Madoff-Betrug Börsenaufsicht in der Kritik
Medien berichten, dass die Behörde trotz häufiger Prüfungen nichts von Madoffs krummen Geschäften bemerkte. Jetzt berät der Finanzausschuss des Abgeordnetenhauses

© DON EMMERT/AFP/Getty Images
Unter Hausarrest: Bernard L. Madoff
Im größten Betrugsfall der Finanzgeschichte kommen an der New Yorker Wall Street immer neue Pannen der US-Aufsicht ans Licht. Die Behörden hätten die Geschäfte des Brokers Bernard Madoff allein in den vergangenen 16 Jahren mindestens acht Mal unter die Lupe genommen, berichtet das Wall Street Journal am Montag. Dennoch flog das wohl 50 Milliarden Dollar schwere "Schneeballsystem" mit vielen Geschädigten nicht auf.
Inzwischen beschäftigen die Versäumnisse etwa der Börsenaufsicht SEC auch die Politik. Der Finanzausschuss des Abgeordnetenhauses wird sich am Montag in einer Anhörung mit dem Betrugsfall beschäftigen.
Der scheidende SEC-Chef Christopher Cox hatte bereits Fehler seiner Behörde eingeräumt und eine interne Untersuchung angeordnet. Ehemalige Wettbewerber Madoffs und Insider hatten die Kontrolleure Berichten zufolge jahrelang mit Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten versorgt.
Auch bei zahlreichen große Wall-Street-Banken blinkten laut Medienberichten bereits frühzeitig die Warnlampen. Madoffs Rendite-Versprechen seien etwa den Investmentbanken Goldman Sachs und Merrill Lynch schon lange verdächtig vorgekommen, schreibt die Financial Times. Die Häuser machten demnach zwar für sich und ihre Kunden keine Geschäfte mit Madoff, sie hätten die Behörden aber nicht über ihre Bedenken informiert.
Angesichts der Finanzkrise stehen derzeit die SEC und andere Aufseher generell in der Kritik. Sie sollen nicht ausreichend vor den Risiken an den Märkten gewarnt haben. Der künftige US-Präsident Barack Obama will das umstrittene System verschiedener Finanzmarkt-Kontrolleure straffen.
Der 70-Jährige Madoff hatte seinen Opfern jahrzehntelang beständig hohe Gewinne versprochen, die er in Wirklichkeit gar nicht erzielt haben soll. An die Investoren schüttete er stattdessen Geld aus, das er von immer neuen Anlegern bekam - ein sogenanntes "Schneeballsystem". Der einst angesehene New Yorker Geschäftsmann steht derzeit unter Hausarrest in seinem Luxus-Appartement in Manhattan.
- Datum 05.01.2009 - 16:27 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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