Merckle Der Freitod des PatriarchenSeite 2/2
Doch der schon beinahe legendäre Ruf war zuletzt schwer angeschlagen. Mitte November war bekannt geworden, dass Merckle beim Spekulieren mit VW-Aktien einen, wie es hieß, „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ verloren hatte. In manchen Bericht war gar von einem Verlust von bis zu einer Milliarde Euro die Rede.
Das teure Missgeschick war wohl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und Merckles Holding VEM, über die der Patriarch einen Teil seiner Unternehmen steuerte, in eine akute Liquiditätskrise stürzte. Denn die weltweite Finanzkrise hatte den Unternehmer, der unter anderem Milliardenkredite für die Übernahme des britischen Baustoffherstellers Hanson durch HeidelbergCement mit Aktien besichert hatte, voll erwischt. Wochenlang verhandelte Merckle mit einem Konsortium von mehr als 30 Banken, die dem klammen Unternehmer die Daumenschrauben angelegt hatten.
Zu Weihnachten wurde endlich ein Stillhalteabkommen verlängert, das Merckle eine Atempause verschaffen sollte. „Merckle vor der Rettung“ titelte eine Zeitung. Die „Rettung“ wäre allerdings mit empfindlichen Einschnitten in sein Familienimperium verbunden gewesen. Offenbar sollte Merckle nach dem Willen der Banken die Mehrheit an HeidelbergCement abgeben. Auch der Verkauf von Ratiopharm stand immer wieder zur Debatte.
Das Ulmer Unternehmen verband Adolf Merckle jedoch mit seinen Wurzeln, der von seinem Vater in Blaubeuren gegründeten pharmazeutischen Fabrik Merckle GmbH. Adolf Merckle gründete Ratiopharm 1974 nach US-amerikanischem Muster und rollte mit seinen vergleichsweise billigen Nachahmerpräparaten den deutschen Arzneimittelmarkt auf. Ratiopharm gilt als Merckles unternehmerisches Meisterstück, das er offenbar um jeden Preis behalten wollte.
Doch nicht nur Merckles Firmenimperium war in seinen Grundfesten erschüttert. Auch der Familienfrieden im Hause Merckle war zuletzt schwer gestört. So erteilte Phillipp Daniel Merckle, der zweitälteste Sohn des Milliardärs, dem Senior via Südwest-Presse öffentlich eine Abrechnung. Merckle junior, der im Frühjahr von seinem Vater als Ratiopharm-Chef abgesetzt worden war, warf diesem vor, das Firmengeflecht habe sich „von den ursprünglichen Werten, die ich in der Familientradition sehe“, entfernt. „Meine Geschäftsprinzipien sind andere.“
Diese Schmach und die vielen zuweilen hämischen Medien-Kommentare über den „entzauberten“ Patriarchen waren wohl zu viel für Merckle, der die Öffentlichkeit stets ebenso gescheut hatte wie die Einmischung von Banken oder Gewerkschaften. Auf den Sanierungsprozess für die Unternehmensgruppe, so verlautete am Abend aus der Familienholding, solle der Freitod des Unternehmers „keine Auswirkungen“ haben.
- Datum 06.01.2009 - 21:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wenn die Gewinne, die aus der Arbeit von 100.000 Mitarbeitern gezogen wurden, verzockt werden, ist das für mich ein sehr merkwürdiges Verständnis von Verantwortung.
Und wenn dieser Unternehmer sich seiner weiteren Verantwortung durch Selbstmord entzieht, ist das für mich keine Unternehmerpersönlichkeit, sondern einfach ein Feigling, der sich den Unternehmenserfolg zwar auf seine Fahnen schreibt, aber mit dem Verlust nichts zu tun haben will.
Von der Art des Selbstmord ganz zu schweigen, selbst dabei gefährdet er noch andere Menschen.
Es unterscheidet ihn nichts von den Investmentbankern, die zwar die Provisionen für Ihre Geschäfte eingestrichen haben, aber für die Bewältigung der von Ihnen verursachten Krise nach Staat und Steuerzahler rufen.
So ein Selbstmord ist für den Lokführer ein Trauma, das auch sein Leben belastet.
Wer sich so umbringt muss eine verantwortungslose, egoistische Persönlichkeit besitzen oder im Augenblick völlig unzurechnungsfähig gewesen sein.
Für solche Fälle gäbe es doch sicher auch was von Ratiopharm.
So ein Selbstmord ist für den Lokführer ein Trauma, das auch sein Leben belastet.
Wer sich so umbringt muss eine verantwortungslose, egoistische Persönlichkeit besitzen oder im Augenblick völlig unzurechnungsfähig gewesen sein.
Für solche Fälle gäbe es doch sicher auch was von Ratiopharm.
Den die ZEIT mit diesem Artikel an den Tag legt. Offensichtlich sehen die Neoliberalen hierdrin die Chance, beim Leser Mitleid zu wecken - was sie meines Erachtens nach gründlich vergeigt haben.
Er hat gezockt, und sich unverantwortlich benommen, er hat das Leben seiner Mitarbeiter durch seine unverantwortlichen Handlungen aufs Spiel gesetzt. So ein ehrloses Verhalten wird dann noch provokant in einer eigentlich relativ hoch angesehenen Zeitung sogar noch als "Freitod" proklamiert. [...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)
Dies ist nicht der Moment für Kritik an der Person von Merckle.
Vielmehr sollten Medien und die Öffentlichkeit hinterfragen ob das reflexartige Einprügeln auf "Manager", "Heuschrecken" und Co. als Sündenböcke der Nation noch berechtigte Kritik war. Aber Kritik austeilen war schon immer einfacher als Selbstkritik.
Seiner Familie gilt mein Beileid.
Den kann ich in dem Bericht wahrlich nicht erkennen; dies ist durchaus kein trauernder Nachruf voller Ehrbezeigungen und der Begriff "Freitod" bedeutet letztlich nicht mehr, als daß jemand sein Leben freiwillig beendet hat - nicht verstorben ist, nicht ermordet wurde.
Welchen Begriff würden Sie denn vorziehen?
Sprachlich stilistisch ist der Artikel sicher nicht unbedingt modellhaft. Das erwarte ich allerdings auch nicht unbedingt in einem Online-Auftritt, wo - nicht zuletzt unter dem Druck der Leser - immer schneller die neuesten Nachrichten präsentiert werden müssen.
Dies ist nicht der Moment für Kritik an der Person von Merckle.
Vielmehr sollten Medien und die Öffentlichkeit hinterfragen ob das reflexartige Einprügeln auf "Manager", "Heuschrecken" und Co. als Sündenböcke der Nation noch berechtigte Kritik war. Aber Kritik austeilen war schon immer einfacher als Selbstkritik.
Seiner Familie gilt mein Beileid.
Den kann ich in dem Bericht wahrlich nicht erkennen; dies ist durchaus kein trauernder Nachruf voller Ehrbezeigungen und der Begriff "Freitod" bedeutet letztlich nicht mehr, als daß jemand sein Leben freiwillig beendet hat - nicht verstorben ist, nicht ermordet wurde.
Welchen Begriff würden Sie denn vorziehen?
Sprachlich stilistisch ist der Artikel sicher nicht unbedingt modellhaft. Das erwarte ich allerdings auch nicht unbedingt in einem Online-Auftritt, wo - nicht zuletzt unter dem Druck der Leser - immer schneller die neuesten Nachrichten präsentiert werden müssen.
Dies ist nicht der Moment für Kritik an der Person von Merckle.
Vielmehr sollten Medien und die Öffentlichkeit hinterfragen ob das reflexartige Einprügeln auf "Manager", "Heuschrecken" und Co. als Sündenböcke der Nation noch berechtigte Kritik war. Aber Kritik austeilen war schon immer einfacher als Selbstkritik.
Seiner Familie gilt mein Beileid.
war nicht der richtige Moment, denn solang tonnenweise Geld verdient wird, darf man ja nicht kritisieren. In der Krise ist nicht der richtige Moment, denn jetzt muss erst einmal mit tonnenweise Steuergeld alles wieder gerichtet werden. Nach der Krise ist nicht der richtige Moment, denn es wird ja wieder tonnenweise Geld verdient (wie vorher, natürlich nur die da Oben).
Wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt für Kritik?
Es war ja nun wahrlich nicht nur der werte Herr Merckle. Obwohl er sich auf einer besonders ekelhaften Casino-Ecke die Finger verbrannt hatte.
Ja stimmt genau.
Wenn ich nur daran denke wieviel Kritik die Heuschrecken und die Manager + unzählige andere an anderen über Jahre einfach so frei rauslassen durften, oft und gerne auch im Chor. Noch dazu ohne Wiederspruch... es haben ja beinahe alle mitgemacht. Nur die Betroffenen, die Arbeiter und Angestellten und die Renter und die Arbeitslosen und die Arbeitenden Armen und und und... die waren leider oft zu leise...
Kritker wurden mundtot gemacht falls es überhaupt mal zu Zitaten kam...
Kritik ? Wieso denn Kritik wo doch gerade alles so schon läuft mit den Profiten und Exporten und den Renditen und den Entlassungen...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
war nicht der richtige Moment, denn solang tonnenweise Geld verdient wird, darf man ja nicht kritisieren. In der Krise ist nicht der richtige Moment, denn jetzt muss erst einmal mit tonnenweise Steuergeld alles wieder gerichtet werden. Nach der Krise ist nicht der richtige Moment, denn es wird ja wieder tonnenweise Geld verdient (wie vorher, natürlich nur die da Oben).
Wann ist denn nun der richtige Zeitpunkt für Kritik?
Es war ja nun wahrlich nicht nur der werte Herr Merckle. Obwohl er sich auf einer besonders ekelhaften Casino-Ecke die Finger verbrannt hatte.
Ja stimmt genau.
Wenn ich nur daran denke wieviel Kritik die Heuschrecken und die Manager + unzählige andere an anderen über Jahre einfach so frei rauslassen durften, oft und gerne auch im Chor. Noch dazu ohne Wiederspruch... es haben ja beinahe alle mitgemacht. Nur die Betroffenen, die Arbeiter und Angestellten und die Renter und die Arbeitslosen und die Arbeitenden Armen und und und... die waren leider oft zu leise...
Kritker wurden mundtot gemacht falls es überhaupt mal zu Zitaten kam...
Kritik ? Wieso denn Kritik wo doch gerade alles so schon läuft mit den Profiten und Exporten und den Renditen und den Entlassungen...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Was ist in ihren Augen gerecht? Das im Moment eine Vermögensumverteilung vom Staat aus nach oben stattfindet? Indem wir unsere Volksvertreter praktisch unser Steuergeld ausgeben lassen, bloß um die "Konjunktur" retten zu wollen - die in den letzten Jahren im Übrigen nur den Unternehmen genützt haben? Wieso erhöht sich der Gini-Koeffizient, wenn es den Personen doch so gut geht? Wieso steigt in den letzten Jahren die Zahl derer, die auf Sozialhilfe angewiesen sind an?
Mich macht es ehrlich gesagt sauer: Ich bin sauer darüber, dass im Endeffekt unsere gewählten Staatsmänner das Geld für Banken und Unternehmen rauswerfen wollen, aber in die Bildung wurde JAHRELANG nichts investiert. Ich bin sauer darüber, dass UNSERE Steuergelder für die Unfähigkeit der Unternehmer - Herren wie Merckle - ausgegeben werden soll. Aber - wirklich die gröbste Unverschämtheit ist bei der Sache, dass DIESE Herren in den meisten Fällen nicht einmal zur Rechenschaft gezogen werden, sondern sogar noch mit Abfindungen belohnt werden - für ihre eigene Unfähigkeit.
Und dann schreibt die ZEIT ausgerechnet so einen Artikel und wählt den absolut unverschämten Begriff Freitod - was ich als das absolut Verachtenste finde seit man den ominösen Artikel der "Gelben Gefahr" reingestellt hat. Denn wenn man sich die Definition von Freitod anschaut, dann stellt das eine ganz andere Dimension dar - das ist es hauptsächlich, was ich kritisiere.
Ich wünche niermanden die Verzweiflung, die einem dazu bringt der Angst vor dem Lleben einen höhere Priorität einzuräumen als die Angst vor so einem schrecklichen, gruseligen Tod. Denn man kann sich sicher auch angenehmer entleiben, als sich ausgerechnet vor einem Zug zu werfen.
Im Übrigen, das "Zocken" als Solches ist ihm nun nicht wirklich nicht anzukreiden. Jeder, der wirtschaftliche, bzw. unternehmerische Entscheidungen zu fällen hat, spekuliert bzw. "zockt" mehr oder weniger auf die Erfüllung seiner Prognose in einer für ihn vorteilhaften Zukunft. Was ihm anzukreiden ist, ist, dass er bei seinen Finanz(Aktien-)geschäften zu viel in die Waagschale geworfen, dass er so, tatsächlich, unverantwortlich hoch gepokert hatte.
Wie einsam muss ein Mensch sein, wenn er einen solchen Weg wählt? Was ist schon der Verlust von ein paar hundert Millionen Euro, was heißt schon Lebenswerk? Hatte er niemand Vertrautes, mit dem er reden konnte? Was ist das für ein Reichtum, der so einsam macht?
"Was heisst schon Lebenswerk" zeugt wahrlich von mangelndem Verständnis.
"Was heisst schon Lebenswerk" zeugt wahrlich von mangelndem Verständnis.
war vor ort als feuerwehrmann und durfte ihn mit einsammeln. üble sache. wieso tun menschen sowas und ziehen die anderen noch mit da rein?
geld ist nicht alles.
So ein Selbstmord ist für den Lokführer ein Trauma, das auch sein Leben belastet.
Wer sich so umbringt muss eine verantwortungslose, egoistische Persönlichkeit besitzen oder im Augenblick völlig unzurechnungsfähig gewesen sein.
Für solche Fälle gäbe es doch sicher auch was von Ratiopharm.
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