Literatur Johannes Mario Simmel gestorben

Der Schriftsteller starb im Alter von 84 Jahren in der Schweiz. Zu seinen wohl berühmtesten Romanen zählte "Es muss nicht immer Kaviar sein"

Der Anwalt Simmels teilte am Freitag mit, der Autor sei am 1. Januar in einer Seniorenresidenz in der Nähe der Schweizer Stadt Zug verstorben. Die rund 35 Romane und Erzählungen des Österreichers,  der stets engagiert Themen der Zeit verarbeitet hat, erschienen weltweit in 33 Sprachen in einer Auflage von 73 Millionen. Zahlreiche seiner Werke wurden verfilmt. Simmel zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern.

Simmel wurde am 7. April 1924 in Wien als Sohn eines Chemikers und einer Filmverlags-Lektorin geboren. Die Eltern stammten aus Hamburg. Simmel verbrachte seine Kindheit in Österreich und England. In der österreichischen Hauptstadt machte er Abitur und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Chemieingenieur. Als Heilmittelchemiker arbeitete er ab 1943 in einem kriegswichtigen Betrieb.

Nach dem Krieg arbeitete er zunächst als Dolmetscher für die US- Militärregierung in Österreich und schrieb nebenher seinen ersten Roman Mich wundert, daß ich so fröhlich bin, der 1949 erschien und Zeitungs- wie Filmleute auf ihn aufmerksam machte. Das Debüt basiert auf eine wahre Begebenheit aus dem Zweiten Weltkrieg und begründete Simmels Ruf als Autor dokumentarisch untermauerter Romane.

Nahezu zeitgleich wurde er Österreichs jüngster Kulturredakteur und wenig später Drehbuchautor beim Film. Ein Jahr später zog er nach Deutschland, wo er für die Zeitschrift Quick als Reporter durch die ganze Welt reiste.

Seinen Durchbruch als Romanautor feierte Simmel mit dem Agentenroman Es muss nicht immer Kaviar sein, der zunächst als Fortsetzung in einer Illustrierten erschien und später ebenso verfilmt wurde wie Lieb Vaterland, magst ruhig sein (1965) (1965), Und Jimmy ging zum Regenbogen (1970), Der Stoff, aus dem die Träume sind (1971), und Liebe ist nur ein Wort (1971).

Simmel widmete sich stets aktuellen und brisanten Themen. Nachkriegsdeutschland oder die Berliner Mauer thematisierte er ebenso wie Alkoholmissbrauch, Drogen, Gen-Manipulation, Rechtsradikalismus und Organspende. Dabei recherchierte er die Geschichten bis ins Detail und reicherte sie oft mit einer Portion Erotik an. Dabei wollte er seine Leser aufklären. "Schönschreiberei" führte seiner Meinung nach zu nichts.

Die literarische Anerkennung seines Werkes blieb ihm versagt. "Bestenfalls als gehobene Trivialliteratur" stuften die meisten Kritiker seine Romane ein. Immerhin zollte ihm Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki einiges Lob: "Simmel hat wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor einen fabelhaften Blick für Themen, Probleme, Motive".

Wie beliebt und aktuell Simmels Themen noch heute sind, zeigten ZDF-Neuverfilmungen im vergangenen Jahr. "Gott schützt die Liebenden" mit Iris Berben und Peter Simonischek sahen im Dezember immerhin 5,22 Millionen Zuschauer. Noch mehr Menschen (5,5 Millionen) verfolgten im September die Neuverfilmung von "Und Jimmy ging zum Regenbogen".

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Leser-Kommentare
  1. Er war ein Meister des Trivialen. Auf www.emorial.de kann man eine Kerze für ihn anzünden.

    • hagego
    • 03.01.2009 um 12:51 Uhr

    @ baerchen2

    Vielleicht stimmt Ihr Eingangssatz ("Er war ein Meister des Trivialen") - im Sinne von "platt" und "abgedroschen", wie der Duden es eindeutscht, hat Simmel allerdings ganz und gar nicht geschrieben. Wenn das so einfach wäre, könnten wir alle schreiben. Aber wer kann wirklich schreiben? In vielen Fällen nicht einmal die, deren Namen auf den Buchumschlägen zu lesen sind. Aber mit dem Schreiben ist es nicht getan. Simmel hat viel, sehr viel, Recherche für seine Romane betrieben. Und er hat ein "Näschen" für Themen gehabt, die in jenen Jahren "gesellschaftsrelevant" waren.

    Persönlich bin ich gar kein Simmel-Leser. Seine stotternden Selbstauskünfte coram publico haben mich aber immer sehr beeindruckt.

    Simmel muss neu entdeckt und sollte neu verfilmt werden
    Aber schätzen wir nicht die gering, vor denen uns manche Kritiker "warnen". Diese Kritiker können u. U. gut oder sogar sehr gut schreiben, aber erst dann, wenn ein Autor ihnen den Stoff zum "Abarbeiten" geliefert hat.

    Einige Simmel-Bücher sind m. E. auch nicht adäquat verfilmt worden. Hätte man Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre die interessantesten Simmel-Bücher à la "Nouvelle Vague" (u. a. Godard, Chabrol, Truffault) verfilmt, sie hätten weit mehr Beachtung gefunden!

  2. Sie haben absolut recht. Da kann ich nur zustimmen. Der Eingangssatz war wohl zu provokant - und auch nicht so gemeint.

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