen Sonettenkranz mit 14 Sonetten und dem abschließenden Meistersonett. Christensens Requiem entfaltet in einem Spiel von kindlichen Verwandlungen in verschiedenen Schmetterlingsarten eine Symmetrie der Trauer. Wirklichkeit und Vorstellung lassen sich in ihren Werken kaum auseinanderhalten. Zur Jahrtausendwende erschien Der Geheimniszustand und Das Gedicht vom Tod, eine Sammlung von Essays und Lyrik.

Über sich selbst und den Antrieb zum Schreiben sagte Christensen einmal: "Ich bin eine ganz normale Sterbliche, mache Essen und treibe alles Mögliche. Nur manchmal, und es geschieht eigentlich selten, vergesse ich, was ich gewusst habe. Dann muss ich es noch einmal formulieren."

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