Börse Der Staat ist zu großzügig
Hilfspakete retten Existenzen. Auf lange Sicht können sie aber mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften, warnt das Börs-o-Meter
Die Weihnachtszeit, die üblicherweise am 6. Januar zu Ende geht, ist in diesem Jahr noch nicht vorbei. Alle paar Tage verteilt der Staat neue Geschenke – in der vergangenen Woche an die Commerzbank.
Nun weiß man seit Keynes: Staatliche Eingriffe können sinnvoll sein, falls der Markt nicht mehr in der Lage ist, alleine aus dem Schlamassel herauszukommen, in das er sich gebracht hat. Vergessen wird dabei leicht: Es sollte eine Notmaßnahme sein. Nur wenn nichts anderes mehr hilft, darf der Staat sich einmischen.
Hier liegt die große Gefahr der ganzen Rettungspakete. Spätestens seit der Lehman-Pleite ist wohl allen Beteiligten klar, dass der Staat große Unternehmen nicht mehr so leicht bankrott gehen lassen wird. Der Lehman-Kollaps zog das ganze Finanzsystem in Mitleidenschaft. Nach ihm halten die Regierungen umso schneller ihre schützende Hand über in Not geratene Banken und Unternehmen.
Dadurch retten sie Existenzen. Volkswirtschaftlich aber sind die Rettungsaktionen nicht unbedingt sinnvoll. Hat der Staat erst einmal Einfluss auf ein Unternehmen gewonnen, könnte er leicht versucht sein, diesen so schnell nicht wieder aufzugeben. Schließlich muss er Posten vergeben, um verdiente Politiker zu versorgen. Und die Überzeugung der Politik, vieles besser zu können als der Markt, ist nicht auszurotten – nur leider häufig falsch.
Sobald aber politischer Zwang und fehlende Fachkompetenz zusammenkommen, läuft man schnell Gefahr, kurzfristig gut gemeinte Aktionen in mittelfristig sehr kostspielige und wenig Erfolg versprechende Unterfangen zu verwandeln. Die Unternehmen, die in der Vergangenheit bereits einen starken Einfluss des Staates gespürt haben, konnten schließlich auch nicht durch überzeugende Leistungen glänzen – ganz im Gegenteil. Man erinnere sich nur an die Landesbanken.
Was heißt das aber für die Finanzmärkte? Die Reaktion der Börsianer auf die Teilverstaatlichung der Commerzbank zeigt: Ruhe kehrt durch staatliches Handeln nicht immer ein. Die Alt-Aktionäre werden entmachtet, Dividenden gibt es keine mehr. Dafür werden den übernommenen Instituten Hilfen gewährleistet, die ihnen ein leichteres Leben garantieren.
So erhält die Bank einen Wettbewerbsvorteil, den sie nicht an die Aktionäre weitergibt – falls die Rettung gelingt. Geht sie schief, wird das Geldhaus zum teuren Subventionsgrab.
Sobald Staatshilfen wie bei der Commerzbank verkündet werden, sollte die Regierung festlegen, wann sie sich wieder aus dem Geschäft zurückziehen wird. Denn wenn eine Bank auch auf mittlere Frist nicht allein überleben kann, so hat sie an den Märkten nichts verloren.
In der Vergangenheit haben Staatseingriffe an den Märkten meist langfristig mehr gekostet als sie kurzfristig brachten. Warum sie dennoch wieder in Mode sind, ist psychologisch leicht zu erklären. Der Mensch schätzt das, was er sofort haben kann, hoch ein, selbst wenn er später teuer dafür zahlt. Doch auf diese Art werden die Börsen nicht gestützt.
Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer montags die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.
- Datum 07.05.2009 - 12:24 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 17
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Sollte es der Bank in einigen Jahren besser gehen wird der Bund schon von alleine aussteigen. Der Bund verkauft gerne sogenanntes "Tafelsilber" um seine Verschuldung zu begrenzen. So geschehen mit Post, Telekom, Lufthansa-Anteilen ecetera. Ich halte die Befürchtungen daher für überzogen.
Was heißt aussteigen? Es sollte doch darum gehen, dass der Staat die "Investition" bezahlt bekommt, sprich der Steuerzahler. Es macht erst dann Sinn auszusteigen, wenn der Staat "sein" Geld zurückbekommt plus Zinsen (Dividenden).
Anmerkungen zu folgenden Ausführungen im Artikel.
- So erhält die Bank einen Wettbewerbsvorteil, den sie nicht an die Aktionäre weitergibt – falls die Rettung gelingt. Geht sie schief, wird das Geldhaus zum teuren Subventionsgrab. -
Es ist ja wohl richtig, dass der Staat für den Anteil des übernommenen Kapitals die Dividenden bekommt und nicht die "anderen" Aktionäre.
- Sobald Staatshilfen wie bei der Commerzbank verkündet werden, sollte die Regierung festlegen, wann sie sich wieder aus dem Geschäft zurückziehen wird. Denn wenn eine Bank auch auf mittlere Frist nicht allein überleben kann, so hat sie an den Märkten nichts verloren. -
Zum ersten Satz mein Kommentar oben. Zum zweiten Satz ... richtig. Aber nur dann wenn die Verantwortlichen auch zur Kasse gebeten werden (Landesbanken und KfW). Es darf nicht sein, dass die Mitarbeiter arbeitslos werden und die Verantwortlichen (Vorstand und Top-Management) mit Abfindungen nach Hause gehen.
Was heißt aussteigen? Es sollte doch darum gehen, dass der Staat die "Investition" bezahlt bekommt, sprich der Steuerzahler. Es macht erst dann Sinn auszusteigen, wenn der Staat "sein" Geld zurückbekommt plus Zinsen (Dividenden).
Anmerkungen zu folgenden Ausführungen im Artikel.
- So erhält die Bank einen Wettbewerbsvorteil, den sie nicht an die Aktionäre weitergibt – falls die Rettung gelingt. Geht sie schief, wird das Geldhaus zum teuren Subventionsgrab. -
Es ist ja wohl richtig, dass der Staat für den Anteil des übernommenen Kapitals die Dividenden bekommt und nicht die "anderen" Aktionäre.
- Sobald Staatshilfen wie bei der Commerzbank verkündet werden, sollte die Regierung festlegen, wann sie sich wieder aus dem Geschäft zurückziehen wird. Denn wenn eine Bank auch auf mittlere Frist nicht allein überleben kann, so hat sie an den Märkten nichts verloren. -
Zum ersten Satz mein Kommentar oben. Zum zweiten Satz ... richtig. Aber nur dann wenn die Verantwortlichen auch zur Kasse gebeten werden (Landesbanken und KfW). Es darf nicht sein, dass die Mitarbeiter arbeitslos werden und die Verantwortlichen (Vorstand und Top-Management) mit Abfindungen nach Hause gehen.
Es ist ja schön und gut, den angeschlagenen Unternehmen helfen zu wollen, jedoch muss das Staatsgeld ja auch irgendwoher kommen. Deutschland hat Schulden, viel Schulden und die Steuergelder können das nicht auffangen.
Das heißt, der Staat verschuldet sich noch mehr, z.b. durch Staatsanleihen, die ja angeblich so sicher sein sollen.
Aber gerade in der letzten Zeit gibt es Hinweise darauf, dass sich die Bonität der Länder sehr verschlechtert haben, außerdem werden auf Grund der großen Nachfrage die Konditionen immer schlechter.
Dann steigt auch noch die Arbeitslosigkeit, vor allem in den USA, bei uns wird es sicher auch noch kommen.
"Es mag daran liegen, dass im Gesamtjahr 2008 insgesamt 2,6 Millionen Arbeitsplätze verloren gingen. Das ist mal eben der stärkste Stellenabbau seit 1945!"
liest man zurzeit.
Sharewise sagt:
Allerdings hat ein Stellenabbau natürlich direkte Auswirkungen auf den Konsum in den USA. Dieser ist bekanntlich die mit Abstand größte Säule des US-Wirtschaftswachstums. Und hier beginnt der desaströse Kreislauf einer Wirtschaftskrise.
http://www.sharewise.com/...
Das gibt doch nicht gerade Hoffnung als Staatsschuldner gut schlafen zu können.
"Alle paar Tage verteilt der Staat neue Geschenke – in der vergangenen Woche an die Commerzbank."
Das Geschenk ging nicht an die Commerzbank sondern an die Allianz.
Als Beobachter der aktuellen Entwicklung an den Finanzmärkten sollte Herrn Mattern
das nicht entgangen sein.
Nicht alles, was wahr ist, muss man auch sagen
Schließlich muss er Posten vergeben, um verdiente Politiker zu versorgen.
Das ist ja wohl in erster Linie ein Problem des Herrn Michael Diekmann.
(http://www.sueddeutsche.d...)
Besonders schön finde ich ja den Satz
Man sage jetzt nicht, dass das Geld schließlich nicht verloren sei. Denn wie will der Staat von einem Schuldner 18 Milliarden zurückbekommen, der nur vier Milliarden wert ist. Keine Bank ließe sich auf ein solches Geschäft ein.
aus http://www.tagesspiegel.d...
Nicht alles, was wahr ist, muss man auch sagen
Schließlich muss er Posten vergeben, um verdiente Politiker zu versorgen.
Das ist ja wohl in erster Linie ein Problem des Herrn Michael Diekmann.
(http://www.sueddeutsche.d...)
Besonders schön finde ich ja den Satz
Man sage jetzt nicht, dass das Geld schließlich nicht verloren sei. Denn wie will der Staat von einem Schuldner 18 Milliarden zurückbekommen, der nur vier Milliarden wert ist. Keine Bank ließe sich auf ein solches Geschäft ein.
aus http://www.tagesspiegel.d...
Was heißt aussteigen? Es sollte doch darum gehen, dass der Staat die "Investition" bezahlt bekommt, sprich der Steuerzahler. Es macht erst dann Sinn auszusteigen, wenn der Staat "sein" Geld zurückbekommt plus Zinsen (Dividenden).
Anmerkungen zu folgenden Ausführungen im Artikel.
- So erhält die Bank einen Wettbewerbsvorteil, den sie nicht an die Aktionäre weitergibt – falls die Rettung gelingt. Geht sie schief, wird das Geldhaus zum teuren Subventionsgrab. -
Es ist ja wohl richtig, dass der Staat für den Anteil des übernommenen Kapitals die Dividenden bekommt und nicht die "anderen" Aktionäre.
- Sobald Staatshilfen wie bei der Commerzbank verkündet werden, sollte die Regierung festlegen, wann sie sich wieder aus dem Geschäft zurückziehen wird. Denn wenn eine Bank auch auf mittlere Frist nicht allein überleben kann, so hat sie an den Märkten nichts verloren. -
Zum ersten Satz mein Kommentar oben. Zum zweiten Satz ... richtig. Aber nur dann wenn die Verantwortlichen auch zur Kasse gebeten werden (Landesbanken und KfW). Es darf nicht sein, dass die Mitarbeiter arbeitslos werden und die Verantwortlichen (Vorstand und Top-Management) mit Abfindungen nach Hause gehen.
Nicht alles, was wahr ist, muss man auch sagen
Schließlich muss er Posten vergeben, um verdiente Politiker zu versorgen.
Das ist ja wohl in erster Linie ein Problem des Herrn Michael Diekmann.
(http://www.sueddeutsche.d...)
Besonders schön finde ich ja den Satz
Man sage jetzt nicht, dass das Geld schließlich nicht verloren sei. Denn wie will der Staat von einem Schuldner 18 Milliarden zurückbekommen, der nur vier Milliarden wert ist. Keine Bank ließe sich auf ein solches Geschäft ein.
aus http://www.tagesspiegel.d...
vom Sachverhalt überzeugen möchte, empfehle ich
http://www.nachdenkseiten...
der "Staat" und damit das Volk kauft sich etwas, das es schon hat.
Wieviel Sinn macht da wohl ein "Merkel'sches Rettungspaket" ???
veni creator spiritus
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