Sprache Das schlimmste Wort
Mitte Januar wird das "Unwort des Jahres 2008" gekürt. Die Redaktion von ZEIT ONLINE macht Vorschläge, welche Worte noch berücksichtigt werden sollten

© photocase.de/kunstfisch
Das Unwort des Jahres wird am 20. Januar bekanntgegeben
Am 20. Januar wählt eine unabhängige Jury in Frankfurt wieder das schlimmste Wort des vergangenen Jahres, sei es aus Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sozialem. Bis zum 9. Januar haben Bürger noch die Möglichkeit, ihren Vorschlag einzusenden. Bisher sind die Favoriten: Bundestrojaner, Rentnerdemokratie, Menschenrest, Morbiditätszuschlag, Mumienpornografie, Notleidende Kreditinstitute und Patientenmanager.
Die Redaktion von ZEIT ONLINE befand, dass da noch ein paar Worte und Wörter fehlen. Hier einige Vorschläge:
Low Performer
Erst kam die Finanzkrise und dann in einigen Unternehmen die Kündigungswelle. Firmen teilten Mitarbeiter in
High Performer
und
Low Performer
ein. Die Minderleister sollten gehen und bekamen den Abschied mit Abfindungszahlungen versüßt. Wer mit dem Makel "unzureichendes Leistungsniveau" versehen wird, entscheidet in den meisten Fällen der Vorgesetze im Alleingang. Wehren können sogenannte Minderleister sich nicht – ein Unding und ein Unwort!
Yes, we can
Einer erfindet etwas, die anderen hecheln hinterher. So funktioniert Mode, Kunst und auch die Sprache. Diese wurde 2008 um eine Phrase reicher. Im deutschen Obama-Taumel fand man prompt in Schlagzeilen, Werbesprüchen und Alltagsfloskeln den Wahlkampfspruch des künftigen US-Präsidenten wieder. Ja ja, wir können es. Alle. Wie schön. Und jetzt ist auch mal gut.
Abweichler
Ein übler Schmäh-Begriff: “Rechtsabweichler” waren Abtrünnige aus den Reihen der KPdSU, die häufig inhaftiert oder liquidiert wurden. Viele in der hessischen SPD (und den Medien) verwendeten ihn, um die vier SPD-Landtagsabgeordneten zu brandmarken, die die Wahl von Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin mit Stimmen der Linken verweigerten.
Derivate
Dieser Begriff drückt das ganze (Un-)Wesen der Finanzspekulanten aus, die minderwertige US-Hypotheken in solche Papiere verpackten, um sie unter diesem verschleiernden Namen an Anleger in aller Welt zu verticken. Ramschanleihen wäre wohl der ehrlichere Begriff gewesen. Aber wer hätte die gekauft?
Supertalent
In Deutschland ist alles top und super! Nach den Topmodels und Superstars kamen die Supertalente. Aber Mittelmaß bleibt Mittelmaß, auch wenn es noch so penetrant behauptet, Spitze zu sein.
Englisches Understatement wäre angebracht: Dort hieß dasselbe Casting-Show-Format einfach “
Britain’s got talent
”. Paul Potts gewann, und von super war nie die Rede.
Risikobegrenzungsgesetz
Ein Wort, das die Illusion nährt, der deutsche Gesetzgeber könnte nicht nur die globale Finanzwelt kontrollieren, sondern seine Bürger generell vor allem Bösen beschützen. Kurz: Die Illusion des guten paternalistischen Staates.
Unwort
Dieses Wort gibt's nämlich gar nicht.
Was ist Ihr Unwort des Jahres? Schreiben Sie es auf und diskutieren Sie mit unserer Community!
- Datum 08.01.2009 - 18:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 42
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"Bad-Bank" - der Versuch Missmanagement der Bänker einfach zu sozialisieren und weiterzumachen, als wäre nix gewesen!
Politik
Das ist für mich das Unwort und die schwachsinnigste Phrase.
Herzlichst Ihr
GEBE
... ZWECKGESELLSCHAFT.
Die von Banken gegründeten Gesellschaften,
die maßgeblich das Finanzchaos produzierten
mit ihren INNOVATIVEN Produkten.
... abgeleitet ...
... abgeleitet ...
Mein Unwort des Jahres ist : Gutmensch.
Wegen der verächtlichen Art und Weise mit der das Wort verwendet wird.
Schöne Grüße
"Querulantenwahnsinn".
Im Zusammenhang meiner langjährigen Bemühungen, herauszufinden, ob der vormalige Justizminister von Sachsen und Kandidat für das Präsidentenamt von Deutschland Steffen Heitmann CDU, das Parlament und somit die Öffentlichkeit mit gefälschten Gerichtsprotokollen getäuscht hat oder nicht, mußte ich zum Psychiator.
Der eine hat festgestellt, dass ich uneingeschränkt prozeß- und geschäfstfähig bin.
Der anderer hat festgestellt, dass ich am "Querulantenwahnsinn" erkrankt sei und somit nicht prozeß- und geschäftsfähig bin.
Gottseidank wurde das Urteil in Zweiter Instanz wieder aufgehoben.
So das ich in meinem ganzen Leben nocht nicht einen Tag *verrückt* war.
ich denke mal den meisten menschen auf der welt ist immer noch nicht ganz klar wer da was mit was eigentlich wie rettet. aber paket klingt nach geschenk und ueberraschung ... wart ihr schon beim briefkasten? und ? tja, war wohl doch fuer jemand andren ....
Ja ..... "Rettungspakete schnüren" ist ein heißer Anwärter auf den Thron des Unwortes, ein Wortqualle, wie sie im Buche steht
a-w-g
Ja ..... "Rettungspakete schnüren" ist ein heißer Anwärter auf den Thron des Unwortes, ein Wortqualle, wie sie im Buche steht
a-w-g
Mein Unwort ist "bildungsfern". Kein Mensch ist von Bildungs so weit entfernt ihn als solches zu bezeichnen. Wer möchte sich denn als "bildungsnah" definieren?
als "ungebildet", für das es eigentlich steht. Ein guter Kandidat für die Euphemismus-Tretmühle (http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus-Tretmühle). Ihr Beitrag zeigt deutlich, daß wir uns schon mal darauf einstellen können, daß auch dieses völlig harmlose, nur leider nicht treffende, weil absolut beschönigendes Wort demnächst nicht mehr verwendet werden darf.
Wenn es für Sie keine Unterschiede zwischen "bildungsfern" und "bildungsnah" (schon diese Paarung zeigt die ganze Unisnnigkeit der Wortbildung) gibt, also zwischen "gebildet" und "ungebildet", wie man vernünftigerweise sagen sollte, wenn man Deutsch und nicht Gutmenschen-Neusprech (zum Thema "Gutmensch" könnte man eine eigene Debatte beginnen, s.o.) verwendet, dann macht es für Sie wahrscheinlich auch keinen Unterschied, ob Menschen Bildung erwerben oder nicht. Das ist dann konsistent.
Komischerweise taucht der Begriff "bildungsfern" aber immer im Zusammenhang mit der sogenannten Ungerechtigkeit im Bildungssystem auf, und zwar, wenn es darum geht, Kindern aus "bildungsfernen" Elternhäusern Bildung zu ermöglichen. Ihrer Meinung gibt es also keine Unterschiede zwischen "bildungsfernen" und "-nahen" bzw. ungebildeten und gebildeten Eltern. Wunderbar, dann brauchen wir auch diese Debatten nicht mehr zu führen. Bildung macht keinen Unterschied und ist überhaupt nicht wichtig, und alles in bester Ordnung. Das ist dann auch konsistent.
Entscheiden Sie sich.
als "ungebildet", für das es eigentlich steht. Ein guter Kandidat für die Euphemismus-Tretmühle (http://de.wikipedia.org/wiki/Euphemismus-Tretmühle). Ihr Beitrag zeigt deutlich, daß wir uns schon mal darauf einstellen können, daß auch dieses völlig harmlose, nur leider nicht treffende, weil absolut beschönigendes Wort demnächst nicht mehr verwendet werden darf.
Wenn es für Sie keine Unterschiede zwischen "bildungsfern" und "bildungsnah" (schon diese Paarung zeigt die ganze Unisnnigkeit der Wortbildung) gibt, also zwischen "gebildet" und "ungebildet", wie man vernünftigerweise sagen sollte, wenn man Deutsch und nicht Gutmenschen-Neusprech (zum Thema "Gutmensch" könnte man eine eigene Debatte beginnen, s.o.) verwendet, dann macht es für Sie wahrscheinlich auch keinen Unterschied, ob Menschen Bildung erwerben oder nicht. Das ist dann konsistent.
Komischerweise taucht der Begriff "bildungsfern" aber immer im Zusammenhang mit der sogenannten Ungerechtigkeit im Bildungssystem auf, und zwar, wenn es darum geht, Kindern aus "bildungsfernen" Elternhäusern Bildung zu ermöglichen. Ihrer Meinung gibt es also keine Unterschiede zwischen "bildungsfernen" und "-nahen" bzw. ungebildeten und gebildeten Eltern. Wunderbar, dann brauchen wir auch diese Debatten nicht mehr zu führen. Bildung macht keinen Unterschied und ist überhaupt nicht wichtig, und alles in bester Ordnung. Das ist dann auch konsistent.
Entscheiden Sie sich.
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