Comic Unser Mann in HavannaSeite 2/2

Mit spontanen Bleistiftstrichen, schnellen Tuschezeichnungen und Aquarellen würdigt Kleist das tägliche Überleben der Menschen in der zerfallenen Millionenstadt. Und besonders ihre Lebensfreude. Seine Illustrationen vom hektischen Treiben Havannas, von einsturzgefährdeten Häusern und alten Straßenkreuzern unterbricht der Zeichner mit ausdrucksstarken Porträts kubanischer Originale. Mittendrin ein ausklappbares Panoramabild des Malecón, des weltberühmten Uferweges von Havanna-Stadt, in prächtigen, warmen Farben. Das berühmte Licht Havannas. "Der Name Kuba hatte für mich schon immer einen verheißungsvollen Klang. Nach Abenteuer. Fernweh. Glücksspiel. Untergang", sagt Kleist.

"Beim Durchstreifen der Straßen fällt der Blick unweigerlich immer wieder in die Eingänge der Stadthäuser. Hier sortiert im Hintergrund ein alter Mann gesammelte Getränkedosen, wahrscheinlich, um sie an Alteisenhändler zu verkaufen", schreibt er in seinem Tagebuch. Ausdrucksstarke Bilder sind Kleists Stärke. In episodenhaften Skizzen nähert er sich auf den 100 Seiten des Buches einer Stadt, die wegen ihrer Klischees und dem Duft nach Revolution im Ausland berühmt geworden ist. Cuba Libre und Buena Vista Social Club sei Dank.

Der Leser merkt dem Comic die zwiegespaltene Haltung zur kubanischen Realität an – Kleist ist fasziniert von der herzlichen Menschlichkeit und der Lebensfreude der Einwohner Havannas. Andererseits will er seinen Lesern auch nicht die dunklen Seiten vorenthalten: kubanischer Polizeistaat, Armut und Verfall an jeder maroden Häuserecke. Schnell skizzierte Sozialismuskritik.

Auch vor Fidel Castro macht er keinen Halt. Kleist tritt in eine Art fiktiven Dialog mit dem kommunistischen Führer. Eine Auseinandersetzung mit den Ideen der Revolution und der amerikanischen Embargopolitik. Und der Máximo Líder redet von den Häuserwänden auf den herumstreunenden Zeichner ein: "Im Kommunismus muss nicht gestohlen werden", "Vielleicht ist die Geschichte, die du gehört hast, erfunden", "Seid ihr gerecht? Was maßt du dir ein Urteil an?" oder "Hast du Antworten auf deine Fragen gefunden?" Vielleicht ist Kleist doch ein politischer Zeichner.

Noch bis zum 18. Januar sind seine Werke in Hamburg zu sehen:
Reinhard Kleist: Havanna. Skizzen, Illustrationen, Comic-Seiten aus dem Buch "Havanna. Eine kubanische Reise" in der Hamburger Galerie LINDA, Hein-Hoyer-Straße 13, St. Pauli, Hamburg

Das Buch: "Reinhard Kleist: Havanna. Eine kubanische Reise", Carlsen-Verlag, 100 Seiten, 19,90 Euro

 
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