Konjunkturpaket Rettung naht – Erfolg zweifelhaft

Der Koalitionsausschuss will das zweite Konjunkturpaket und einen Rettungsfonds für Unternehmen beschließen. Wirtschaftsexperten bezweifeln dessen Erfolg

Der Bund will einen 100 Milliarden Euro schweren Schutzschirm für Unternehmen aufspannen, die wegen einer restriktiven Vergabe keine Kredite bei Banken bekommen. Der sogenannte Deutschlandfonds, eine Idee des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU), sieht in erster Linie Bürgschaften für Firmenkredite vor. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende zunächst dementiert, dass der Fonds sich auch direkt an Unternehmen beteiligen werde. Später äußerte sie sich weniger eindeutig. Die Frage, ob der Staat nur Bürge oder auch Eigentümer sein soll, steht im Mittelpunkt der politischen Debatte.

Direkte Staatsbeteiligungen hatte unter anderem der McKinsey-Manager Jürgen Kluge gefordert. Den Deutschlandfonds lediglich zur Vergabe von Kreditbürgschaften aufzulegen, reiche bei Weitem nicht aus, sagte er der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. "Die Wirklichkeit wird uns einholen." Kluge gilt als Ideengeber für den Deutschlandfonds.

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Selbst wenn sich erst einmal nur die abgespeckte Version durchsetzen wird: Bereits sie stößt bei Ökonomen auf wenig Gegenliebe. Joachim Scheide, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, warnt, dass sich der Staat in immer mehr Bereiche einmische, von denen er keine Ahnung habe. "Der Rettungsfonds für Banken war sicherlich sinnvoll, aber jede weitere Maßnahme sollte mit sehr viel Vorsicht angegangen werden", sagt er. "Der Staat kann doch nicht entscheiden, welche Autos gebaut werden oder was die Landwirtschaft anbaut."

Die CDU ist dennoch überzeugt von ihren Rettungsplänen. Sie hat den Deutschlandfonds in das "Zehn-Punkte-Programm für Deutschland" integriert, das sie am Wochenende auf ihrer Klausurtagung in Erfurt verabschiedete. Der Fonds solle "Unternehmen mit internationaler Wettbewerbsfähigkeit und gesunden Geschäftsmodellen helfen, die keine oder nicht in ausreichendem Maße Kredite erhalten", heißt es darin.

Angaben aus Koalitionskreisen zufolge plädiert die Unionsfraktion dafür, dass nicht nur die staatliche KfW den Fonds trägt, sondern die Hausbanken der Unternehmen in die Kreditvergabe einbezogen werden. Diese sollten nicht aus ihrer Pflicht zur Kreditvergabe entlassen werden. Auch die Idee, die staatlichen Hilfen über die KfW zu vergeben, war in der vergangenen Woche auf Kritik gestoßen. Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter forderte in einem Interview mit ZEIT ONLINE eine scharfe Kontrolle der Mittelvergabe durch den Staat, welche die KfW nicht leisten könne.

Es gibt viele weitere Kritikpunkte. Wie viel Geld der Deutschlandfonds brauchen wird, ist kaum zu kalkulieren. Gegenwärtig ist die Rede von 100 Milliarden Euro. "Es könnte zu Mitnahmeeffekten kommen", warnt daneben Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts  (HWWI). "Unternehmen könnten versuchen, Kredite, die eigentlich kein Problem sind, auch in den Fonds zu schmuggeln, weil die Kreditkosten durch die staatlichen Bürgschaften niedriger sind." Es sei außerdem ein enormer Aufwand für den Bund, die Kreditprobleme jedes einzelnen Unternehmens zu bewerten. "Welche Arbeit bleibt am Ende noch für die privaten Banken übrig?"

Leser-Kommentare
  1. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist kein Mitglied der SPD, er ist, wie (fast) jedes Kind weiß, von der CDU!
    Das ist ein wenig peinlich...

    Kollegialen Gruß!

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    aber wer wird denn so kleinlich sein? Ein Großteil der Wähler in NRW glaubt, er sei in der SPD. Vielleicht kommt die Autorin auch von dort? Außerdem belegt es meine These, dass es keine Alternative bei den Wahlen gibt. Es stellt sich eine Einheitspartei aus CDSUSPDGRÜNEFDP zur Wahl. Die Linke begehrt Zutritt, muss einstweilen aber noch draußen bleiben. Bis sie politikfähig ist wie in Berlin (Land).

    aber wer wird denn so kleinlich sein? Ein Großteil der Wähler in NRW glaubt, er sei in der SPD. Vielleicht kommt die Autorin auch von dort? Außerdem belegt es meine These, dass es keine Alternative bei den Wahlen gibt. Es stellt sich eine Einheitspartei aus CDSUSPDGRÜNEFDP zur Wahl. Die Linke begehrt Zutritt, muss einstweilen aber noch draußen bleiben. Bis sie politikfähig ist wie in Berlin (Land).

  2. ... aber angesichts seiner wirtschaftspolitischen Äußerungen auch nicht abwegig (wie schon einige Erwachsene festgestellt haben).

  3. aber wer wird denn so kleinlich sein? Ein Großteil der Wähler in NRW glaubt, er sei in der SPD. Vielleicht kommt die Autorin auch von dort? Außerdem belegt es meine These, dass es keine Alternative bei den Wahlen gibt. Es stellt sich eine Einheitspartei aus CDSUSPDGRÜNEFDP zur Wahl. Die Linke begehrt Zutritt, muss einstweilen aber noch draußen bleiben. Bis sie politikfähig ist wie in Berlin (Land).

    Antwort auf "Jürgen Rüttgers"
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    und Warnung! Bitte versuchen Sie nicht, diese Blockpartei anhand ihrer Kennfarben aus dem Malkasten ihrer Frau anzumischen. Das Ergebnis könnte Ihnen den Abend verderben. Soviel sei verraten - ein optimistisches Himmelblau kommt nicht heraus!

    und Warnung! Bitte versuchen Sie nicht, diese Blockpartei anhand ihrer Kennfarben aus dem Malkasten ihrer Frau anzumischen. Das Ergebnis könnte Ihnen den Abend verderben. Soviel sei verraten - ein optimistisches Himmelblau kommt nicht heraus!

    • Chali
    • 12.01.2009 um 13:11 Uhr

    Auch falsch geraten! Er ist von McKinsey!

    http://www.nachdenkseiten...

  4. Rettungsschirm ist das Zauberwort.

    Krise da - Schirm auf - alle drunter.
    Krise vorbei - Schirm zu - weiter geht's.

    Gerettet wird, in dem sich verschuldet, man verschiebt das Problem einfach in die Zukunft. In der Hoffnung das es sich dann einfacher lösen lässt.
    Das Rezessionsproblem wird in ein Verschuldungsproblem umgebaut.

    Es kann sogar sein das es sich löst.

    Die Schulden meines Grossvaters, und nicht nur seine, hatten sich durch die Inflation 1923 auch schlagartig gelöst. Er konnte Sie alle plötzlich zurückzahlen.

    Damals musste man niemand mehr aufgefordert werden das verfügbare Geld nicht zu sparen. Plötzlich wollten alle konsumieren, jeder seine Scheine loswerden. Belohnt wurden dann die, die sich rechtzeitig am meisten verschuldeten.

    So weit sind wir noch nicht. Jetzt machen wir erst richtig Schulden und lösen unsere Rezessionsprobleme. Dass mit den Schulden bekommen wir dann in einigen Jahren in den Griff.

    Ich habe da eine Idee .....

    kwer-denker

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    muß ich immer an einen deutschen Politiker namens Möllemann denken (ich glaube, er war sogar mal Wirtschaftsminister), der hatte so ein Ding. Leider können wir ihn zu seinen Erfahrungen damit nicht mehr befragen.... schade eigentlich.

    muß ich immer an einen deutschen Politiker namens Möllemann denken (ich glaube, er war sogar mal Wirtschaftsminister), der hatte so ein Ding. Leider können wir ihn zu seinen Erfahrungen damit nicht mehr befragen.... schade eigentlich.

  5. Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich k.... möchte! Erst lässt man einen kriminellen Manager der Automobilindustrie Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik machen, und nun verdient sich McKinsey mit dem Deutschlandfond eine goldene Nase damit, dass er unsere Steuergelder den Unternehmen in den Rachen wirft!

    • hamkon
    • 12.01.2009 um 15:51 Uhr

    Wer wagt es hier in diesen Hallen die allumfassende Allmacht unserer omnipotenten Potentaten an den Schalthebeln in den staatlichen und betrieblichen Machtzentralen in Frage zu stellen.

    Omnium deum.

    So eile nun einjeder an seine Stätte, wo er den Herrschern - jeder nach seiner Art und seinem Vermögen - zu huldigen gerufen ist.

    Wohl an ihr Knechte und Zweifler, lasset fahren all euer Wissen, Können und Vermögen und folgt den Sehenden und den von der Vorsehung gerufenen.

    So könnte es vielleicht bald auch in Die Zeit heissen, wenn die Entwicklung, die wir in Deutschland seit 1982 verzeichnen müssen, noch eine Weile anhält.

  6. würde jeden noch so zarten Abschwung wieder abwürgen".
    Ein Satz, mehrmals gelesen und trotzdem nicht verstanden, charakterisiert die gesamte Situation. Alle reden / schreiben und keiner sieht mehr durch.
    Soll das zarte Pflänzlein Abschwung also gehegt und gepflegt werden? Wozu dann Konjunkturpakete, die, Wirksamkeit mal unterstellt, die gleiche Wirkung haben könnten? Was ist überhaupt gewünscht- Aufschwung oder Abschwung? Ist das Defizit von heute besser als die Schulden von morgen?
    Oder ist so wie so schon alles egal?
    Vielleicht brauchen Wirtschaft, Politik und Medien einfach mal eine Auszeit.
    Wie wär's denn mal mit einer Fußball-WM außer der Reihe, damit wir alle mal auf andere Gedanken kommen?

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    "Eine Steuererhöhung würde jeden noch so zarten Abschwung wieder abwürgen..."

    Wirklich sehr aufmerksam gelesen! Hatte ich glatt übersehen!

    Ja, die selbsternannten Finanzexperten wissen offenbar selbst nicht mehr, was sie da so von sich geben. Aber eines eint sie alle: Auch in der Krise muss von unten nach oben verteilt werden. Da sind sie nun wieder mit ihrem Geschrei, die Lobbyisten, und passen auf, dass sie auch ein ordentliches Stück von unseren Steuergeldern absahnen. Die Leistung der "Experten" besteht eigentlich nur noch darin, den Ausverkauf zu legitimieren - ob sinnvoll oder unsinnig - schietegal!

    "Eine Steuererhöhung würde jeden noch so zarten Abschwung wieder abwürgen..."

    Wirklich sehr aufmerksam gelesen! Hatte ich glatt übersehen!

    Ja, die selbsternannten Finanzexperten wissen offenbar selbst nicht mehr, was sie da so von sich geben. Aber eines eint sie alle: Auch in der Krise muss von unten nach oben verteilt werden. Da sind sie nun wieder mit ihrem Geschrei, die Lobbyisten, und passen auf, dass sie auch ein ordentliches Stück von unseren Steuergeldern absahnen. Die Leistung der "Experten" besteht eigentlich nur noch darin, den Ausverkauf zu legitimieren - ob sinnvoll oder unsinnig - schietegal!

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