Teilverstaatlichung Commerzbank stürzt an Börse ab

Die Aktie fiel zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand ihrer Geschichte. Doch manche Börsianer begrüßen den Einstieg des Bundes. Der verteidigt sein Engagement

Im Handelsverlauf sackte der Kurs des Papiers um bis zu 15 Prozent auf 4,47 Euro. Bis zum Nachmittag erholte er sich wieder leicht. Der Kursverlust spiegelt den Vertrauensverlust wieder, den die Commerzbank aus Sicht vieler Börsianer durch die Teilverstaatlichung erlitten hat. Sie glauben, dass die Risiken der Fusion mit der Dresdner Bank eher größer geworden sind.

"Die Commerzbank kann auf Jahre kein Geld verdienen!", schimpfte ein Händler. Alleine die Zinsen für die stillen Einlagen des Rettungsfonds SoFFin in Höhe von insgesamt 16,2 Milliarden Euro beliefen sich auf knapp 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Im besten Jahr 2007 erwirtschaftete die Bank einen Überschuss von 1,9 Milliarden Euro. "Hat da noch jemand Fragen? Das ist nur noch eine reine Abwicklungsbank für den Mittelstand. Das alles ist eine Riesenfarce!" Eine Analystin forderte die Beseitigung gefährlicher Vermögensteile und eine drastische Restrukturierung der Bank, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen.

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Nicht alle Börsianer standen der Teilverstaatlichung der Commerzbank jedoch kritisch gegenüber. Marktstratege Robert Halver von der Baader Bank hält sie für den richtigen Schritt und proklamiert "mehr Sicherheit durch staatliche Hilfen!"

Das Vorgehen des Bundes schaffe "wettbewerbliche Waffengleichheit" zwischen den europäischen und US-amerikanischen Banken. Den US-Banken würden bereits die Risikopapiere aus den Bilanzen gekauft. Sie seien damit "via staatlichem TÜV-Stempel einfach attraktiver" und könnten nicht mehr untergehen. Diese Banken würden zu "großen Powerhäusern mit staatlicher Hilfe".

Andere deutsche Banken, beispielsweise Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken, befürchten hingegen Wettbewerbsnachteile, weil sie bislang keine Staatsgelder in Anspruch genommen haben.

Die Bundesregierung verteidigte ihre Beteiligung an der Commerzbank und betonte erneut, sich nicht ins Tagesgeschäft einmischen zu wollen. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte dem Handelsblatt, die direkte Beteiligung des Staates an der Commerzbank diene der besseren Versorgung der Wirtschaft mit Krediten. Der Finanzexperte der Union, Otto Bernhardt (CDU), schloss gar weitere Finanzspritzen für die Commerzbank nicht aus. "Notfalls müsste der Staat die Bank auch komplett übernehmen", sagte er.

Leser-Kommentare
    • Chali
    • 09.01.2009 um 11:13 Uhr

    ... dass wenigstens die zwei schon mal ausreichend alimentiert sind.

    Unfassbar einfach ... unfassbar. Ich hätte es nicht geglaubt.

  1. Die Privatwirtschaft kann alles besser!
    Liebe Jusos von 1970. Bei euch muss man Abbitte tun. Ihr wurdet verbal verprügelt für die Erkenntnis, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert werden und man hat euch damals als Spinner bezeichnet. Heute wissen wir es besser und die Förderer der Privatisierung tun so, als ob sie mit dem Ganzen nichts zu tun hätten.

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    • Chali
    • 10.01.2009 um 7:28 Uhr

    Gerade wollte ich die selbe Abbitte leisten! Die ganze Nacht habe ich gegrübelt und gehadert ...

    • Chali
    • 10.01.2009 um 7:28 Uhr

    Gerade wollte ich die selbe Abbitte leisten! Die ganze Nacht habe ich gegrübelt und gehadert ...

  2. Des Pudels Kern:
    Auch wenn die Bemerkungen ziemlich gängig erscheinen,so gehen sie doch an der
    Wirklichkeit vorbei.
    Tatsache bleibt,dass Verluste immer sozialisiert werden.Die Frage ist,was kommt uns teurer zu stehen: die Unternehmen mit Milliarden zu unterstützen oder,wenn nicht,die als Folgen des Nichtstuns zu schulternden Milliarden in Form von Sozial-
    und Arbeitslosengeld zu berappen.Beides ist teuer,aber bei Nichtstun in jeder Beziehung teurer.
    Setzt der Staat dagegen Hilfen ein,so müssen sich die Unternehmen wenigstens an
    der Überwindung der Krise beteiligen.Des Pudels Kern ist immer noch der Faktor Arbeit.Nur dieser Faktor ist in der Lage,uns aus diesem Sumpf zu ziehen,auch wenn er von Unternehmen dauernd als Druckmittel verwendet wird.
    u.kalina

  3. "Der Bund übernimmt gut 25 Prozent an dem zweitgrößten deutschen Finanzinstitut und führt dem Geldhaus über den Rettungsfonds SoFFin insgesamt weitere 10 Milliarden Euro zu."
    Was heisst das "zufuehren" hier: bekommt die Bank einen Kredit (aber warum bekommt der Bund dann Anteile?) oder kauft sich der Bund da ein?
    Ich befuerchte, Letzteres ist der Fall, deshalb wird auch diese ungewoehnliche Formulierung gewaehlt : eine Riesensauerei ist das dann!
    Jeden Pfennig (sorry, Cent) versucht der Staat mir abzuluchsen, die Fruechte meiner Arbeit wird so oft wie moeglich besteuert, was an sich schon unglaublich ist, und dann wird das den Banken in den .. geschoben, damit sie weiterspielen koennen?
    Schade, dass der Deutsche so phlegmatisch und obrigkeitstreu ist, sonst muessten schon die ersten Nobel-Palaeste brennen, die gerade in Frankfurt so grosskotzig hingestellt wurden (es muss ja mal verdient worden sein, aber wer hatte etwas davon?)!!!

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    • Wilbur
    • 09.01.2009 um 13:04 Uhr

    ...denn die Leistungen aus dem Rettungsfonds SoFFin sind zu verzinsen. Der Bund kauft sich keineswegs einfach ein, sondern die insgesamt rund 18 Mrd. Euro muss die Commerzbank mit ~9 % Zins bedienen.

    Somit kostet die Commerzbank diese Unterstützung ca.1,5 Mrd. Euro p.a., was allerdings in Umkehrung auch bedeutet, dass diese Bank bis auf weiteres keinen Gewinn mehr machen dürfte.

    Insbesondere letzteres läßt mich allerdings fragen, wie denn dieser Schirm jemals wieder zugemacht werden soll?

    • Wilbur
    • 09.01.2009 um 13:04 Uhr

    ...denn die Leistungen aus dem Rettungsfonds SoFFin sind zu verzinsen. Der Bund kauft sich keineswegs einfach ein, sondern die insgesamt rund 18 Mrd. Euro muss die Commerzbank mit ~9 % Zins bedienen.

    Somit kostet die Commerzbank diese Unterstützung ca.1,5 Mrd. Euro p.a., was allerdings in Umkehrung auch bedeutet, dass diese Bank bis auf weiteres keinen Gewinn mehr machen dürfte.

    Insbesondere letzteres läßt mich allerdings fragen, wie denn dieser Schirm jemals wieder zugemacht werden soll?

    • Wilbur
    • 09.01.2009 um 13:04 Uhr

    ...denn die Leistungen aus dem Rettungsfonds SoFFin sind zu verzinsen. Der Bund kauft sich keineswegs einfach ein, sondern die insgesamt rund 18 Mrd. Euro muss die Commerzbank mit ~9 % Zins bedienen.

    Somit kostet die Commerzbank diese Unterstützung ca.1,5 Mrd. Euro p.a., was allerdings in Umkehrung auch bedeutet, dass diese Bank bis auf weiteres keinen Gewinn mehr machen dürfte.

    Insbesondere letzteres läßt mich allerdings fragen, wie denn dieser Schirm jemals wieder zugemacht werden soll?

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    • Chali
    • 10.01.2009 um 7:31 Uhr

    Somit kostet die Commerzbank diese Unterstützung ca.1,5 Mrd. Euro p.a.,

    ... dass die Commerzbank diese Summe überhaupt verdient?

    • Chali
    • 10.01.2009 um 7:31 Uhr

    Somit kostet die Commerzbank diese Unterstützung ca.1,5 Mrd. Euro p.a.,

    ... dass die Commerzbank diese Summe überhaupt verdient?

    • Chali
    • 10.01.2009 um 7:28 Uhr

    Gerade wollte ich die selbe Abbitte leisten! Die ganze Nacht habe ich gegrübelt und gehadert ...

    Antwort auf "Wie war das noch?"
    • Chali
    • 10.01.2009 um 7:31 Uhr

    Somit kostet die Commerzbank diese Unterstützung ca.1,5 Mrd. Euro p.a.,

    ... dass die Commerzbank diese Summe überhaupt verdient?

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