Ernö Rubik "Für mich ist er ein Kunstwerk"Seite 2/2

Ernö Rubik auf dem Höhepunkt des Würfel-Booms 1981
ZEIT ONLINE:
Wie sehen Sie den Zauberwürfel heute: als Puzzle, als Spiel, als Sport – oder als weitaus mehr?
Rubik:
Für mich ist der Zauberwürfel ein Kunstwerk. Er ist mehr als ein Objekt mit der Form eines Würfels aus Plastik, mehr als viele bunte Aufkleber, mehr als ein Puzzle und er ist sehr viel mehr als eine Spielerei. Wie viele andere Kunstwerke ist der Zauberwürfel mehr als er selbst. Obwohl er auf den ersten Blick sehr einfach aussieht, ist er tatsächlich ziemlich kompliziert und komplex zugleich. Dennoch: In seiner schönen Komplexität und trotz seiner Wandlungsfähigkeit bleibt er eine Einheit. Was mich auch heute noch interessiert, ist aber nicht mein Zauberwürfel als Objekt, sondern seine Beziehung zum Nutzer. Genauer gesagt: Millionen von Zauberwürfeln gegenüber Millionen von Nutzern.
ZEIT ONLINE:
Hatten Sie, als der Hype um den Zauberwürfel Ende der achtziger Jahre endete, damals schon die Hoffnung, dass es ein Comeback geben würde?
Rubik:
Keine Hoffnung. Den Glauben daran. Ich sage das nicht in einem kommerziellen Sinne. Ich war sicher, dass der Würfel nie vergessen wird.
ZEIT ONLINE:
Gab es Momente, in dem Sie dachten: Ich glaube, er ist wieder da?
Rubik:
Ich konnte nur feine Veränderungen erkennen, von Tag zu Tag, Monat zu Monat, oder Jahr zu Jahr: steigende Verkaufszahlen, eine zunehmende Präsenz in den Medien, Wettbewerbe und viel mehr Suchtreffer im Internet.
ZEIT ONLINE:
Was bedeutet die Wiedergeburt des Zauberwürfels für Sie persönlich?
Rubik:
Ich sehe seine Rückkehr als einen Beweis. Sie beweist, dass das, was ich getan habe, richtig war. Es beweist, dass ich ein gewöhnlicher Mann bin, dessen Gedanken, Gefühle und Reaktionen die gleichen sind wie die vieler Millionen Menschen auf der ganzen Welt, vor allem der Jungen und derjenigen Alten, die fähig sind, jung im Herzen zu bleiben. Wir möchten eine Herausforderung annehmen und das Ergebnis genießen.
ZEIT ONLINE:
Sie sind 64 Jahre alt, Ihr halbes Leben haben Sie mit dem Zauberwürfel verbracht. Was schulden Sie ihm?
Rubik:
Erfolg ist für uns alle wichtig. Für unser Selbstbewusstsein ist weniger die Größe des Erfolgs entscheidend, als vielmehr sein Fortbestand im Alltag. Kleine Erfolge, wie etwas pünktlich zu sein, den Bus zu erwischen, eine Prüfung zu bestehen, dem Hund einen neuen Trick beizubringen, einen sonnigen Tag zu erleben, etwas Schönes zu sehen.
ZEIT ONLINE:
Was erträumen Sie sich für die Zukunft des Würfels?
Rubik:
Offen gesagt bin ich kein Träumer. Ich habe keine Träume, weder im Schlaf noch im wachen Zustand. Ich bin sicher, der Zauberwürfel wird ewig leben.
Die Fragen stellte Matthias Stolz
- Datum 16.01.2009 - 16:27 Uhr
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