Jugend in Deutschland

Generation Krise

Die deutsche Jugend ist politischer als ihr Ruf: Rechte wie linke Gruppen erleben Zuspruch. Selbst eine Rebellion ist nicht ausgeschlossen.

Rechtsextremisten-Demonstration in Frankfurt

Rechtsextremisten-Demonstration in Frankfurt

Arme deutsche Jugend! Sie genießt einen fürchterlichen Ruf. Das vergangene Jahrzehnt habe eine charakterlose Kohorte " trauriger Streber " hervorgebracht, lästerte erst kürzlich ZEIT- Feuilletonchef Jens Jessen.

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Auch die Leser von ZEIT ONLINE hadern mit dem deutschen Nachwuchs. Verglichen mit den jungen Italienern , die zu Hunderttausenden gegen die Berlusconi-Regierung demonstrierten, verglichen auch mit den jungen Griechen oder Franzosen , die den Konflikt mit dem politischen Establishment suchen, verhalte sich die deutsche Jugend viel zu lasch, schrieb kürzlich " soziales Gewissen “, stellvertretend für viele.

Feuilletonist wie Leser stützen sich auf empirische Fakten. Seit einigen Jahren zeigen die Generationsstudien, dass die heutige Jugend überaus leistungsbereit und geradezu unjugendlich pragmatisch ist. Aufgewachsen mit steigenden Arbeitslosenzahlen und düsteren Reformdebatten, bekamen die nach 1980 geborenen Jahrgänge früh ein globales Problembewusstsein eingetrichtert.

Tatsächlich nagt die Angst an der heutigen Jugend. Fast 70 Prozent der Unter-30-Jährigen fürchten sich vor Arbeitslosigkeit, so die neuste Shell-Jugendstudie von 2006. Ein Wert, der sich besorgniserregend gesteigert hat. 2002 waren es "bloß" 55 Prozent, die sich vor einem sozialen Abstieg oder dem Steckenbleiben im Prekariat fürchteten.

Auch ein Blick in die populären Zeitschriften dieser Generation zeigt, dass die Krise allgegenwärtig ist. Neon fragt in ihrer Titelgeschichte: "Wie sicher ist dein Job?" Im zynisch-nüchternen Ton wird der Leser gewarnt, dass es bald "auch dich" treffen könne, dass die Krise "alle zu Arbeitslosen auf Bewährung" mache. Ähnlich verzweifelt wird in der aktuellen Ausgabe von ZEIT Campus gefragt: "Was bin ich wert?" Und: "Wenn nicht Leistung zählt, was dann?"

Ein Rekordwert an Leistungsbereitschaft trifft auf ein offenbar kollektives Gefühl der Chancenlosigkeit. Der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer hält eine neue Jugendrebellion nicht für unwahrscheinlich, im Gegenteil: Ihn wundere, "dass es so lange ruhig geblieben" sei. Nichts steigere die Wut so sehr wie das anhaltende Gefühl der Ohnmacht und das Gefühl, ohnehin nichts zu verlieren zu haben.

Erleben wir demnächst also einen neuen großen Jugendaufstand, vielleicht schon 2009? Geht die Generation Krise auf die Straße, um für bessere Chancen und mehr Unterstützung zu kämpfen?

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Leser-Kommentare

  1. ... von Strebern, die mit gesenkten Köpfen alles schlucken was man von ihnen verlangt meldet sich hier zu Wort. Die meisten Leute halten alles, was nicht ihrer politischen Ansicht entspricht entweder für konformistisch, oder extreme Negativentwicklung. Beispiel sind zum einen Jugendliche, die sich nicht an der herbeigewünschten Revolution beteiligen, zum anderen Rechts- oder Linksextreme, die auch wieder nicht erwünscht sind.Bei den Extremisten ist das ja noch zu erwarten - und auch erwünschenswert! - aber es gibt auch Leute wie mich, leistungsbereite, meist auch leistungsfähige, junge Studenten, flexibel, mobil, gut zu Fuß in mehreren Sprachen, durchaus im Bewusstsein der Gefahr lebend, dass trotz allem ein Superjob nicht sicher ist (wenn alle diese Merkmale erfüllen schafft das nicht mehr hochbezahlte Managepositionen!) Was früher Alleinstellungsmerkmal war ist heute die Vorraussetzung überhaupt zum Gespräch gebeten zu werden.Und viele dieser Gruppe sind durchaus politisch, informiert, diskutieren mit, wählen, engagieren sich in ihrer knapp bemessenen Freizeit oft für Dinge, die zumindest indirekt politischen Charakter haben: Austausch, Völkerverständigung, Friedensbewegung, Anti-HIV-Kampagnen, Umweltbewegung etc. bis hin zu klar politischen Gruppen wie Parteien. Das ist nicht die große Revolution auf der Straße, der Kampf mit der Polizei, demolieren von Autos und Geschäften, nein, das ist ruhige, aber effektive Einflussnahme auf das politische Alltagsgeschäft. 24 Jugendgemeinderäte in meiner Heimatstadt (mittlerweile bin ich im Studium) haben unendlich viel mehr bewirkt, als 1000 Randalierer in Berlin. Ein paar Medienberichte - was bleibt mehr von Randale? Und was bleibt von Einflussnahme auf Gemeinderatsbeschlüsse: Jugendräume, Internetcafes für Jugendliche die zuhause keinen Zugang haben (das kostet Geld), Preisvergaben für soziales und politisches Engagement jugendlicher, Ausstellungen mit jugendlichen Künstlern. Alles keine Revolution - aber Revolution heißt immer auch, ein bestehendes System zu zerstören. Wir wollen es verbessern, schließlich ging es uns noch nie so gut wie heute und es gibt kein Modell, von dem wir sagen können es sei die Quadratur des Kreises.
  2. Habe ich richtig verstanden, dass es nach meiner des Autors supertoll ist, wenn Rechtsextreme randalieren oder wenn 1000 durchgeknallte Berliner Schüler eine Ausstellung zur Reichsprogromnacht zerstören. Rechtsextreme und Linksextreme ziehen eh schon gemeinsam durch die Straßen, wenn es gegen Israel geht. Sozialisten skandieren in den Niederlanden "Hamas, Joden in het gas" In Passau tritt die NPD mit Palästinenserfahnen und Arafatfeudel auf. Die aus Bundesmitteln finanzierte Q-Rage freut sich über rechtsextreme und linksextreme Jugendliche, die das Palituch tragen..und erklärt es dann für "unpolitisch". Ist das die tolle Jugend von heute?Marsch auf Rom? Selbst Mussolini wird also gelobt.Am besten gehört der ganze Artikel nach "klick-nach-rechts"
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    Wohl noch nie was von Gregor Gysi, "prozionistischen Linken" oder auch "Nationale Sozialisten für Israel" gehört...? An der Israel-Frage lässt sich schon lange nichts mehr festmachen.
  3. Ich habe zunächst mal diesen Artikel als eine Beschreibung verstanden, wozu frustrierte Jugendliche in ihren Ohnmachtsgefühlen neigen. Du kannst es doch der Beschreibung nicht anlasten, wenn dir das Beschriebene nicht gefällt!
  4. Die Schülerdemonstration in Berlin war der Gipfel der Dummheit. Randalierende Schwachköpfe, die wahrscheinlich nicht einmal wussten was die Reichspogromnacht überhaupt war, von der sie die Ausstellung zerstört haben. Ähnliche Intelligenzbolzen haben in Griechenland wohl ihre Unibibliothek verbrannt. Ein Glück, dass die meisten deutschen Studenten "charakterlose Streber" sind. Wenn, dann können wir nur mit solchen die Zukunft bewältigen, nicht mit vandalierenden Antifas auf Hauptschulniveau, die mit linken Thesen, die sie nicht verstehen, ihre Lust auf Randale und Unlust zu arbeiten ideologisch untermauern.
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    Dass die Ausstellung zur Reichskristallnacht zerstört wurde, ist natürlich inakzeptabel, deswegen aber gleich die ganze Demonstration (nicht nur in Berlin) als Dummheit zu bezeichnen und allen Teilnehmer zu unterstellen, dass sie "randalierende Schwachköpfe" seien, finde ich nicht gerechtfertigt. (Wenn ich Sie falsch verstanden habe, korrigieren Sie mich bitte.)Auch wenn die Demonstration eindeutig linksgerichten Charakter hatte, wurde sie vor allem als eine Möglichkeit verstanden, Kritik an der Schulpolitik öffentlich zu äußern - größtenteils unabhängig von politischen Ideologien. Doch ist es gerade diese Demo, die das Interesse an der Politik bei Jugendlichen wieder stärkt - und mit "charakterlosen Strebern", die lieber den Kopf senken, als zu sagen, was sie denken, kann auch kein politischer Fortschritt erziehlt werden.
    Ich möchte an dieser Stelle kurz zusammenfassen, was "Herr Fufighter" gerne für eine Jugend hätte: Er möchte gerne charakterlose Streber, die lustvoll arbeiten und unkritisch mit bestehenden Verhältnissen umgehen.Dies, verehrter "Herr Fufighter", knüpft nahtlos an eine Mentalität an, die wir seit etwa 60 Jahren zu bekämpfen versuchen. Merkwürdigerweise bedauern Sie jedoch die "Verwüstung im Vorbeigehen" einer Ausstellung gegen das Vergessen. - Was denn nun?
  5. Wohl noch nie was von Gregor Gysi, "prozionistischen Linken" oder auch "Nationale Sozialisten für Israel" gehört...? An der Israel-Frage lässt sich schon lange nichts mehr festmachen.
    • 10.01.2009 um 18:15 Uhr
    • mahun
    Ich bin selbst 22 also durchaus noch der "Jugend" zuzurechnen. Ich kann nur sagen es gibt heutzutage nicht mehr "die Jugend". Die ist so individualistisch wie keine andere demographische Gruppe. Hedonisten leben friedlich neben Anarchos, können auch befreundet sein ohne sich ständig zu streiten. Dies ist wohl die einzige pauschale Aussage über meine Generation die zutrifft, sie ist wirklich tolerant. Auch gegenüber Dingen die einem persönlich mißfallen (tolerant gegenüber etwas zu sein was einem zusagt ist ja weder schwer noch wirkliche Toleranz). Allein darum glaube ich an keine "Revolte", die ja Gewalt beinhaltet bzw. das Aufzwingen der eigenen Sichtweise mit Gewalt statt mit Worten und einer demokratischen Mehrheit im Rücken. Evolution statt Revulotion ist das Motto. Und daher wird meine Generation dieses Land mit Sicherheit auch stark verändern. Dieser Pragmatismus beinhaltet nämlich auch dass die eigene Meinung nicht mehr nur auf der Straße in Form von Protest kundgetan wird und man ansonsten politisch passiv bleibt weil man ja eh nicht glaubt was ändern zu können bzw. das ganze System eh ablehnt sondern weil man sich eben auch in der Politik engagiert. Ein Grund warum die 68er im Endeffekt so wenig verändert haben ist ja deren Gefühl etwas "getan" zu haben indem sie ihre Meinung kundgetan haben, und sich anders Verhalten haben als deren Eltern es von ihnen erwartet haben. Das ist aber noch kein echter Wandel, ersetzte höchstens eine Vorstellung von Normalität durch eine andere (wenn auch offenere).Man könnte auch sagen, die Enkel der Nachkriegsgeneration sind die erste deutsche Generation von erwachsenen Demokraten. Und wie auch schon immer hagelt es kritik an uns von allen Seiten der Älteren. So weit so normal...
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    PS   mahun
    Ich will meinen Kommentar nicht durch meine mehr oder minder zahlreichen Tippfehler entwertet wissen, ich schreibe hier schließlich keinen persönlichen Brief mit Griffel auf Büttenpapier an die Bundeskanzlerin sondern einen Text im Netz mit 250 Anschlägen. Da es aber dennoch Leute gibt die sich dann gerne an Rechtschreibfehlern abarbeiten: you're very welcome!
    Da würde ich Ihnen als 55 jähriger gern voll zustimmen. Ja, richtig wäre es. Leider braucht Evolution Zeit, viel Zeit. Ehe Ihre Evolution Wirkung zeigen kann, vergehen noch mindesten 30 Jahre. Diese Zeit haben Sie aber nicht.Sie müssen sich zumindest dafür einsetzen, dass sich die Evolution beschelunigt. Bis Sie von einer Welt profitieren können, die Sie geringfügig mit gestalten (Wenn Sie überhaupt jemals die Möglichkeit haben etwas zu bewirken), hat das Leben Sie bereits aussortiert.Ähnliche KOmmentare habe ich jetzt bereits mehrfach gelesen. Hinter dem Begriff Toleranz wird versteckt, dass man keinen Bock hat sich mut einem Thema intensiver auseinander zu setzen. Es gab immer ein Auf un Ab des Interesses der Jugend am Aufbegehren. Als Älteres ist man schon leicht desillusioniert. Man glaubt nicht mehr daran, noch wirklich etwas bewegen zu können.Wenn Sie in der Jugend jedoch gar nicht erst beginnen aufzubegehren, wird diese Jugend auch in neuen Machtstrukturen einfach übersehen. Wirkliche Demokraten sind nicht nur die Enkel wie Sie schreiben. Ähnliches -der Marsch durch die Instanzen- gab es immer. Die Hippies waren sicher toleranter als die heutige Jugend, das glaube ich beurteilen zu können.Mit Ihrem Marsch durch die Institutionen müssen Sie mit ca. 18 beginnen. Sie sind schon 24. Ihr Zug ist praktisch schon abgefahren. Na gut, mir sind Fälle bekannt, dass sich Personen gute Listenplätze einfach gekauft haben. Aber so kraz dürften das Ausnahmefälle sein.Durch danebenstehen kann diese Jugend, selbst wenn sie die liebste der Welt ist, nichts erreichen. Die Geschichte wird sie übergehen.
  6. Zornige junge Männer, die, was die Aussichten auf ein erfolgreiches späteres (Berufs)leben angeht , weniger als nichts zu verlieren haben, sind ein durchaus nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential für JEDE Gesellschaft. Verarmung und Chancenlosigkeit, also das Gefühl ohne Hoffnung auf einen wie auch immer gearteten Aufstieg auf dem gesellschaftlichen Abstellgleis zu stehen, stellen den geeigneten Nährboden für zukünftige Rebellionen. Meiner Meinung nach sind die Jugendaufstände von Paris und Athen nur erste Anzeichen einer ungleich gewaltigeren Eruption, die mir bei Betrachtung der gesellschaftspolitischen Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte unausweichlich zu sein scheint.
    • 10.01.2009 um 18:22 Uhr
    • mahun
    8. PS
    Ich will meinen Kommentar nicht durch meine mehr oder minder zahlreichen Tippfehler entwertet wissen, ich schreibe hier schließlich keinen persönlichen Brief mit Griffel auf Büttenpapier an die Bundeskanzlerin sondern einen Text im Netz mit 250 Anschlägen. Da es aber dennoch Leute gibt die sich dann gerne an Rechtschreibfehlern abarbeiten: you're very welcome!
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  • Von Michael Schlieben
  • Datum 8.4.2009 - 13:07 Uhr
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  • Quelle ZEIT ONLINE
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