Der deutsche Künstler Reinhard Kleist hat mit der Comic-Biografie Cash – I see a Darkness im letzten Jahr großes Aufsehen erregt. Er gewann damit den Preis für das Beste deutschsprachige Album auf einer der wichtigsten Veranstaltungen Deutschlands, dem Internationalen Erlanger Comic Salon.

Zu diesem Zeitpunkt, im März 2008, hatte er sich bereits auf eine ganz andere Reise begeben. Nach Kuba – das Land, in dem an jeder Ecke noch die Ideen der Revolution zu spüren sein sollen. Zumindest wünscht sich das die politische Führung. Aber Kleist ist kein Journalist, Kleist ist Zeichner.

Ihn trieb die Suche nach dem Mythos Kuba und nach dem alltäglichen Leben in den Straßen des real existierenden Sozialismus. Ihn interessierten die Schicksale, Gedanken und Geschichten der Menschen, die er dort treffen sollte. Er lebte vier Wochen in Havanna, besuchte Trinidad und das Vinales-Tal und beschrieb in seinem Blog die berauschenden Eindrücke seiner Reise. Und er zeichnete sie.

Sein Reisetagebuch in Bildern ist nun erschienen. Havanna. Eine kubanische Reise zeigt eine verlorene Welt: die Hinterhöfe Havannas, die dunklen Viertel, ein faszinierendes Großstadt-Universum. Voll mit selbstgebauten Stromleitungen, schreienden Fußballern und Häusern wie gestrandete Schiffe. Wo der Revolutionssingsang noch dröhnt. Das begeisterte selbst die Menschen in der Welt des Kapitalismus. So hat sich das Wall Street Journal Europe von Kleist das Titelbild seiner Wochenendbeilage gestalten lassen: der Künstler in Havanna, vor dem Capitolio.

Als eine illustrierende Geschichte, die die kubanische Lebenswelt aufzeigen soll, hat Kleist für Havanna den Alltag zweier alter Damen gewählt: Katia und Maria. Die eine, Maria, half Anfang der sechziger Jahre bei der Alphabetisierung der Kubaner. Die andere, Katia, klagt über die wirtschaftliche Not und Armut. Maria preist die Errungenschaften der Revolution. Und Kleist schildert das Schicksal von Miriam, die politisch verfolgt wurde, weil sie zu viele Kontakte zu Ausländern pflegte. Er zeigt auch die enttäuschten, jungen Kubaner, die nichts mit der Revolution zu tun haben wollen und von der Regierung in ihrem Elan gebremst werden. Computer oder Handys können sie freilich nicht benutzen.