Millionengeschäft DuMont vor Kauf der Berliner Zeitung
Verrufen als „Heuschrecke“, versuchte sich der britische Finanzinvestor Montgomery mit dem Berliner Verlag als Medienmacher zu profilieren. Nun steht sein letztes Millionengeschäft auf dem deutschen Markt bevor.
Die deutschen Zeitungen des britischen Finanzinvestors David Montgomery stehen kurz vor dem Verkauf. Mehrere Branchendienste berichteten in den letzten Tagen, der Kölner Verlag DuMont Schauberg werde Berliner Zeitung, Berliner Kurier und Hamburger Morgenpost von Montgomerys Mecom-Gruppe übernehmen. Nach Informationen von kress von Ende Dezember war zunächst auch die Essener WAZ-Gruppe mit unter den Bietern. Sahen Beobachter diesen Bericht noch gezielte Indiskretion, um den Preis in die Höhe zu treiben, scheint der Verkauf nun konkret zu werden.
Werben und Verkaufen berichtete, DuMont Schauberg werde für die BV Deutsche Zeitungsholding 160 bis 170 Millionen Euro zahlen, zu der auch die ausschließlich online erscheinende Netzeitung gehört. Der Deal könnte laut mehrerer Berichte noch in dieser Woche besiegelt werden. Sollte der Preis zutreffen, würde sich Montgomery mit einem nicht geringen Verlust vom deutschen Markt zurückziehen. Die heute profitable Berliner Zeitung hatte er 2005 vom Stuttgarter Holtzbrinck-Verlag, zu dem auch ZEIT ONLINE gehört, für geschätzte 180 Millionen Euro erworben. Die Netzeitung kam erst später hinzu. Die zeitgleich zum Erwerb des Online-Portals übernommenen Unternehmen Netdoktor und das IT-Fachportal Golem.de verkaufte Montgomery wenig später weiter.
Nun bleibt ihm offenbar nur, sich möglichst schnell von den Tageszeitungen zu trennen. Die Mecom-Gruppe hat Schulden in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft. Banken hatten dem Konzern bis Ende Februar Zeit gegeben, seine Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro deutlich zu senken. Die Gespräche banden Montgomerys Aufmerksamkeit fast vollständig. Für die Entwicklung seiner Titel blieb zuletzt kaum Zeit. Zugleich fiel der Aktienkurs des britischen Unternehmens in den vergangenen Monaten fast bis auf ein Pence. Montgomery ist nicht nur in Deutschland unter Druck: Auch ein Rückzug aus dem polnischen und dem norwegischen Zeitungsmarkt bahnt sich an. An der polnischen Wirtschaftszeitung Rzeczpospolita zeigt die Axel Springer AG Interesse.
Das Portfolio von DuMont wäre mit dem Kauf der Zeitungen ansprechend ausgeweitet: Dem Kölner Verlag gehören bereits Titel wie die Frankfurter Rundschau und der Kölner Stadtanzeiger. Laut kress ist in der Chefetage an eine weit reichende Kooperation zwischen den großen Regionalzeitungen in Berlin und Frankfurt gedacht. Dies liegt auch deshalb nahe, weil der Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Uwe Vorkötter, bereits der Redaktion der Berliner Zeitung vorstand. Im Zuge des Kaufs durch die britische Mecom begann Vorkötter damals bei seiner Zeitung mit ersten Kostensenkungen, bevor er zur FR wechselte. Nun könnte der Redaktionsmanager, der die Frankfurter Zeitung in den letzten Jahren durch wirtschaftlich schwierige Zeiten führte, er auch an altem Platz wieder an Einfluss gewinnen.
Die Trennung Montgomerys von seinen deutschen Titeln hatte sich lange angebahnt. Dem als „Heuschrecke“ verrufenen Briten, der Zeitungen stets nur als Geschäftsmodelle sah, gelang es nicht, eine geschlossene Regionalzeitungskette aufzubauen. Auch seine ambitionierten Pläne, Print und Online zu vernetzen, scheiterten einerseits an seinen vom britischen Markt her geprägten Vorstellungen. Die Web-Auftritte seiner Titel schleppen dem Markt weit hinterher. Zudem verspielten Montgomery und seine deutschen Statthalter stets durch überzogene Renditeziele und massive Sparvorgaben Motivation und Einsatzwillen seiner Mitarbeiterschaft, die wiederholt vor dem Berliner Verlagshaus gegen Kostendruck und Personalabbau demonstrierte.
Mit den Berliner Verlagsmitarbeitern würde sich DuMont en hoch motiviertes Team sichern. Nach Jahren der Sparwirtschaft, in denen die Zeitung auch bekannte Autoren verlor, sei jede Eigentümerwechsel eine Verbesserung, heißt es in der Redaktion.
- Datum 21.01.2009 - 16:55 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, 07.01.2009
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möchte man meinen. Auf dass die Krise mehr davon produziert. Auf die Entwicklung bei der BZ bin ich gespannt.
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