Die finanzielle Notlage ließ ihn verzweifeln: Der schwäbische Milliardär Adolf Merckle hat sich selbst getötet. Der 74-Jährige sei bereits am Montagabend zwischen 17.30 und 19 Uhr in der Nähe seines Wohnorts Blaubeuren bei Ulm von einem Zug erfasst und getötet worden, teilte die Staatsanwaltschaft Ulm am Dienstag mit und bestätigte damit einen Bericht der Bild-Zeitung. Ein Mitarbeiter der Bahn habe den Leichnam am Montagabend im Gleisbereich in der Nähe von Blaubeuren entdeckt. Der Unternehmer sei am Nachmittag aus dem Haus gegangen und nicht zurückgekehrt. Daher hätten ihn seine Angehörigen als vermisst gemeldet.

Mit einer Eine DNA-Analyse wollen Ermittler bis Ende dieser Woche die Identität des Toten klären. Doch Merckles Familie bestätigte am Dienstag selbst, dass er seinem Leben ein Ende setzte. In den Tod trieb ihn demnach finanzielle Not: "Die durch die Finanzkrise verursachte wirtschaftliche Notlage seiner Firmen und die damit verbundenen Unsicherheiten der letzten Wochen sowie die Ohnmacht, nicht mehr handeln zu können, haben den leidenschaftlichen Familienunternehmer gebrochen, und er hat sein Leben beendet", hieß es in einer Erklärung der Angehörigen. Adolf Merckle habe stets für seine Familie und seine Firmen gelebt und gearbeitet.

Der Vater von vier Kindern hinterließ einen Abschiedsbrief. Die Ermittler hatten schon kurz nach dem Vorfall Fremdverschulden ausgeschlossen.

Laut Wirtschaftsmagazin "Forbes" war der öffentlichkeitsscheue Unternehmer mit einem zuletzt auf 9,2 Milliarden Dollar geschätztem Vermögen der fünftreichste Deutsche. Zu dem Firmenimperium Merckles mit etwa 100.000 Mitarbeitern gehörten ratiopharm, der Pharmahändler Phoenix, HeidelbergCement und der Pistenraupen-Hersteller Kässbohrer. Das Unternehmensgeflecht war wegen mehrerer Firmenübernahmen und auch durch Fehlspekulationen am Aktienmarkt zuletzt in große Finanznot geraten. Merckle soll auf einen Kursverfall der Volkswagen-Aktie gesetzt haben, die Ende 2008 jedoch unerwartete Wertzuwächse verzeichnete. Das Gerücht, dies habe ihm eine Milliarde Euro Verlust beschert, wurde nie dementiert. Zudem waren einige von Merckles Firmen hoch verschuldet. Da die Aktien im Zuge der Finanzkrise drastisch an Wert verloren, verlangten die Banken mehr Sicherheiten für ihre Kredite.

Wie Medien berichteten, benötigen Merckles Unternehmen allein kurzfristige Darlehen von bis zu einer Milliarde Euro. Seine gesamten Verbindlichkeiten sollen sich auf mehr als fünf Milliarden Euro belaufen. Banken hatten ihm zum Jahresende 2008 seine Kredite über mehrere Monate hinweg gestundet. Merckle verhandelte über ein Überbrückungsdarlehen von etwa 400 Millionen Euro. Mittelfristig ist der Finanzbedarf jedoch höher - daher stehen in den nächsten Monaten weitere Verhandlungen über eine umfassende Umschuldung der Gruppe an. Das Resultat der Gespräche wollte er nicht mehr erleben.