Integration Obama von der Maas
Der moslemische Doppelstaatsbürger Ahmed Aboutaleb ist neuer Bürgermeister von Rotterdam. Ein politischer Dammbruch in Europa, der uns weiterbringen könnte
Im Schatten der großen Veränderung in Amerika wurde der kleine Durchbruch in Europa fast übersehen: Zwei Wochen vor der Inauguration Barack Obamas (47) als Präsident der Vereinigen Staaten wurde in Rotterdam zu Beginn der Woche der marokkanisch-niederländische Doppelstaatler Ahmed Aboutaleb (47) in sein neues Amt als Oberbürgermeister der größten europäischen Hafenstadt eingeführt. Der erste moslemische Immigrant an der Spitze einer Metropole im christlichen Abendland: Das ist zwar, gemessen an den US-Dimensionen, nur ein kleiner Schritt. Aber für die Bürger hinter dem Deich ist es ein Satz nach vorn – und ein Signal für die übrigen EU-Länder.
Ein moslemisches Stadtoberhaupt mit „Migrationshintergrund“ in Hamburg oder Kopenhagen, Marseille oder Wien, Barcelona oder Göteborg? Kühne Vorstellung. Für manche der Albtraum schlechthin, in den meisten Fällen aber kein Thema. Aber das ist ohnehin nicht das eigentlich Interessante an der Botschaft aus Rotterdam.
Wichtig ist, apropos „Yes, we can“ , dass der Versuch der Grenzüberschreitung zumindest in Europas experimentierfreudigstem Land geklappt hat. Frei nach einem Spruch der 68er: „Integration ist machbar, Herr Nachbar.“ Und kann auch noch ein bisschen weiter gehen. Über den Sozialdemokraten Aboutaleb sagen sie im Nachbarland: Mit 47 OB in Rotterdam, das müsse nicht die letzte Station sein. Warum sollte der Mann nicht Ministerpräsident werden?
Zielbewusst, ehrgeizig und entscheidungsfreudig genug sei er allemal. Manche sagen auch: „Er ist autoritär.“ Gepaart mit Augenmaß hilft das in der Politik durchaus weiter. In zehn Jahren wäre er, mit 57, zumindest nach deutschen oder französischen Standards, als Ministerpräsident immer noch jung. Wenn man sich die Runde auf den EU-Chefkonferenzen („Gipfel“) so ansieht, wäre der Niederländer aus Marokko ohne Zweifel eine Bereicherung. Den Holländern, die bei Wahlen schon die tollsten wie die langweiligsten Ergebnisse produziert haben, kann man das schon zutrauen.
Neuerdings, auf Grund der gesteigerten nationalen und internationalen Aufmerksamkeit für seine Person, hat der Marokkaner ein bisschen Einblick in den sozialkulturellen Rahmen seiner Kindheit gewährt. Ein Fernsehteam filmte sein Dorf, Beni Sidel im marokkanischen Rif-Gebirge. Jetzt weiß man, das Haus, in dem der neue Rotterdamer Bürgermeister am 29. August 1961 zur Welt kam, 25 Tage nach der Geburt Barack Obamas in Honolulu, ist immer noch ohne Stromanschluss und ohne Wasserleitung, höhere Schulbildung kein Thema. Moderne Gesundheitsversorgung kennt man allenfalls vom Hörensagen. Staatliche Sozialleistungen sind unbekannt. Das tägliche Leben – ein Kampf gegen Mangel und Armut. Wer anders und besser leben will, muss weg. Wie Ahmed Aboutaleb.
Beni Sidel hat er im Alter von 15 Jahren gemeinsam mit der Familie Richtung Niederlande verlassen. Und wenn er hier nun, nachdem er sich hoch gearbeitet hat, über Sozialstaatsprobleme diskutiert oder den Einheimischen beim Wehklagen über ihre Lebensumstände zuhört, erinnert er sich an die Verhältnisse daheim. Der Vergleich führt dazu, dass ihm für die Beschwerden der europäischen Wohlstandsbürger oft das Verständnis fehlt.
Gegenüber den Holländern, die im politischen Alltag ihre Errungenschaften verteidigen wollen, ist das nicht immer fair. Es macht einen als Politiker auch nicht beliebt. Aber es hilft, das weit verbreitete Anspruchsdenken unserer Wohlstandsgesellschaften zu relativieren. Weniger Versorgung, mehr Selbstverantwortung ist seine Devise. Das ist auch in der holländischen Sozialdemokratie keine Selbstverständlichkeit.
- Datum 13.05.2009 - 10:04 Uhr
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Leider hat der Autor vergessen zu erwähnen, dass Bürgermeister in den Niederlanden nicht gewählt, sondern von der Königin ernannt werden. So sollte es zumindest sein. In Wahrheit werden diese Posten aber seit vielen Jahren von den Parteioberen verteilt.
Obama dagegen ist gewählt worden !
Netter Artikel, aber leider immer dasselbe Problem: erhobener Zeigefinger, und Gleichsetzung von Äpfeln und Birnen, mit moralisierendem Unterton.
Was wirft H. Perger durcheinander?
Barack Obama:
ist nicht Einwanderer, sondern geborener Amerikaner mit ausländischem - kenianischem Vater. Seine Erziehung erfolgte durch die amerikanische Mutter, amerikanische Grossmutter und indonesischen Stiefvater in USA (Hawai) und Indonesien. Er bekennt sich zur christlichen Religion der amerikanischen Mehrheit
Ahmed Aboutalab:
ist Einwanderer(-kind) mit doppelter Staatsbürgerschaft. Seine Erziehung erfolgte zum größeren Teil in Marokko, dem Land seiner Eltern. Er bekennt sich zur muslimischen Religion der eingewanderten Minderheit
Warum setzt Herr Perger zwei so unterschiedliche Situationen gleich?
Es geht ihm um die "Grenzüberschreitung", Journalismus lebt schliesslich von der Sensation.
"Grenzüberschreitungen" waren natürlich auch z.B.:
- die Wahl Wowereits und von Beusts zu Bürgermeistern/Regierungschefs (sexuelle Minderheit)
- die Wahl Angela Merkels zur Kanzlerin (weiblich, "Ossi"-Minderheit)
- die Wahl Willy Brandts zum Kanzler (unehelich, Emigrant - damals eine Sensation)
- die Wahl H. Weichmanns zum Hamburger Bürgermeister 1965 (jüdische Minderheit).
Aber jedesmal nutzte sich die Sensation der "Grenzüberschreitung schnell ab.
Obama ist einfach ein Amerikaner mit etwas anderem Aussehen als die (noch) Mehrheit. Er bringt auch keine "andere" Kultur mit, sondern nur zusätzliche kulturelle Einflüsse zu seiner amerikanischen Herkunft. Ein Einwanderer, z.B. Schwarzenegger, kann in den USA laut Verfassung gar nicht Präsident werden.
Obamas Wahl ist überhaupt nur eine "Grenzüberschreitung", wenn man einen weit verbreiteten - unterschwelligen - Rassismus in den USA annimmt. Dieser hat nicht nur mit Aussehen und Herkunft, sondern vor allem mit dem Erbe der Sklaverei zu tun. Die damaligen Sklaven waren aber alles andere als freiwillige Einwanderer, und ihre Nachkommen sind fester, allerdings benachteiligter Bestandteil der amerikanischen Gesellschaft. Die "Sensation" besteht darin, dass die amerikanische Wählerschaft "farbenblinder" ist, als erwartet.
Dagegen ist Aboutalab ein anscheinend "gut integrierter" Eingewanderter (Immigrant), der an seiner ausländischen Herkunft festhält. Wenn es da Fragen gibt, haben sie nicht in erster Linie mit dem Aussehen zu tun, sondern mit Bekenntnis, Kultur, unterschiedlichen Sitten und Gebräuchen, Loyalität. In den USA könnte er z.B. auf keinen Fall Präsident werden - erst recht nicht nach 2001.
Was treibt Herrn Perger außer dem Reiz der "Grenzüberschreitung" dazu, die beiden in einen Topf zu werfen? Es ist abgesehen von der Frage des Aufstiegs von "Randgruppen" vielleicht eine weit verbreitete Verwirrung der Begriffe:
Das schreckliche Wort vom "Migrationshintergrund", und das Missverständnis von interkulturellen Spannungen als "Rassismus".
Über den eigentlichen Rassismus brauchen wir gar nicht zu diskutieren: er ist einfach abscheulich. Über die Bezeichnung aller möglichen kulturellen Animositäten als "Rassismus" muss sehr wohl diskutiert werden.
Der sogenannte "Migrationshintergrund" ist ein möglichst "wissenschaftlich" klingender Sammelbegriff für alles mögliche "Fremde", das man sich schämt, so zu nennen. Komischerweise wird selten nach dem "Migrationshintergrund" von z.B. Popstars, Journalisten, erfolgreichen Unternehmenschefs gefragt. Wer spricht z.B. vom "Migrationshintergrund" von Persönlichkeiten wie J. Fischer (Eltern aus Ungarn), H. Däubler-Gmelin (Eltern aus Jugoslawien), von J. Ackermann (Schweizer) oder Ernst Reuter (Dänemark). Sie werden einfach nicht als "fremd" wahrgenommen, und das ist auch gut so!
Dagegen wird anscheinend ein marokkanischer oder türkischer Musulmane als "fremd" angesehen, mit dem man alles mögliche machen oder nicht machen kann - wie z.B. ihn auffordern, "sich zu integrieren". Dafür hat man das Konzept des "Migrationshintergrundes" bereit.
Wenn jetzt jemand bestimmte "Leute mit Migrationshintergrund" ablehnt, so wirft ihm der freundliche Menschenfreund gerne "Rassismus" vor. Andererseits behauptet der "Progressive" gerne, es gebe schon z.B. 25% Einwohner mit "Migrationshintergrund", stellt sich dabei Türken und Araber vor - aber z.B. nicht Russlanddeutsche, oder Kinder aus deutsch-niederländischen Ehen - und fordert mit grossem Pathos Akzeptanz.
Tatsächlich ist die Frage, wer sich welchen Gepflogenheiten anpasst, wer welche Sitten und Gebräuche akzeptiert oder ablehnt, eine langwierige Angelegenheit: dazu gehören Akzeptieren, Ablehnen, Interpretieren, Verstehen, Aushandeln, Diskutieren, Streiten (ja, auch!), Erziehen, sich Angewöhnen und sich Durchsetzen. In diesen Prozess sind wir durch die massenhafte Einwanderung seit den 60er Jahren geraten, und das Ergebnis ist noch völlig offen.
Moralisierende Appelle nützen da sehr, sehr wenig.
Meine persönliche Meinung ist: "Integration" ist dann erfolgreich, wenn sie bis zur familiären Ebene vorgedrungen ist, und interkulturelle Heiraten nichts besonderes mehr sind. Bis dahin ist noch ein weiter Weg für alle Beteiligten.
Im übrigen kann ich mir demnächst durchaus Cem Özdemir als Bürgermeister z.B. von Stuttgart vorstellen, oder Tarek al-Wazir als Bürgermeister von Frankfurt - und natürlich würden in einem solchen Falle die Journalisten nach kurzer Zeit sagen: "Das ist doch nichts besonderes!"
Ach ja, interkulturelle Sensation:
wir habendoch einen sorbischen Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillich - und keiner hats gemerkt! :-)))
(Und die Slowaken hatten eine zeitlang den "deutschen" Rudolf Schuster als Präsident ...)
Was hätten unsere Grosseltern in den 30er Jahren dazu gesagt ...
Vielen Dank für Ihre brillante Mühe!
Ergänzend zu Ihrem ausgezeichneten Kommentar möchte ich anmerken, daß der Umstand, daß europäische Binnenmigration kaum noch wahrgenommen wird, darauf hindeuten dürfte, daß die vielbeschworene "europäische Identität" schon weiter gediehen ist, als von Europaskeptikern angenommen.
So wie man einen Einwanderer aus dem Nachbardorf nicht als "Migrant" bezeichnet, so eben auch keinen Franzosen oder Schwaben.
Ach ja, interkulturelle Sensation:
wir habendoch einen sorbischen Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillich - und keiner hats gemerkt! :-)))
(Und die Slowaken hatten eine zeitlang den "deutschen" Rudolf Schuster als Präsident ...)
Was hätten unsere Grosseltern in den 30er Jahren dazu gesagt ...
Vielen Dank für Ihre brillante Mühe!
Ergänzend zu Ihrem ausgezeichneten Kommentar möchte ich anmerken, daß der Umstand, daß europäische Binnenmigration kaum noch wahrgenommen wird, darauf hindeuten dürfte, daß die vielbeschworene "europäische Identität" schon weiter gediehen ist, als von Europaskeptikern angenommen.
So wie man einen Einwanderer aus dem Nachbardorf nicht als "Migrant" bezeichnet, so eben auch keinen Franzosen oder Schwaben.
Es ist grundsätzlich nichts gegen Bürgermeister mit Migrationshintergrund einzuwenden. Doch folgende Vorraussetzungen müssen erfüllt sein - wie bei jedem Bewerber auf das Amt eines Bürgermeisters :
- Der berufliche Parcour muß eindeutig zeigen, daß sich der Anwärter mit Recht, Kultur und Sprache des Landes identifiziert und diese der Würde des Amtes entsprechend umsetzen kann.
- Eine eindeutige Zugehörigkeit zur Bevölkerungsgruppe, deren Interessen der Bürgermeister zu schützen, zu verwalten und zu vertreten hat.
Im Falle Ahmed Aboutaleb ist letzteres nicht gegeben. Er ist nicht nur gefühlsmäßig, sondern ganz offiziell ebenso Marokkaner, also Ausländer, wie Holländer.
Ich halte es nicht für richtig, daß Ausländer Staatsämter bekleiden.
Die Probleme der doppelten Staatsbürgerschaft sind manigfaltig und hier schon oft diskutiert worden. Die doppelte Staatsbürgerschaft für Politiker und öffentliche Würdenträger treibt dieses Problem auf die Spitze.
Wie soll Aboutaleb den Spagat zwischen persönlicher Heimatverbundenheit (deren Vorhandensein die Weigerung seinen marokkanischen Paß aufzugeben beweist), muslimischen Interessensgruppen und dem Argwohn der Mehrheit holländischer Politikkollegen und Bürger vollbringen ? Wie soll er unter diesen Umständen seinen Aufgaben geradlinig nachgehen ?
Diese für Rotterdam unheilvolle Situation wäre sofort aus der Welt, würde Aboutaleb seinen marokkanischen Paß abgeben. Dies wäre ein starkes Zeichen für die Integration.
Im übrigen bin ich sehr dankbar, daß in Deutschland der Bürgermeister direkt gewählt wird. Ich bin ebenfalls überzeugt, daß Aboutaleb nicht durch eine Bürgerwahl in Rotterdam ins Amt gewählt worden wäre.
Sie schreiben, eine Voraussetzung für den Bewerber um das Amt eines Bürgermeisters sei eine eindeutige Zugehörigkeit zur Bevölkerungsgruppe, deren Interessen der Bürgermeister zu schützen, zu verwalten und zu vertreten hat.
Da stellen sich mir gleich zwei Fragen:
1) Kennen Sie die niederländischen Regeln für die Voraussetzungen, die ein Kanidat zu erfüllen hat? (Die Frage ist nicht ganz ernst gemeint, ich möchte nur darauf hinweisen, dass Sie Ihre Auffassung dazu darlegen).
2) Nach Ihrer Definition wird die Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe durch den Pass dokumetiert. Ein Pass dokumentiert nicht die Zugehörigkeit zu eine Bevölkerungsgruppe sondern nur die Staatsangehörigkeit, ein feiner aber nicht unbdedeutender Unterschied.
Aber sind Sie wirklich davon überzeugt, dass die Rückgabe des Passes etwas ändert? Es ist ein administrativer Akt, der nichts an der Einstellung eines Menschen ändert. Zugleich aber ist es auch ein symbolischer Akt, und da kann und darf man unterschiedlicher Auffassung sein, ob dies für einen evtl. Kandidaten notwendig oder sinnvoll ist. Für mich ist viel ausschlaggebender, ob sich der potentielle Kandidat mit dem Wertesystem des Gemeinwesens, das er vertreten soll, identifiziert. Das hat Herr Aboutaleb nach Auffassung der ihn unterstützenden Institutionen offensichtlich getan (und die wissen es sicherlich besser als wir).
Dass es auch andere Stimmen geben wird, liegt auf der Hand. Ich bin überzeugt, dass es Kreise gibt, die, wie immer Herr Aboutaleb bei der doppelten Staatsangehörigkeit entscheiden würde, ihm immer etwas Negatives unterstelen würden, entweder, er werde solch einen Schritt nur tun um seine wahre Identität zu verschleiern, oder,
man sehe ja, dass er sich nicht integrieren wolle.
Es läss sich einfach fordern, die Staatsbürgerschaft zugunsten einer anderen aufzugeben. Ich selbst wohne seit etlichen Jahren im Ausland und da stellt sich die Frage irgendwann nicht nur theoretisch. Meine Kollegen gehen unterschiedlich damit um, für einige ist es nur ein adminitrativer Akt -na und, wenn es mir Vorteile bringt?-, für andere ist es auch, wie bereits oben erwähnt, ein symbolischer Akt. Ich jedenfalls bin nicht bereit meinen deutschen Pass abzugeben. Trotzdem bin ich überzeugt, dass ich hier eine nützliche Rolle auch z.B als Bürgermeister inder Gemeinde, in der ich wohne, spielen kann, denn ich unterstütze die Werte dieser Gesellschaft, in der ich hier lebe, und das wird nicht durch meinen Pass dokumentiert.
Sie schreiben, eine Voraussetzung für den Bewerber um das Amt eines Bürgermeisters sei eine eindeutige Zugehörigkeit zur Bevölkerungsgruppe, deren Interessen der Bürgermeister zu schützen, zu verwalten und zu vertreten hat.
Da stellen sich mir gleich zwei Fragen:
1) Kennen Sie die niederländischen Regeln für die Voraussetzungen, die ein Kanidat zu erfüllen hat? (Die Frage ist nicht ganz ernst gemeint, ich möchte nur darauf hinweisen, dass Sie Ihre Auffassung dazu darlegen).
2) Nach Ihrer Definition wird die Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe durch den Pass dokumetiert. Ein Pass dokumentiert nicht die Zugehörigkeit zu eine Bevölkerungsgruppe sondern nur die Staatsangehörigkeit, ein feiner aber nicht unbdedeutender Unterschied.
Aber sind Sie wirklich davon überzeugt, dass die Rückgabe des Passes etwas ändert? Es ist ein administrativer Akt, der nichts an der Einstellung eines Menschen ändert. Zugleich aber ist es auch ein symbolischer Akt, und da kann und darf man unterschiedlicher Auffassung sein, ob dies für einen evtl. Kandidaten notwendig oder sinnvoll ist. Für mich ist viel ausschlaggebender, ob sich der potentielle Kandidat mit dem Wertesystem des Gemeinwesens, das er vertreten soll, identifiziert. Das hat Herr Aboutaleb nach Auffassung der ihn unterstützenden Institutionen offensichtlich getan (und die wissen es sicherlich besser als wir).
Dass es auch andere Stimmen geben wird, liegt auf der Hand. Ich bin überzeugt, dass es Kreise gibt, die, wie immer Herr Aboutaleb bei der doppelten Staatsangehörigkeit entscheiden würde, ihm immer etwas Negatives unterstelen würden, entweder, er werde solch einen Schritt nur tun um seine wahre Identität zu verschleiern, oder,
man sehe ja, dass er sich nicht integrieren wolle.
Es läss sich einfach fordern, die Staatsbürgerschaft zugunsten einer anderen aufzugeben. Ich selbst wohne seit etlichen Jahren im Ausland und da stellt sich die Frage irgendwann nicht nur theoretisch. Meine Kollegen gehen unterschiedlich damit um, für einige ist es nur ein adminitrativer Akt -na und, wenn es mir Vorteile bringt?-, für andere ist es auch, wie bereits oben erwähnt, ein symbolischer Akt. Ich jedenfalls bin nicht bereit meinen deutschen Pass abzugeben. Trotzdem bin ich überzeugt, dass ich hier eine nützliche Rolle auch z.B als Bürgermeister inder Gemeinde, in der ich wohne, spielen kann, denn ich unterstütze die Werte dieser Gesellschaft, in der ich hier lebe, und das wird nicht durch meinen Pass dokumentiert.
Ach ja, interkulturelle Sensation:
wir habendoch einen sorbischen Ministerpräsidenten von Sachsen, Stanislaw Tillich - und keiner hats gemerkt! :-)))
(Und die Slowaken hatten eine zeitlang den "deutschen" Rudolf Schuster als Präsident ...)
Was hätten unsere Grosseltern in den 30er Jahren dazu gesagt ...
Der grundsätzliche Unterschied zwischen diesen beiden Fälle ist, dass in Mitteleuropa das Christentum die Leitkultur stellt und in muslimischen Ländern nun mal der Islam.
Und so wie mit dem Christentum gewissen Werte und Gebräuche verbunden sind, so sind sie das auch im Islam - es sind nur zu Teilen grundverschiedene Werte. Daher rührt doch das Problem.
Wir haben in Deutschland doch kein Migrationsproblem. Wir haben einen kulturellen "Krieg" (unschönes Wort, mir fällt nichts besseres ein, "Konflikt" möchte ich in Anlehnung an den Nahen Osten nicht verwenden). Das ist doch die eigentliche Grundlage aller Debatten. Kein Mensch hat sich je über Einwanderer aufgeregt, herrje, unser Alter Fritz hat es doch schon perfekt ausgedrückt, warum sollten wir daran noch irgendwas rütteln wollen? Die eigentliche Frage ist, wie wir mit der Tatsache umgehen, dass die Moslems dabei sind, was ~1100 bei Tours und Poitiers und 1683 vor Wien militärisch in die Hosen ging, jetz durch die Immigrations- und die Demographieschiene zu erreichen suchen (klingt jetzt ein bisschen verschwörerisch, ist aber nicht so gemeint, ist noch zu früh am Morgen...). Und bisher sind unsere Lösungsversuche ja offensichtlich das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.
Im übrigen sehe ich, wie andere hier, die Sensation nicht. Schon bei Cem Özdemir raff ich es nicht - wenn er die deutschen Interessen vertritt, dann soll er doch werden, was er will, damit stellt er in der deutschen Politik ja ohnehin schon die Minderheit. Wenn er, oder der Kollege in Rotterdam, das nicht tut, dann wählen wir ihn einfach ab, Problem gelöst - ist doch herrlich in einer Demokratie, nicht?
Salus Publica Suprema Lex
Der grundsätzliche Unterschied zwischen diesen beiden Fälle ist, dass in Mitteleuropa das Christentum die Leitkultur stellt und in muslimischen Ländern nun mal der Islam.
Und so wie mit dem Christentum gewissen Werte und Gebräuche verbunden sind, so sind sie das auch im Islam - es sind nur zu Teilen grundverschiedene Werte. Daher rührt doch das Problem.
Wir haben in Deutschland doch kein Migrationsproblem. Wir haben einen kulturellen "Krieg" (unschönes Wort, mir fällt nichts besseres ein, "Konflikt" möchte ich in Anlehnung an den Nahen Osten nicht verwenden). Das ist doch die eigentliche Grundlage aller Debatten. Kein Mensch hat sich je über Einwanderer aufgeregt, herrje, unser Alter Fritz hat es doch schon perfekt ausgedrückt, warum sollten wir daran noch irgendwas rütteln wollen? Die eigentliche Frage ist, wie wir mit der Tatsache umgehen, dass die Moslems dabei sind, was ~1100 bei Tours und Poitiers und 1683 vor Wien militärisch in die Hosen ging, jetz durch die Immigrations- und die Demographieschiene zu erreichen suchen (klingt jetzt ein bisschen verschwörerisch, ist aber nicht so gemeint, ist noch zu früh am Morgen...). Und bisher sind unsere Lösungsversuche ja offensichtlich das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.
Im übrigen sehe ich, wie andere hier, die Sensation nicht. Schon bei Cem Özdemir raff ich es nicht - wenn er die deutschen Interessen vertritt, dann soll er doch werden, was er will, damit stellt er in der deutschen Politik ja ohnehin schon die Minderheit. Wenn er, oder der Kollege in Rotterdam, das nicht tut, dann wählen wir ihn einfach ab, Problem gelöst - ist doch herrlich in einer Demokratie, nicht?
Salus Publica Suprema Lex
Solange unsere Journalisten noch mit Begriffen wie "schwarz" ganz unbefangen hantieren, braucht man sich allerdings über gar nichts zu wundern. Wer meint, es handele sich hier um eine Farbe, dem ist dringend ein Besuch beim Augenarzt zu empfehlen.
Der gute Mann wurde wahrscheinlich gewählt weil er kompetent ist, rhetorisch versiert, usw..
Dass hier sein "moslemischer" familiärer Hintergrund als Sensation betont wird, ein Herkommen dass aber offensichtlich für sein politisches Konzept irrelevant ist, mutet merkwürdig rückständig an. Man bezeichnet doch andere Politiker auch nicht als "christlich". Wenn es wenige Moslems in politischen Führungspositionen gibt hat das etliche simple und primär statistische Gründe. Diese Aufregung hier hinkt vermutlich hinter der gesellschaftlichen Realität her.
und damit politisch nicht tragbar wäre er mit diesen Worten:
Wer sich der sozialen Integration und dem Rechtsstaat derart total verweigere, so der damalige Amsterdamer Sozial-Stadtrat, der solle das nächste Flugzeug nehmen und schleunigst das Land verlassen. Das imponierte Aboutalebs altholländischen Mitbürgern. Die klaren Worte und der Mut, sie zu sagen, steigerten Aboutalebs öffentliches Ansehen abrupt.
Man hat es ja auch in anderen Bereichen, dass man bestimmte unangehme Sachen paradoxer Weise genau von dem sagen und machen lässt, der eigentlich für etwas anderes (das Gegenteil) stand. So die SPD mit der Agena 2010, die eigentlich eher eine Unions-Sache gewesen wäre, oder die Zustimmung zur Jugoslawien- u. Afghanistan-Intervention durch Rot-Grün, das Recht auf einen Kindergartenplatz auch durch die CDU und dgl. Damit kann das "eigene" Lager ja am besten beruhigt, bzw. der gesellschaftliche Frieden am besten gewahrt werden. Würden das die Gegner (hier eben die Urbevölkerungs-Mitglieder) tun, wäre der Rassimus-Vorwurf sicher da und recht deutlich.. (Wie erging es denn Frau Hermann, oder einer SPD-Abgeordneten, die Bush mit seinem Irak-Krieg in einer kleineren Kreissitzung mit dem NS-Vorgehen in Verbindung brachte (glaub ich) - sie wurden abgesetzt oder ausgeschlossen.). Wenn zwei das gleiche tun, ist`s nicht das Selbe, heißt es ja schon lange.
1) Was die Amerikaner, auch die meisten Republicans, an der Wahl von Obama so neu finden ist nicht seine Hautfarbe - sondern dass die Hautfarbe nicht die tragende Rolle gespielt hat bei seiner Wahl sondern die Hoffnung auf den "Change" vor allem aus seinen Worten kam. Davon abgesehen sind Schwarze in der amerikanischen Politik so und so nicht wirklich unterrepräsentiert. Hingegen gab es noch nie eine Präsidentin, gleich welcher Hautfarbe. Wo bleibt der Artikel "Merkel vom Potomac"?
2) Sind die Schwarzen in Amerika keine Gruppe von Migranten sondern wurden aus Afrika als Sklaven in die Kolonien in ganz Nord- und Südamerika verschleppt. Erst danach kamen zB die Deutschen in die USA die noch heute die größte einzelne Ethnie in den USA stellen, auch die Iren (John F. Kennedy!), die Italiener (Madonna!) und all die anderen Gruppen die der gemeine Europäer für typisch amerikanisch hält die aber ebenso bis weit ins 20. Jahrhundert hinein diskriminiert wurden (im 2. Weltkrieg wurden sogar amerikanische Staatsbürger mit japanischen Wurzeln in großer Zahl interniert weil man sie für mögliche Spione hielt). Aber wie dies so ist mit europäischen Launen, die Schwarzen genießen eine besondere Sympathie. Die Schwarzen sind aber inzwischen mindestens so ur-amerikanisch wie das Klischee vom Cowboy und der Frontier. Und auch wertkonservativer, religiöser und patriotischer als der Durchschnittsamerikaner.
...weswegen auch die Erwartung mit Obama brechen in Amerika europäische Verhältnisse aus eher niedlich ist. Die Schwarzen fühlen sich nicht von "den Amerikanern" diskriminiert wie viele Muslime in Europa von den Gesellschaften in die sie oder ihre Vorfahren eingewandert sind sondern die Schwarzen fühlen sich und sind as american as applie pie. Daher will und wird Obama nicht gegen den "Status quo" ankämpfen oder einen Krieg gegen das "white america" führen - dieses Amerika existiert ohnehin nur noch als Feindbild und Klischee, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Und das nun schon die 68er zitiert werden finde ich auch recht amüsant. Ich bitte um entschuldigung aber ich bin viel zu jung um dieses dürftige Wortspiel damals miterlebt zu haben, damals gab es aber auch an heutigen Verhältnissen gemessen kaum jemanden zu integrieren. Inzwischen kehren sich die Verhältnisse in westeuropäischen Großstädten langsam um, die angebliche "Mehrheitsgesellschaft" (noch so ein 68er Begriff) ist dort in den Schulen schon die klare zahlenmäßige Minderheit geworden. Demograpischer Wandel tut das Übrige. Es geht langfristig nicht mehr darum irgend eine Minderheit zu fördern sondern es geht darum eine total heterogenes Europa, eine Art Vielvölkerstaat, zu organisieren. Da mit Proporz anzufangen ist eher der Anfang ganz neuer Probleme, wie alle gescheiterten Vielvölkerstaaten der Geschichte gezeigt haben. Es hilft nur eine verbindende Identität unter der sich alle versammeln können. Was im Übrigen ebenfalls die USA zeigen. Dort überlässt man auch nicht wie bei uns die Deutungshoheit über Patriotismus einigen Rechtsextremisten und schämt sich ansonsten seiner Herkunft mehr oder weniger sondern man greift die Flagge, geht damit auf die Straße und beruft sich auf die Verfassung, und die Werte die dahinter stehen. Dies alles verbindet Amerikaner, sie sind eben auch wenn sie sich in Sachfragen aufs Blut bekämpfen und hassen immer Amerikaner denen ihre Verfassung und ihre Freiheit heilig ist und stellen dieses Grundkonsens nicht in Frage. Auch die Kommunisten singen dort nicht die Internationale.
Ohne dieses gemeinsame europäische Fundament kann Europa keine stabile und prosperierende Zukunft haben. Die Regionen werden dabei wichtiger sein als heute, auch was Identität angeht, Europa wird in Form der EU (mit besserer demokratischer Legitimierung und Steuerung) die Außenpolitik und die Richtlinien vorgeben. Die Nationalstaaten werden zu reinen Verwaltungseinheiten, die man auch leicht Bezirke oder sonstwas nennen könnte.
Eines dürfen wir nicht vergessen: die meisten "Migranten" bei uns sind ihrer Abstammung nach eben auch eines - Europäer!
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