Britische Jugend Vorhut der uneinsichtigen MassenSeite 2/2

Im akademischen Milieu in Großbritannien wie auch in anderen Demokratien Europas dominiert das, was der britische Historiker Robert Conqest in dem Buch The Dragons of Expectations - Reality and Delusion in the Course of History ( Realität und Selbsttäuschung im Laufe der Geschichte ) als "utopische Geisteshaltung" bezeichnet. Sie ist zumal unter Studenten der Geisteswissenschaften häufig anzutreffen: Die Realität hat der Theorie, die man sich zu eigen macht, zu folgen. Diese Haltung kann leicht in gefährliche Untiefen hineinführen oder gar in fanatischen, mörderischen Bewegungen enden. Die Nachkriegsgeschichte Europas liefert genug Beispiele dafür, etwa die RAF oder die Roten Brigaden Italiens, die aus der Achtundsechziger-Studentenrevolte hervorgingen.

Zu viel Akademiker für zu wenig Jobs

Zurzeit explodieren überall in Europa die Studentenzahlen. Es ist das erklärte Ziel der Bildungspolitik, eine stetig steigende Zahl von Schulabgängern auf die Universitäten zu schicken. In Großbritannien wie in Deutschland studieren mittlerweile um die 42 Prozent der Schulabgänger. Die Frage, ob dieser Trend zu einer Qualitätsminderung des Studiums geführt hat, kann hier nicht aufgeworfen werden. Tatsache ist, dass die Studierenden damit rechnen, aufgrund ihres Universitätsabschlusses interessantere und besser bezahlte Jobs zu erhalten. Doch diese Jobs gibt es in der erhofften Anzahl einfach nicht.

Viele junge Leute mit Studienabschluss enden in Tätigkeiten, für die sie nicht hätten studieren müssen. Die Folge: In Europa wächst ein akademisches Proletariat heran, das tief enttäuscht und frustriert ist und für griffige Erklärungen ihrer unbefriedigenden gesellschaftlichen Stellung anfällig sein wird. Schon bei den Jugend- und Studentenprotesten in Griechenland spielten diese Faktoren hinein.

Jugendlichen Aufruhr hat es immer gegeben. Bei den Protestbewegungen, die Schlagzeilen mach(t)en und Anlass zu tiefschürfenden Betrachtungen gaben oder geben, handelt es sich fast immer um die einer Minderheit, allerdings einer besonders artikulationsfähigen oder lautstarken Minderheit. Die Aufmerksamkeit der Medien ist ihnen gewiss.

Global vernetztes Satelliten-TV und Internet sorgen dafür, dass politische und soziale Unruhen heute wie Grippeviren auf andere Länder überspringen, wie vor Weihnachten das Übergreifen der Jugend-Rebellion von Griechenland auf Schweden und Frankreich gezeigt hat. Die Demokratien Europas sollten darauf vorbereitet sein.

 
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