Innerhalb von nur zehn Tagen hat sich Wolfgang Loitzl vom Image des "Ewigen Zweiten" befreit und mit dem ersten Tourneesieg eines Österreichers seit neun Jahren eine komplette Wintersport-Nation in Hysterie versetzt. "Ich bin in der Form meines Lebens", jubelte der 28-Jährige nach seinem Triumph in Bischofshofen und klopfte sich nach seinem dritten Tagessieg immer wieder stolz an die eigene Brust.

222 Wettkämpfe hatte Loitzl auf seinen ersten Weltcupsieg warten müssen. Dann platzte ausgerechnet bei der Tournee der Knoten. Mit dem Gewinn der Traditionsveranstaltung sprang der Bad Mitterndorfer zugleich aus dem Schatten der österreichischen Wunderspringer Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern, denen noch zu Beginn alle Aufmerksamkeit gegolten hatte.

"Wenn ich die Gesamtwertung gewinne, kann ich gerne noch ein bisschen länger auf meinen ersten Weltcupsieg warten", hatte der zweifache Familienvater zum Start der Tournee gescherzt. So richtig auf der Rechnung hatte ihn zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Allenfalls als Geheimfavorit stand er bei den Experten auf dem Zettel, doch alles fokussierte sich auf das Duell Schlierenzauer gegen Simon Ammann.

Mit Platz zwei in Oberstdorf setzte er dann ein erstes Ausrufezeichen, nach dem Sieg beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen stufte ihn die Konkurrenz immerhin als "brandgefährlich" (Ammann) ein. "Für Wolfgang war es ein innerer Orgasmus", sagte Österreichs Trainer Alexander Pointner. Doch Loitzl blieb bescheiden. "Ich habe zwei Kinder, da kann man das Preisgeld gut gebrauchen", sagte er schmunzelnd.

Erst, nachdem er auch das prestigeträchtige Springen am Innsbrucker Bergisel für sich entschieden hatte, erkannten die Österreicher in ihrem "Wuff" ihre neue Galionsfigur. Loitzl hier, Loitzl da, hieß es danach und der Umjubelte genoss das neue Leben im Rampenlicht in vollen Zügen. Jahrelang hatte er bei den Wettkämpfen unentdeckt durch die Mixed-Zone laufen müssen. Nun galt sein Wort endlich etwas. Ausführlich erzählte der Zeitsoldat jedem seine Geschichte, die vor drei Jahren fast schon zu Ende war.

Bei den Olympischen Winterspielen in Turin war er lediglich als Ersatzmann dabei und Pointner forderte von seinem Schützling endlich den nötigen Biss. "Ich war damals vielleicht etwas phlegmatisch. Diesen Tritt in den Hintern habe ich gebraucht", gesteht der Stilist unter den Skispringern.