Fussball Beckhams italienisches Gastspiel
David Beckham ist vorübergehend nach Europa zurückgekehrt. Dieser Wechsel könnte sportliche und wirtschaftliche Hintergründe haben. Er könnte sogar eine Dauerlösung werden.

© Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images
Wirkt momentan in Mailand: David Beckham, Werbeträger, Popstar, Fußballer - in dieser Reihenfolge
Die warme Sonne Kaliforniens gegen eisigen Mailänder Winternebel einzutauschen, klingt zunächst nach einer Torheit. Doch für David Beckham, den Glamour-Kicker aus England, scheint die italienische Serie A und der AC Mailand zum strahlenden Fußballmekka geworden. Beckham hat offenbar andere als klimatische Prioritäten: "Ich kann ohne hartes Training die amerikanische Winterpause nicht überstehen", sagt er. Und weiter: "Fußball ist mein Leben! Ich kann nicht monatelang untätig sein."
Aus der Not machte Beckham kurzerhand eine Tugend: Er heuerte bei dem Verein an, der weltweit nicht nur die meisten Trophäen vorweisen kann, sondern auch die größte Medienmacht hinter sich weiß: das TV-Imperium des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Bis zum 9. März wird Beckham offiziell beim AC Mailand trainieren. Er darf auch Ligaspiele bestreiten. Dann wird er wieder nach Los Angeles zum Galaxy-Team zurückkehren. So die Vereinbarung.
"Doch wir hoffen, dass es ihm bei uns gefällt und er bei uns bleibt", bekennt Milan-Vizepräsident Adriano Galliani. Die bis dahin erzielten Erlöse werden sich Beckham und der AC Mailand teilen. Allein für TV-Auftritte verlangt Beckhams Manager eine Gage von 500.000 Euro. Diverse Sender stehen schon Schlange.
Beckham ist ein raffinierter Medienprofi. Alles, was ihm mit seinem Charmeurlächeln über die Lippen geht, klingt wie eine Offenbarung: schwerwiegend und bedeutungsvoll. Auch wenn er eine Banalität zum Besten gibt. "Es gibt nicht so viele Klubs, wo man so hart trainiert wie bei Milan", sagt er.
Damit das PR-Unternehmen greift, setzt er gezielt Ehefrau Victoria und seine drei männlichen Stammhalter Brooklyn, Cruz und Romeo ein. Er zeigt sich als fürsorglicher Familienvater. Generös und spendabel ist Beckham obendrein. Zeitungen mutmaßen, dass er mit Gattin Victoria an den zwei Tagen seiner offiziellen Vorstellung in Mailand über 100.000 Euro unter die Mailänder Geschäftsleute brachte. Nein, dass Mailand eine Modemetropole ist, habe bei seiner Entscheidung für das Kurzengagement beim AC Mailand keinen Ausschlag gegeben.
Schon vor zwei Jahren stand Beckham kurz davor, zu Milan zu wechseln, als er bei Real Madrid keine Zukunft mehr sah. Schleifer Fabio Capello, der damals Real trainierte, hatte ihn dazu förmlich gedrängt. Am Ende entschied sich Beckham für die märchenhafte Millionen-Offerte aus Los Angeles. Unglaubliche 195 Millionen Euro bot der kalifornische Klub für einen Fünfjahresvertrag.
Jetzt hat Capello Beckham wieder zu einer kuriosen Entscheidung veranlasst. Der möchte sich seinen Stammplatz in der englischen Nationalmannschaft zurückerobern. Und da regiert seit einem Jahr mit eiserner Hand just jener Fabio Capello, vor dem englische Spieler und Funktionäre bibbern. Aber ob die englische Nationalmannschaft, die unter Capello im Hinblick auf die WM in Südafrika klammheimlich in eine Favoritenrolle geschlüpft ist, den Spieler Beckham noch braucht? Schon eher den Werbeträger Beckham.
Immerhin kennt und schätzt Capello die rauen Trainingsgepflogenheiten beim AC Milan, den er in den Neunzigern insgesamt sechs Jahre lang trainierte. Mit den Milan-Stars wie Kakà, Schewtschenko oder Ronaldinho versteht sich Beckham prächtig. "Die Einfachheit ist seine stärkste Waffe", sagt Ronaldinho über Beckham und fügt hinzu: "Mit dem Willen kann man viel erreichen!" Daran mangelt es ihm nicht.
Beckhams Gastspiel könnte noch einen anderen Hintergrund haben: Vermutlich ist seinem amerikanischen Arbeitgeber aufgrund der Finanzkrise das Geld ausgegangen, und Beckham sucht nach einem eleganten Absprung. Eine Ausstiegsklausel aus seinem Millionenvertrag soll Ende 2009 greifen können, wie jetzt verlautete.
- Datum 08.01.2009 - 14:21 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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.... der erste Fußballer dessen Gesicht mehr wert ist als seine Beine....
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