Fernsehen Das Böse zieht immer
Aus dem Castinghimmel ins Dschungelcamp und zurück ins Showbusiness: Über das krisenresistente Erfolgsmodell Trash-Fernsehen
Da sitzen sie nun wieder, die Verbannten und Ausgebrannten, und kratzen in ihren Tellern. Und lassen sich dabei von den Werberelevanten begaffen.
Rund vier Millionen der 14- bis 49-Jährigen schauten am Wochenende zu nachtschlafender Stunde die RTL-Überlebensshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! .
Es sind deutlich mehr als noch vor einem Jahr, bei der dritten Staffel. Trotzdem sind die Reklameunterbrechungen kurz und bestehen zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Eigenwerbung des Senders.
Ist den Werbekunden das Format zu unseriös? Sitzt ihr Geld nicht mehr so locker? Oder hat sich bei ihnen inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass die gefeierte Kaufkraft und Markenführerschaft der anvisierten Zielgruppe eine süße Fiktion ist, wie ihr Geburtsvater, Ex-RTL-Chef Helmut Thoma, vor einiger Zeit zugab?
Dazu passt auch der von RTL penetrant betriebene Versuch, stattdessen die Online-Berichterstattung in die richtigen Kanäle umzuleiten. Wer über das Dschungelcamp berichten und ein Pressefoto der Fernsehshow verwenden möchte, muss parallel ein vom Privatsender vorformuliertes Sätzchen samt Link unters Bild packen. Wen man im Fernsehen nicht erreicht, kann man ja auch noch im Internet nerven, denken sich die Werbeverantwortlichen.
Wir werden beim Dschungelcamp Zeugen einer zweifachen Krise. Diejenigen, die drin sind, befinden sich im Karriere-Monopoly in der Badstraße und hoffen auf das große Los. Die, die von außen zuschauen, merken angesichts des wirtschaftlichen Burn-outs mehr und mehr, dass sie nur mit einigem Würfelglück schadlos über die Runden kommen.
- Datum 01.06.2009 - 14:49 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wen wundert es : leicht verdauliche Medienkonsumkost auf Kosten Anderer ist die zwangsläufige Konsequenz der Überfütterung und Dekadenz (das meine ich jetzt so wertfrei wie möglich) . Und Privatfernsehen kennt nur in sehr geringen Mass Verantwortung : warum auch , Die Fernehbetriebswirtschafter werden schliesslich für Quoten bezahlt .
Opium fürs Volk gabs schon immer , leider
Welches "Volk".
Das Rumhacken auf dem "Privatfernsehen" gehört zu den klassischen Lieblingsbeschäftigungen der deutschen Intellektuellen, oder wer sich gern dafür hält.
Martenstein hat hier im Tagesspiegel einen wunderbaren Artikel mit dem Titel "Was ihr wollt" zu 25 Jahren Privatfernsehen verfasst, ich weiss nicht ob eine Verlinkung an dieser Stelle erlaubt ist aber wenn die Redaktion sich daran stört kann sie die ja entfernen: http://www.tagesspiegel.d...
Dazu möcht ich noch etwas hinzufügen,
es wird auch immer unterstellt es schaue halt jeder TV und die "jungen Leute" ja eh. Stimmt nicht, lässt sich auch empirisch nachweisen. Und die TV Branche steht nun nicht im Verdacht ihre eigene Reichweite künstlich kleinrechnen zu wollen. Der gesamte TV Konsum ist letztes Jahr bereits, erstmals überhaupt, leicht gesunken. Der der jungen Zielgruppe sehr stark. Und das Leitmedium der Jugend ist schon längst alleinig das Internet. Das TV ist uninteressant geworden, läuft maximal im Hintergrund als Berieselung. Es handelt sich um ein sterbendes Medium für die älteren Generationen die damit - und den ewigen Debatten darum - aufgewachsen sind. Das Niveau ist nicht niedrig, das Programm ist einfach langweilig geworden. Was die Konsequenz dieser Entwicklung ist, keiner mag da noch Geld investieren in ein sinkendes Schiff, in Folge sind die Budgets zu niedrig und Sendezeit wird immer mehr mit billigst produziertem Müll und Teleshopping aufgefüllt. Was die Zuschauer weiter vom TV wegtreibt, die Werbeeinnahmen weiter unter Druck setzt, die Budgets weiter sinken lässt.. die aktuelle Wirtschaftskrise wird dem Privatfernsehen wohl mehr oder weniger den finalen Stoß versetzen. Dann bleibt noch das Bezahlfernsehen, auf Abruf ("On Demand") übrig wo man ohne Werbeunterbrechnung und wann man will Kinofilme und Serien schauen kann oder eben die Liveübertragung von Sportereignissen - Platz für B Sendungen mit dauergrinsenden C Moderatoren ist dort nicht mehr. Dieses Problem erledigt sich aber von selbst. Anderswo sind die Korrekturkräfte des Marktes leider komplett ausgeschaltet, beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Der ist eher ein Grund zur Aufregung, da eine Zwangsveranstaltung. Müssten sich ARD ZDF und Co ihre Einnahmen durch eine fernsehmacherische Leistung verdienen und hätten diese nicht garantiert dann erginge es diesen Kanälen auch nicht besser als den Privaten. Nur dass die Privaten mit viel weniger Geld wenigstens in etwa vergleichbare "Qualität" anbieten. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist aber auf verlorenem Posten, das Durchschnittsalter dessen Zuschauer liegt weit über dem der Gesellschaft und eigentlich schon im Rentenalter. Und die schauen wohl oft auch mehr aus Treue und Gewohnheit zu als wegen des Programmes an sich.
Man darf gespannt sein wann die Politik hier umsteuert. Zur Grundversorgung braucht es in Zeiten des Internet mit Sicherheit keinen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk mehr.
Welches "Volk".
Das Rumhacken auf dem "Privatfernsehen" gehört zu den klassischen Lieblingsbeschäftigungen der deutschen Intellektuellen, oder wer sich gern dafür hält.
Martenstein hat hier im Tagesspiegel einen wunderbaren Artikel mit dem Titel "Was ihr wollt" zu 25 Jahren Privatfernsehen verfasst, ich weiss nicht ob eine Verlinkung an dieser Stelle erlaubt ist aber wenn die Redaktion sich daran stört kann sie die ja entfernen: http://www.tagesspiegel.d...
Dazu möcht ich noch etwas hinzufügen,
es wird auch immer unterstellt es schaue halt jeder TV und die "jungen Leute" ja eh. Stimmt nicht, lässt sich auch empirisch nachweisen. Und die TV Branche steht nun nicht im Verdacht ihre eigene Reichweite künstlich kleinrechnen zu wollen. Der gesamte TV Konsum ist letztes Jahr bereits, erstmals überhaupt, leicht gesunken. Der der jungen Zielgruppe sehr stark. Und das Leitmedium der Jugend ist schon längst alleinig das Internet. Das TV ist uninteressant geworden, läuft maximal im Hintergrund als Berieselung. Es handelt sich um ein sterbendes Medium für die älteren Generationen die damit - und den ewigen Debatten darum - aufgewachsen sind. Das Niveau ist nicht niedrig, das Programm ist einfach langweilig geworden. Was die Konsequenz dieser Entwicklung ist, keiner mag da noch Geld investieren in ein sinkendes Schiff, in Folge sind die Budgets zu niedrig und Sendezeit wird immer mehr mit billigst produziertem Müll und Teleshopping aufgefüllt. Was die Zuschauer weiter vom TV wegtreibt, die Werbeeinnahmen weiter unter Druck setzt, die Budgets weiter sinken lässt.. die aktuelle Wirtschaftskrise wird dem Privatfernsehen wohl mehr oder weniger den finalen Stoß versetzen. Dann bleibt noch das Bezahlfernsehen, auf Abruf ("On Demand") übrig wo man ohne Werbeunterbrechnung und wann man will Kinofilme und Serien schauen kann oder eben die Liveübertragung von Sportereignissen - Platz für B Sendungen mit dauergrinsenden C Moderatoren ist dort nicht mehr. Dieses Problem erledigt sich aber von selbst. Anderswo sind die Korrekturkräfte des Marktes leider komplett ausgeschaltet, beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk. Der ist eher ein Grund zur Aufregung, da eine Zwangsveranstaltung. Müssten sich ARD ZDF und Co ihre Einnahmen durch eine fernsehmacherische Leistung verdienen und hätten diese nicht garantiert dann erginge es diesen Kanälen auch nicht besser als den Privaten. Nur dass die Privaten mit viel weniger Geld wenigstens in etwa vergleichbare "Qualität" anbieten. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist aber auf verlorenem Posten, das Durchschnittsalter dessen Zuschauer liegt weit über dem der Gesellschaft und eigentlich schon im Rentenalter. Und die schauen wohl oft auch mehr aus Treue und Gewohnheit zu als wegen des Programmes an sich.
Man darf gespannt sein wann die Politik hier umsteuert. Zur Grundversorgung braucht es in Zeiten des Internet mit Sicherheit keinen Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk mehr.
kann man den Satz anwenden: "Gar nicht erst ignorieren...".
Es ist die Aufregung nicht wert.
auch ein wenig Schadenfreude und die tut gut, wenn man wenig zum Freuen hat ;-)
Es läßt sich so schön lästern über die, die sich derart armselig zur Schau stellen müssen, um ein paar Kröten zu verdienen. Ja auch entsetzt ist man über den einen oder anderen Teilnehmer: daß der/die das nötig hat???
Und bei allem Entsetzen über dieses Trash-Fernsehen, ohne Einschaltquoten gäbe es diese Sendungen nicht.
Ich finde es jedenfalls spannender, als das samstägliche Volksmusikeinerlei der öffentlich Rechtlichen mit Florian Silbereisen ;-)
Ich könnte Ihnen einige Bücher empfehlen, die Sie Florian Silbereisen und die armen Seelen im tiefen Dschungel vergessen lassen und die Ihnen bestimmt sehr viel Freude bereiten würden ;-)
@imame:
auch ein wenig Schadenfreude und die tut gut, wenn man wenig zum Freuen hat.
Die stärkt vielleicht kurzfristig das Ego. Für eine Gesellschaft ist es aber ne Katastrophe wenn der Weg aus der Krise, der über die Leichen anderer ist. Man konditioniert sich mit dem Ansehen solcher Sachen schließlich fürs Leben. Fernsehen verändert die Wahrnehmung und das Verhalten, vor allem im sozialen Bereich.
Wenn das eigene Selbstbewusstsein nur Mist ist, ist es womöglich besser sich zu überlegen wieso man ein so negatives Bild von sich selbst hat, als sich vor den Fernseher zu lümmeln und für ein paar Stunden daran hochzuziehen, dass es anderen noch dreckiger geht.
Man könnte zum Beispiel mal nett zu jemandem sein. In der Regel freuen sich dann alle.
Love Peace and Harmony! (Selbstironie und so.....)
Ich könnte Ihnen einige Bücher empfehlen, die Sie Florian Silbereisen und die armen Seelen im tiefen Dschungel vergessen lassen und die Ihnen bestimmt sehr viel Freude bereiten würden ;-)
@imame:
auch ein wenig Schadenfreude und die tut gut, wenn man wenig zum Freuen hat.
Die stärkt vielleicht kurzfristig das Ego. Für eine Gesellschaft ist es aber ne Katastrophe wenn der Weg aus der Krise, der über die Leichen anderer ist. Man konditioniert sich mit dem Ansehen solcher Sachen schließlich fürs Leben. Fernsehen verändert die Wahrnehmung und das Verhalten, vor allem im sozialen Bereich.
Wenn das eigene Selbstbewusstsein nur Mist ist, ist es womöglich besser sich zu überlegen wieso man ein so negatives Bild von sich selbst hat, als sich vor den Fernseher zu lümmeln und für ein paar Stunden daran hochzuziehen, dass es anderen noch dreckiger geht.
Man könnte zum Beispiel mal nett zu jemandem sein. In der Regel freuen sich dann alle.
Love Peace and Harmony! (Selbstironie und so.....)
...aber deutlich treffender (und besser geschrieben!):
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,600499,00.html
Es ist herrlich zu sehen, dass sich das Fernsehen noch Mühe geben kann, ein Programm zu machen, über das am anderen Tag alle sprechen – und zwar nicht bloß, um festzustellen, wer als Erster in der Runde davor weggedöst ist.
Exakt!
Ich könnte Ihnen einige Bücher empfehlen, die Sie Florian Silbereisen und die armen Seelen im tiefen Dschungel vergessen lassen und die Ihnen bestimmt sehr viel Freude bereiten würden ;-)
@imame:
auch ein wenig Schadenfreude und die tut gut, wenn man wenig zum Freuen hat.
Die stärkt vielleicht kurzfristig das Ego. Für eine Gesellschaft ist es aber ne Katastrophe wenn der Weg aus der Krise, der über die Leichen anderer ist. Man konditioniert sich mit dem Ansehen solcher Sachen schließlich fürs Leben. Fernsehen verändert die Wahrnehmung und das Verhalten, vor allem im sozialen Bereich.
Wenn das eigene Selbstbewusstsein nur Mist ist, ist es womöglich besser sich zu überlegen wieso man ein so negatives Bild von sich selbst hat, als sich vor den Fernseher zu lümmeln und für ein paar Stunden daran hochzuziehen, dass es anderen noch dreckiger geht.
Man könnte zum Beispiel mal nett zu jemandem sein. In der Regel freuen sich dann alle.
Love Peace and Harmony! (Selbstironie und so.....)
... und leise Ironie sollte man auch erkennen können ;-)
... und leise Ironie sollte man auch erkennen können ;-)
Meiner Meinung nach ist das Dschungelcamp nicht nur
Trashfernsehen, sondern ein ganz interessanter Feldversuch über gruppendynamische Prozesse unter Einbeziehung der Zuschauer, bei dem noch jeder etwas lernen kann.
Leider kommt dieser Aspekt in der Sendung etwas zu kurz.
Wie sind die einzelnen Teilnehmer in die Gruppe integriert, wo entstehen Störungen, etc. ... .
Spricht das für die Zuschauer ?
Diese krisenfesten Formate.
Aber auch die GEZ-Medien
haben praktisch alle Formate
bei den Privaten abgekupfert.
Nicht einmal die Spielfilme die man selbst produziert,
sind letztlich aus öffentliche Feder.
Viele davon sind aber sehenswert.
Zum Glück hat der alte deutsche Film abgewirtschaftet
und ist lockerer geworden, nicht mehr so verbissen.
Eben: Angelsächsischer.
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