Jobs' Rückzug Drama für Apple

Steve Jobs ist doch kränker als gedacht. Der Konzern hat es aber versäumt, sich rechtzeitig von seiner Lichtgestalt zu emanzipieren. Ein Kommentar

Lichtgestalt vor Jüngern: Steve Jobs während einer seiner Präsentationen

Lichtgestalt vor Jüngern: Steve Jobs während einer seiner Präsentationen

Nun geht er also doch. Apple-Chef Steve Jobs nimmt aus gesundheitlichen Gründen eine Auszeit. Ein knappes halbes Jahr will der Manager des kalifornischen Elektronikkonzerns pausieren, um sich zu kurieren. Im Sommer, so schrieb er an seine Mitarbeiter, werde man sich wieder sehen.

Jobs geht es schlechter als gedacht. Schon vor Jahren litt er unter Bauchspeicheldrüsenkrebs, schien die Erkrankung aber überwunden zu haben. Im vergangenen Jahr machten Gerüchte von einem Rückfall die Runde. Prompt fiel der Aktienkurs von Apple um zehn Prozent. Jobs dementierte die neuerliche Erkrankung, gab wenig später aber zu, unter einer Hormonstörung zu leiden. Angeblich keine große Sache, nun aber doch komplizierter als gedacht.

Für den Hersteller von Computern, der MP3-Player-Familie iPod und dem iPhone-Handy ist das eine Katastrophe. So erfolgreich Apple in den vergangenen Jahren gewesen ist, so fatal war die Fixierung auf die Lichtgestalt. Ohne Steve Jobs kann man sich Apple kaum vorstellen. Aber was wird aus dem Unternehmen, wenn er nicht mehr ist? Gut möglich, dass aus dem geplanten halben Jahr ein Ausstieg auf Raten wird.

Personenkult kennzeichnet die Hightechbranche, das war schon zu Zeiten von Bill Gates so, dem Gründer von Microsoft. Ob er, die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin oder eben Steve Jobs ­- sie alle hatten Imperien errichtet, ihnen traute man jedes Wunder zu. Sie wurden verklärt und auf fast schon religiöse Art verehrt.

Dabei reicht schon der gesunde Menschenverstand, um zu erkennen, dass auch ein Steve Jobs nicht ganz allein für iPods, iPhones und iBooks verantwortlich gewesen sein kann. Die guten Designer, Ingenieure, Marketingprofis zu finden und zu motivieren, das war seine größte Leistung.

Steve Jobs hat möglicherweise den Fehler gemacht, den Personenkult zuzulassen. Zwar stimmt es: Als Jobs seine Firma in den achtziger Jahren im Streit verlassen hatte, ging es mit dem damals reinen Computerproduzenten bergab. Als er in den Neunzigern zurückkehrte, kam die Wende. Heute ist Apple mit einer Reihe von elektronischen Produkten erfolgreicher denn je.

Einen würdigen Nachfolger hat er aber nicht aufgebaut ­ oder aufbauen können. Wer bitteschön ist Tim Cook, der den Großmeister nun vertreten soll? Apple muss sich von Jobs emanzipieren. Früher oder später.

 
Leser-Kommentare
  1. "...seiner großartig inszenierten Präsentationen..."
    (Anmerkung: Damit sollte die "Lichtgestalt vor Jüngern" erklärt werden. Wir haben diese nun dennoch geändert, um Missverständnisse zu vermeiden. Die Redaktion/jk)

    • ben_
    • 15.01.2009 um 13:37 Uhr
    2. Also.

    1. Natürlich ist er kränker als gedacht. Das ist doch normal. Weil es uns ja eigentlich gar nichts angeht, wie krank Steve Jobs nun ist oder nicht. Und weil ein Konzern sowas natürlich immer zurückhält oder runterspielt. Normal.

    2. Ich kann mir nicht vorstellen, wie, v.a. aber warum sich ein Unternehmen wie Apple sich von sojemandem wie Steve Jobs emanzipieren sollte? Menschen wie Jobs sind Ausnahmeerscheinungen für die man als Unternehmen nur dankbar sein kann wenn man sie hat. Das was Job leistet kann durch keine Emanzipation erreicht werden. Er ist sowas wie der Turbo-Boost. Mit Turbo-boost kann man 200 Kmh fahren. Emanzipiert man sich davon kann man auch mit dem besten Auto nur 190 fahren.

    3. Apple hat das mit weitem Abstand erfolgreichste Popprodukt dieses nun ausklingenden Jahrzehnts erfunden und weiterentwickelt. "Ipod" ist zum Pseudonym für MP3 Player geworden und Apples neue Produkte haben den Status von Popstars erreicht. Leute warten Tage lang vor Geschäften in Schlangen. Apple ist eine der erfolgreichsten Marken der 00er. Apple hätte es schlicht nicht nötig sich von Steve Jobs zu emanzipieren - selbst wenn das möglich wäre.

    S. dazu auch Anton Waldts großartigen Artikel in der Debug:
    http://www.de-bug.de/mag/...

    Und: Können wir bitte eine dritte Klotür für Lichtgestalten einrichten? Dann kann man sich vielleicht auch davon emanzipieren.

    --
    der geist in der maschine

  2. http://imgs.xkcd.com/comi...

    disclaimer:
    dieser beitrag kann ironie enthalten!
    laut zeit-redaktion übersteigt ironie das geistige leistungsvermögen vieler zeit-leser und senkt das intellektuelle niveau, deswegen muss uu zum besten der leser zensiert werden!

    • lispm
    • 15.01.2009 um 21:57 Uhr

    Mit Glück fällt er ein paar Monate aus und ist dann wieder an Bord. Soll ein designierter Nachfolger das Schicksal von Prinz Charles erleiden?

    Steve Jobs war damals auch nicht einfach nur zurückgekehrt. Er hatte damals etwas, was Apple dringend brauchte: ein moderneres Betriebssystem (NeXT OS). Das hat Apple gekauft - für viel Geld. Apple hatte sich damals einige Alternativen angesehen, nachdem man mit eigenen Projekten gescheitert war.

    Steve Jobs kennt das Business wie kaum jemand anders. Er hat auch eine Menge Ideen umgesetzt. Er ist nicht nur der Manager, der eine Firma operativ am Leben hält. Er hat den Apple II mit auf den Weg gebracht, hat die ersten Macs zum Erfolg gemacht, hat mit NeXT Workstations entwickelt, hat mit PIXAR eine Computergrafikfirma zum Erfolg geführt, usw. usw.

    Es wird nicht viele Menschen im Computerbusiness geben, die diese Erfahrung haben und diese Erfolgsquote haben.

    Ueber einen Nachfolger sollte Apple nachdenken, wenn Steve Jobs abdankt. Eine krankheitsbedingte Pause ist erst einmal nur eine Pause.

    Was die Apple-Mitarbeiter an der Spitze angeht, hat Apple schon seit einiger Zeit einige Manager präsentiert. Dass dem Autor diese nicht einfallen, ist nicht die Schuld von Apple. Z.B. wurde Jonathan Ive als Designer von iMac, Macbook Pro, iPod, iPhone reichlich medial präsentiert. Schon vergessen? Das der Autor den langjährigen COO Tim Cook von Apple nicht kennt ist auch nicht die Schuld von Apple. Tim Cook ist immerhin seit vielen Jahren bei Apple und führt als COO das operative Tagesgeschäft.

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