Gasstreit Russland stoppt Gaslieferung an Ukraine
Moskau dreht Kiew den Gashahn ab, weil beide sich nicht über neue Preise einigen können. Die Versorgung Westeuropas durch russisches Gas soll nicht eingeschränkt werden

© Dmitry Astakhov/AFP/Getty Images
Russlands Präsident Dmitri Medwedjew besucht eine Pumpstation für russisches Gas
Der russische Staatskonzern Gasprom hat seine Drohungen wahr gemacht und seine Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrsmorgen eingestellt. Die Versorgung sei mit Auslaufen des alten Vertrags um 10 Uhr Moskauer Zeit gestoppt worden, teilte der Gas-Monopolist am Donnerstag mit. "Wir werden Europa weiterhin voll beliefern."
Das ukrainische Staatsunternehmen Naftogaz bestätigte einen Rückgang beim Druck in der Gas-Pipeline. Es werde nun auf die nationalen Reserven zurückgreifen. Die Regierung in Kiew hatte der Europäischen Union schon im Vorfeld versprochen, es werde trotz ihres Streits mit Russland keine Unterbrechung der Erdgaslieferungen nach Europa geben.
Das russische Staatsfernsehen berichtete am Donnerstag in einer Live-Schaltung von einer Pumpstation an der Grenze zur Ukraine. Dort sei man von der Gasprom-Zentrale in Moskau angewiesen worden, kein Gas mehr durchzuleiten. Gasprom-Chef Alexej Miller hatte zuvor in Moskau gesagt, beide Seiten hätten sich nicht über die Rückzahlung ukrainischer Schulden und Details eines neuen Liefervertrages einigen können.
Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über die Pipeline in der Ukraine. Für Russland ist die Röhre ungleich wichtiger: Durch die Verbindung werden etwa achtzig Prozent des russischen Gases für Westeuropa geleitet. Deshalb baut Russland derzeit auch eine weitere Pipeline durch die Ostsee unter Umgehung der Ukraine und anderer osteuropäischer Länder. Vor drei Jahren war bei einem ähnlichen Streit zwischen Russland und der Ukraine zeitweise weniger Gas nach Deutschland gelangt.
Im jüngsten Streit will Gasprom den Preis für die Ukraine von zuletzt etwa 180 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) auf 250 Dollar erhöhen. Damit müsste die ehemalige Sowjetrepublik für das russische Gas immer noch nur etwa halb soviel zahlen wie andere europäische Kunden. Trotzdem lehnt die Ukraine die Erhöhung ab. Die Regierung in Kiew will nach Angaben der russischen Agentur Interfax höchstens 201 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas zahlen.
Neben dem Gaspreis streiten beide Seiten auch über die Gebühren, die Russland an die Ukraine für die Durchleitung des Brennstoffs nach Westeuropa zahlt. Russland will die Transitgebühr bei 1,70 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) belassen, während die Ukraine eine Erhöhung auf mindestens zwei Dollar anstrebt.
- Datum 06.01.2009 - 10:59 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Man muss die Sache im Kontext sehen. Es handelt sich hier nicht um ein rein kommerzielles Problem im Gas-Sektor. Die russische Regierung unternimmt in letzter Zeit verschiedene Schritte, um das sowieso brüchige Staatsgebilde "Ukraine" zu schwächen. Man will um jeden Preis eine Annäherung an die NATO verhindern, und spekuliert vielleicht sogar auf einen innerukrainischen Konflikt zwischen den west- und den ost-orientierten Kräften innerhalb des Landes, der durchaus zu einer Teilung der Ukraine führen könnte. In diesem Zusammenhang ist natürlich die Einschränkung des Gasversorgung auch ein Mittel, den russischen Interessen Vorschub zu leisten.
Dass es hier nicht unbedingt um Zahlen geht, zeigt Folgendes (hier aus Spiegel.de, als Agenturmeldung aber überall nachzulesen): "Die Ukraine erklärte sich zwar bereit, unter Umständen zur Zahlung von 235 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas aus Russland bereit zu sein. Gasprom hob seine bisherige Forderung aber von 250 auf 418 Dollar an."
Auch die Ostseepipeline (Stichwort: Schröders Engagement) fügt sich in dieses politische Szenario ein: Sie wird dazu führen, dass die Ukraine nicht mehr Transitland für russisches Gas ist, und damit die russische Gaspolitik für Westeuropa und die Ukraine jeweils völlig unabhängig gestaltet werden kann.
Die Spaltung der Ukraine ist schon sehr übetrieben. Die innerpolitischen Spannungen des Landes sind aber schon seit langem vorhanden, seit Juschtschenko nach einer orangenen Revolution 2004 Präsident geworden ist. Er ist es, der in die NATO drängt, ungeachtet dessen, dass die Mehrheit der Ukrainer dagegen sind. Er ist auch als Präsident dafür verantwortlich, dass sein Land fast 2 Mrd. US-Dollar Schulden für nichtbezahlte Gaslieferungen hat, obwohl das Geld vorhanden ist. Er ist auch Schuld daran, dass sich die Ukraine so lächerlich verhält. Verhandlungen werden ohne Grund abgebrochen, der von Russland vorgeschlagene Preis (immernoch unter EU-Niveau) nicht angenommen.
Ich sehe in diesem Streit einen weiteren Versuch seitens der ukrainischen Regierung, die EU in die Frage aktiv einzumischen und ihr die angebliche Lieferunsicherheit und Matchausübung Russlands zu zeigen. Ja, wären da bloß nicht die Schulden, da könnte es klappen ...
Übrigens ging die Ukraine auch nicht auf den russischen Vorschlag ein, sich die Transitgebühren für 2009 im Voraus auszahlen zu lassen, also praktisch mit den Schulden zu verrechnen.
Die Spaltung der Ukraine ist schon sehr übetrieben. Die innerpolitischen Spannungen des Landes sind aber schon seit langem vorhanden, seit Juschtschenko nach einer orangenen Revolution 2004 Präsident geworden ist. Er ist es, der in die NATO drängt, ungeachtet dessen, dass die Mehrheit der Ukrainer dagegen sind. Er ist auch als Präsident dafür verantwortlich, dass sein Land fast 2 Mrd. US-Dollar Schulden für nichtbezahlte Gaslieferungen hat, obwohl das Geld vorhanden ist. Er ist auch Schuld daran, dass sich die Ukraine so lächerlich verhält. Verhandlungen werden ohne Grund abgebrochen, der von Russland vorgeschlagene Preis (immernoch unter EU-Niveau) nicht angenommen.
Ich sehe in diesem Streit einen weiteren Versuch seitens der ukrainischen Regierung, die EU in die Frage aktiv einzumischen und ihr die angebliche Lieferunsicherheit und Matchausübung Russlands zu zeigen. Ja, wären da bloß nicht die Schulden, da könnte es klappen ...
Übrigens ging die Ukraine auch nicht auf den russischen Vorschlag ein, sich die Transitgebühren für 2009 im Voraus auszahlen zu lassen, also praktisch mit den Schulden zu verrechnen.
Die Spaltung der Ukraine ist schon sehr übetrieben. Die innerpolitischen Spannungen des Landes sind aber schon seit langem vorhanden, seit Juschtschenko nach einer orangenen Revolution 2004 Präsident geworden ist. Er ist es, der in die NATO drängt, ungeachtet dessen, dass die Mehrheit der Ukrainer dagegen sind. Er ist auch als Präsident dafür verantwortlich, dass sein Land fast 2 Mrd. US-Dollar Schulden für nichtbezahlte Gaslieferungen hat, obwohl das Geld vorhanden ist. Er ist auch Schuld daran, dass sich die Ukraine so lächerlich verhält. Verhandlungen werden ohne Grund abgebrochen, der von Russland vorgeschlagene Preis (immernoch unter EU-Niveau) nicht angenommen.
Ich sehe in diesem Streit einen weiteren Versuch seitens der ukrainischen Regierung, die EU in die Frage aktiv einzumischen und ihr die angebliche Lieferunsicherheit und Matchausübung Russlands zu zeigen. Ja, wären da bloß nicht die Schulden, da könnte es klappen ...
Übrigens ging die Ukraine auch nicht auf den russischen Vorschlag ein, sich die Transitgebühren für 2009 im Voraus auszahlen zu lassen, also praktisch mit den Schulden zu verrechnen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren