Film "Ein Mikrokosmos des Nahost-Konflikts"
Die Regisseurin Hilla Medalia hat die Mutter einer palästinensischen Selbstmordattentäterin und die Mutter des israelischen Opfers zu einem Gespräch zusammengebracht
Für ihren Film "To Die in Jerusalem" , bei der sie ein Gespräch zwischen Um Ayat, der Mutter einer palästinensischen Selbstmordattentäterin, und Avigail Levy, der Mutter des israelischen Opfers, dokumentierte, erhielt die israelische Filmemacherin Hilla Medalia drei Emmy-Nominierungen. In zahlreichen Ländern wurde der Film auch im Fernsehen ausgestrahlt, unter anderem in den USA und Israel. Die 31-jährige Regisseurin lebt in New York und Israel.
ZEIT ONLINE:
Am 29. März 2002 starben bei einem Anschlag in Jerusalem zwei junge Frauen: die palästinensische Selbstmordattentäterin und das Opfer, eine junge Israelin. Sie haben darüber den Dokumentarfilm
To Die in Jerusalem
gedreht.
Hillal Medalia:
Die Bilder dieser beiden jungen Mädchen haben mich sehr berührt. Dass eine 17- und eine 18-Jährige ihr Leben in diesem Konflikt verlieren mussten, hat mich tief getroffen.
ZEIT ONLINE:
Wann beschlossen Sie, ein Gespräch mit den Müttern der beiden Mädchen zu arrangieren?
Medalia:
Anfangs wollte ich mit beiden Frauen einzeln sprechen und an ihrem Beispiel einen Mikrokosmos des Nahost-Konflikts darstellen. Doch schon bei meinem ersten Treffen sagte Avigail Levy, die Mutter des israelischen Opfers Rachel, sie würde gerne mit der Mutter der Täterin, Um Ayat, sprechen.
ZEIT ONLINE:
War es schwierig, Zugang zu den beiden Frauen zu bekommen?
Medalia:
Nein, beide waren sehr offen bei unserer ersten Begegnung. Die Herausforderung kam später, als es darum ging, einen Film über sie zu drehen. Ich als Israelin musste vor allem bei der palästinensischen Familie Vertrauen aufbauen.
ZEIT ONLINE:
Ihre Versuche, beide Frauen an einen Tisch zu bringen, scheiterten jedoch.
Medalia:
Ich habe alles Mögliche versucht. Zuerst wollte ich, dass die palästinensische Familie nach Israel kommt. Doch als Angehörige einer Selbstmordattentäterin bekamen sie dort keine Einreiseerlaubnis. Avigail wiederum wollte nicht in das palästinensische Flüchtlingslager fahren, in dem die Familie lebt. Letztendlich fand das Gespräch der beiden per Bildtelefon statt. Ich würde aber nicht sagen, dass ich in meinem Versuch gescheitert bin, denn die Begegnung der beiden Mütter über Satellitentelefon bildet die Realität am besten ab. Denn es ist eben nicht einfach, dass sich Israelis und Palästinenser treffen, obwohl sie nicht weit voneinander entfernt leben. Ich selbst bin etwa 25 Kilometer von einem palästinensischen Flüchtlingslager aufgewachsen, aber habe nie eines betreten – bevor ich diesen Film gemacht habe.
- Datum 09.01.2009 - 10:07 Uhr
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