Computer Heime für Hacker

Computertüftler haben das Vereinsleben entdeckt: Nach deutschem Vorbild werden in den USA immer neue Klubs gegründet - zum gemeinsamen Hacken und Programmieren

Computertüftler sind häufig Einzelgänger. Vereine wollen das ändern: In Hackerspaces können Mitglieder gemeinsam an Projekten arbeiten

Computertüftler sind häufig Einzelgänger. Vereine wollen das ändern: In Hackerspaces können Mitglieder gemeinsam an Projekten arbeiten

Der New Yorker Hacker und Webshow-Moderator Bre Pettis hat ein Faible für technische Spielereien. Gern baut er Erfindungen anderer Tüftler nach oder bastelt an Hardware. Am liebsten geht der ehemalige Lehrer seiner Leidenschaft in dem von ihm mitgegründeten Hackerkollektiv "NYC Resistor" nach. In den angemieteten Räumen einer Fabriketage in Brooklyn baut man hier kleine Roboter, programmiert Software oder lötet Elektronikteile zusammen. Pettis und seine Mitstreiter weisen die Einordnung als Computerkriminelle weit von sich, sie verstehen sich vielmehr als experimentierfreudige Technik-Enthusiasten, die sich mit Dingen beschäftigen, die "blinken, fiepsen oder sich bewegen“, wie es auf ihrer Webpräsenz heißt.

Ein eigener Raum für Hacker – damit liegen die New Yorker voll im Trend: Ob das /tmp/lab bei Paris, Noisebridge in San Francisco, das Metalab in Wien oder HacDC in Washington – weltweit schießen immer mehr selbstorganisierte "Hackerspaces" aus dem Boden, in denen der kreative Umgang mit Technik gepflegt wird. Das Portal hackerspaces.org verzeichnet mehr als 100 solcher Orte, Tendenz steigend. Sogar im südafrikanischen Durban gründet sich derzeit ein Raum für Geeks und Nerds.

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Auch auf dem letzten Kongress der deutschen Hackervereinigung CCC in Berlin wurde das Phänomen auf einem Panel beleuchtet. Angesichts der vielen Neugründungen in Europa und Amerika riefen die Teilnehmer der Diskussionsrunde, unter ihnen auch Pettis, euphorisch eine "globale Bewegung der Hackerspaces" aus.

Paul Böhm, Initiator des mittlerweile mehr als 130 Mitglieder umfassenden Metalabs , definierte Hackerspaces als Räume, die Infrastruktur wie Rechner, Strom und Netzanschluss stellen. Dort treffen sich Leute mit gemeinsamen Interessen an Wissenschaft, Technologie und digitaler Kunst. Kollaboration und Wissensaustausch werden groß geschrieben. Organisiert sind sie meist wie Vereine. In Berlin war man sich außerdem einig, dass durch die Initiativen der Begriff Hacker wieder in positivem Licht erscheint – die Protagonisten der Klubs tragen schwer an ihrem schlechten Image.

Doch warum brauchen Hacker einen Klubraum samt Vereinsstruktur und monatlichen Mitgliedsbeiträgen, obwohl sie sich bequem via Internet über Technik-Tüfteleien austauschen könnten? "Wir benötigen Rechner, Pizza und koffeinhaltige Getränke", zitiert der 36-jährige Pettis ein beliebtes Hackerklischee. "Bei uns gibt es all das – und man sitzt mit Gleichgesinnten an einem Tisch." Das mache Spaß, und wenn Probleme auftauchten, sei immer jemand da, der mit seinem Wissen weiterhelfen kann. "Wir lernen, teilen und machen Sachen," lautet denn auch das Motto des Klubs.

Bei NYC Resistor experimentiert eine Gruppe mit Halbleiterchips, andere arbeiten mit elektronischen Strickmaschinen oder programmieren Software. Der ganze Stolz der Hacker ist aber ein Lasercutter. Mit dem Gerät lassen sich 3-D-Modelle aus Materialen wie Plexiglas schneiden, die Anleitungen dafür entwerfen sie selbst.

Während man bei NYC Resistor nur auf Einladung Mitglied werden kann, funktionieren andere Klubs eher als Plattformen. Bei HacDC etwa reicht eine Registrierung auf der Webseite. "Wir wollen offen für alle sein", sagt Gründer Nick Farr, der als Finanzanalyst bei einer Unternehmensberatung arbeitet. Die Washingtoner nutzen die Räume einer Kirchengemeinde, betreiben ein Recycling-Projekt für Altgeräte und kümmern sich um den Aufbau eines drahtlosen Internets für die Nachbarschaft. Im Wiener Metalab , das übrigens auch vom Österreichischen Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend gefördert wird, treffen sich so verschiedene Gruppen wie Freie-Software-Aktivisten und Netzkünstler.

Das Phänomen der Hackerspaces gibt es in Deutschland schon lange. Die Berliner c-Base oder das Kölner C4 des CCC sind seit Jahren etablierte Treffpunkte der Szene. Neu ist, dass das deutsche Klubmodell im Ausland kopiert wird. Dafür verantwortlich ist maßgeblich ein Dokument mit dem Namen "Hackerspace Design Patterns" , eine Art Anleitung zum Betreiben von Hackerspaces.

"Das Dokument hat wie ein Katalysator gewirkt", sagt Pettis. Verfasst wurde es von den CCC-Mitgliedern Jens Ohlig und Lars Weiler, die selbst Hackerräume gegründet haben. Die Anleitung enthält Tipps zur Anmietung von Räumen, zur Finanzierung, und Hilfen, wie sich Gruppenentscheidungen treffen lassen.

Auch die Gründer von NYC Resistor haben sich bei der Gründung ihres Vereins am deutschen Modell orientiert. Den New Yorker Klub gibt es seit anderthalb Jahren, inzwischen hat man eigene Wege gefunden, sich zu organisieren. "Wir stimmen binär ab – eins heißt ja, null nein", schmunzelt Pettis. Das System funktioniere reibungslos. Er hat noch eine einfache Erklärung, warum sich das deutsche Hackerklubmodell zum Exportschlager gemausert hat: "Menschen brauchen Heime – nicht alles passiert im Internet."
 

 
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